Strategien
23.06.2017

Populismus zahlt keine Renten

(Fotograf: Tom Kohler)

Diskussionsrunde anlässlich der Jahreskonferenz 2017 mit Dr. Hans Wilhelm Korfmacher vom ­WPV, Dr. Holger Bahr (Deka-Bank), Stefan Hofrichter (Allianz Global Investors) sowie Graham McDevitt (Macquarie) und Ex-US-Botschafter John Kornblum.

Herr Dr. Korfmacher, wie erleben Sie als ­institutioneller Investor die Debatte um den Bestand der Eurozone?
Dr. Hans Wilhelm Korfmacher: Deutschland kann sich einen Zerfall des Euro ­eigentlich nicht leisten. Dennoch ist ein Auseinanderbrechen der Eurozone aber ein in Betracht zu ziehendes Szenario.
Im Übrigen geht es uns als Kapitalanleger derzeit gar nicht so schlecht. Wir mussten uns an die Niedrigzins­phase gewöhnen und haben uns darauf eingerichtet. Dazu haben wir unsere Asset ­Allocation und im Rahmen unserer Möglichkeiten die Verpflichtungs­seite angepasst. Die Entwicklungen im ­Hinblick auf die Eurozone und andere geopolitische Themen führen aber dazu, dass ich mich bei vielen Kapitalanlageentscheidungen nicht wirklich wohl fühle.

Gehen Sie bitte näher ins Detail.  
Korfmacher:
Ich weiß nicht, wie ich auf die geopolitischen Risiken reagieren soll. Das größte Risiko ist aus ­meiner Sicht der Zusammenbruch des Euro. ­Dieses Risiko kann ich weder hedgen, noch kann ich mich ­darauf einstellen. Fundamentale ökonomische ­Fragestellungen verblassen derzeit aufgrund der politischen Großwetterlage geradezu.

Wir haben es mit Blick auf die politische Großwetterlage mit einer dynamischen ­Entwicklung zu tun. Welche Rolle spielt dabei der um sich greifende Populismus?
Graham McDevitt:
Populismus ist ein ­zunehmend globales Phänomen. Hintergrund dafür ist nach meiner Einschätzung die globale Finanzkrise von 2008. Während der Kapitalmarkt in gewisser Weise als Profiteur daraus hervorgegangen ist, litt die ­allgemeine Bevölkerung unter der Situation. Darüber hinaus scheint es, als hätten sich die politischen Entscheidungsträger für eine Normalisierung des Wachstums auf die ­Senkung der Zinssätze und nicht auf die Strukturreform verlassen. In Europa gibt es seit Jahren Rufe nach Reformen in den ­einzelnen Staaten. Das Problem, das ich an dieser Stelle sehe, ist: Die Reformen lassen auf sich warten. Frankreich ist ein ­klassisches Beispiel. Wenn wir uns dagegen die ­Vereinigten Staaten von Amerika ­im Jahr 2017 unter ­Donald Trump ansehen, sehen wir eine andere Situation: Donald Trump hat eine ­Reform-Agenda.
Wenn wir allerdings die geplante Steuer­reform betrachten, bin ich mir nicht sicher, wer davon profitieren wird – da der Plan auf ­Unternehmenssteuersenkungen und Steuersenkungen der mittleren und oberen Einkommensgruppe fokussiert ist. Wenn wir den Anstieg des ­Populism us und das hohe Niveau der Anlage­märkte zusammensetzen, sind wir aus meiner Sicht an einem heiklen Punkt angekommen.

Das müssen Sie erläutern.
McDevitt:
Seit der Finanzkrise ­haben wir es mit einer höchst unkonventionellen Notenbankpolitik in den Vereinigten Staaten und im Ausland zu tun. Wir sind heute an einem Punkt ­angelangt, an dem der Zinszyklus nach oben gerichtet ist. Außerdem steht die US Federal Reserve bereit, ihre enorm angeschwollene Bilanzsumme nun wieder zu ­reduzieren.
In Europa ist die Situation nicht anders. Die Europäische Zentralbank ­reduziert ihre ­Anleihenkäufe. Wir haben uns an das ­Eingreifen der Notenbanken gewöhnt. Wenn ich nun den Blick nach vorne richte, frage ich mich, wie sich das Verhalten der Noten­banken ändern wird, wenn sich die geo­politische Landschaft verändert.

 
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