Pensionskassen
28.02.2018

Private Equity: Pensionskassen treten offensiv als Co-Investoren auf

Laut einer PWC-Studie setzen Europas Beteiligungsmanager vermehrt auf Kollaboration statt Konkurrenz. Die Rolle der Finanzinvestoren hat sich laut der Untersuchung grundlegend gewandelt.

Europas Finanzinvestoren setzen immer stärker auf Kollaboration statt Konkurrenz – das zeigt der „Private Equity Trend Report 2018“, für den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC rund 250 europäische Beteiligungsmanager befragt hat. Den Grund für diese Veränderung in den vergangenen drei Jahren sehen 66 Prozent der Befragten darin, dass sich die Kooperation mit strategischen Investoren deutlich intensiviert hat. „Anders ausgedrückt: Statt um ein Übernahmeziel zu streiten, macht man lieber gemeinsame Sache“, erklärt Steve Roberts, Leiter des Bereichs Private Equity bei PWC in Deutschland. 

Financial Engineering verliert an Bedeutung 

Aus Roberts‘ Sicht „ist diese Entwicklung nur konsequent, denn auch in anderer Hinsicht zeigen sich Finanzinvestoren heute deutlich kooperativer als noch vor zehn oder 15 Jahren“. So waren Private-Equity-Gesellschaften hierzulande früher zum Teil gefürchtet, weil sie ihren Portfoliounternehmen oft hohe Schulden aufbürdeten, um die eigene Rendite zu maximieren. In der aktuellen PWC-Umfrage sagten dagegen 68 Prozent der Beteiligungsmanager, diese auch als „Financial Engineering“ bekannte Strategie habe stark an Bedeutung verloren. 

Als die wichtigste Komponente des eigenen Geschäftsmodells bewerten 44 Prozent der Befragten, die Portfoliofirmen „im operativen Geschäft nach vorne zu bringen“. Zum Vergleich: Gerade einmal neun Prozent der Beteiligungsmanager hielten das „Financial Engineering“ immer noch für relevanter. 

Die Rolle der Finanzinvestoren hat sich laut der Untersuchung grundlegend gewandelt

„Die Umfrageergebnisse zeigen, wie grundlegend sich die Rolle der Finanzinvestoren im europäischen Wirtschaftsleben gewandelt hat. Wurde Private Equity früher als opponierende Kraft wahrgenommen, gelten die Beteiligungsfonds heutzutage als verlässliche Partner – und zwar unter Unternehmen genauso wie unter anderen Investoren“, meint Steve Roberts. 

Ein weiteres Ergebnis des „Private Equity Trend Reports 2018“: 37 Prozent der PE-Manager entgegneten auf die Frage, was sich denn im Verhältnis zu den eigenen Geldgebern verändere, dass diese sich immer offener für gemeinsame Investitionsprojekte zeigten. „Auch das ist ein bemerkenswerter Wandel“, erläutert Roberts und fährt fort: „Es gab mal eine Zeit, da versteckten sich Pensionskassen oder Versicherer hinter Private Equity. Dagegen treten sie inzwischen offensiv als Co-Investoren in die Öffentlichkeit.“ 

Unter dem Strich zeichnet die PWC-Studie aus Sicht ihrer Macher das Bild einer „zunehmend reifen Branche, die immer tiefer in bestehende Strukturen eindringt und auf dieser Basis konstant hohen Zuwachsraten erzielt“, so Roberts. Ein Ende des seit Jahren anhaltenden Private-Equity-Booms sei nicht abzusehen. So meinten 48 Prozent der befragten Beteiligungsmanager, dass sich die Zahl ihrer Investments 2017 im Vergleich zum Vorjahr erhöht habe – während nur 20 Prozent von einem Rückgang berichteten.

Dabei zeigten sich 57 Prozent mit der Entwicklung ihrer Portfoliounternehmen zufrieden; unzufrieden waren hingegen nur 14 Prozent. Für dieses Jahr rechnen zudem 50 Prozent der Finanzinvestoren mit nochmals besseren Geschäften, während nur fünf Prozent gegenteiliger Ansicht sind. Das Fazit von Steve Roberts lautet: Die Private-Equity-Branche erlebe keinen vorübergehenden Aufschwung, sondern sie sei dabei, sich dauerhaft als verlässlicher Partner zu etablieren. 

Insgesamt gute Stimmung 

Laut einer Umfrage von Roland Berger erwartet die Private-Equity-Branche in diesem Jahr mehr M&A-Transaktionen durch Private-Equity-Gesellschaften als 2017. Positive Konjunkturaussichten wiegen dabei wirtschaftspolitische Unsicherheiten wie zum Beispiel die schleppenden Brexit-Verhandlungen auf – nachzulesen ist das im „European Private Equity Outlook 2018“. Für die Untersuchung hat das Beratungshaus im November und Dezember vergangenen Jahres europaweit Vertreter von Private-Equity-Gesellschaften befragt. „Die Stimmung in der PE-Branche ist insgesamt gut, auch wenn auf dem wichtigsten M&A-Markt Großbritannien die Unsicherheit durch die schleppenden Brexit-Verhandlungen anhält“, erklärt Sascha Haghani, CEO für die Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Head of Restructuring & Corporate Finance von Roland Berger. 

Tendenziell liegt der Schwerpunkt der PE-Gesellschaften dieses Jahr eher bei Desinvestitionen als bei weiteren Akquisitionen. Laut Roland Berger hat der Verkauf existierender Beteiligungen (30 Prozent) im Gegensatz zu den Vorjahren oberste Priorität noch vor Neuinvestitionen (25 Prozent) und der Weiterentwicklung von Portfoliounternehmen (22 Prozent). Ein wichtiger Grund für die Priorität der Desinvestitionen dürfte im derzeit hohen Bewertungsniveau liegen; in der Umfrage stellen 93 Prozent der Teilnehmer eine gewisse Überbewertung bei Unternehmenspreisen fest. 

portfolio institutionell 27.02.2018/Tobias Bürger

 
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