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Ausgabe 4/2017

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23.11.2016

Revolution entlang der Wertschöpfungskette

Titelbild Pit November 2016
Neue Technologien und die sie kommerzialisierenden Anbieter ver­ändern die Rahmenbedingungen im Asset Management und in der Assekuranz. Spielt der Mensch bald nur noch die zweite Geige? Macht er sich womöglich überflüssig? Oder übernimmt er Aufgaben, an ­denen selbst Großrechner scheitern?
Matthias Hübner, Oliver Wyman
Rudolf Geyer, Ebase
Dr. Hendrik Leber, Acatis
Florian Stadlbauer, Commerz Real

Seit geraumer Zeit greift die Digitalisierung in der Realwirtschaft um sich. Ein Stichwort lautet dabei „Industrie 4.0“: Das heißt nichts anderes, als dass die industrielle Produktion mit ­moderner ­Informations- und Kommunikationstechnik verzahnt werden soll. Prominentes Beispiel ist der Stahlhändler Klöckner. Die ­technische Grundlage hierfür bilden digital vernetzte, „intelligente“ Systeme. Mit ihrer ­Hilfe soll eine selbstorganisierte Produktion möglich werden: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommuni­zieren und ­kooperieren. Längst diskutieren Vordenker aber auch ­darüber, wie man sich wohl die Industrie 5.0 ­vorstellen muss und ­welche bahnbrechenden Fortschritte im Sinne der Produktivität ­damit einhergehen.

Auch im Asset Management beschäftigt man sich mit der Digitalisierung. Nach Angaben von Allianz Global Investors (AGI) ist das „bereits seit Jahren ein Thema, auch wenn dies vielfach nach außen hin nicht so sichtbar ist“, antwortet der Asset Manager der Allianz und ergänzt: „Letzteres liegt zum Teil daran, dass das Asset Management in vielen Fällen immer noch ein B2B2C-Business ist.“ Doch wie muss man sich die Digitalisierung vorstellen? Wie in anderen Branchen auch betrifft das zum einen sämtliche internen Prozesse. Dies reicht laut Allianz Global Investors von einer „State-of-the-Art-­Kollaboration global aufgestellter Fondsmanagement- und ­Research-Einheiten bis hin zur Effizienzsteigerung im Back-Office.“

Die erste Stellschraube – und gleichzeitig auch ein kritischer Erfolgsfaktor – ist auch hier die optimale Vernetzung digitaler und physischer Schnittstellen. Personalisierte Kundenportale gelten dabei als essentiell, sagt AGI. Zweite erfolgskritische Stellschraube seien ­digitale „Toolkits“ für Vertriebspartner und Kunden. Sie sollen ­individualisierte Lösungen ermöglichen: Angefangen bei maß­geschneiderten Investmentstrategien inklusive Kundenreporting bis hin zu einem Asset-Liability-Management.

Blick auf das große Ganze
Sehr hilfreich kann bei einer derart komplexen Materie die Einschätzung eines Beraters wie Matthias Hübner sein, der das große ­Ganze im Blick hat. Hübner ist Partner bei der Managementberatung Oliver Wyman in Frankfurt. Im Interview mit portfolio institutionell vertritt er die Einschätzung, dass die Digitalisierung im Asset ­Management noch relativ weit am Anfang steht. „Asset Manager ­wissen, was im Zuge der Digitalisierung auf sie zukommt. Aber im Vergleich zu Banken und klassischen Industrien, die unmittel­barer von der digitalen Bedrohung erfasst wurden, steht das Asset Management­ noch am Anfang der Bewegung.“ Hübner hat den Eindruck, dass der Begriff der Digitalisierung von vielen Anbietern noch sehr eng gefasst wird. „Sie betrachten die Digitalisierung als etwas, dass ausschließlich den Retail-Vertrieb betrifft. Das wird neudeutsch unter dem Schlagwort ‚Robo Advisor‘ subsummiert. Aus unserer Sicht ist dieses Verständnis zu eng.“

Vor diesem Hintergrund spannt der Berater den Bogen weiter. Er betont, dass die Digitalisierung nicht nur im Privatkundengeschäft ­eine Rolle spielt, sondern auch die institutionelle Seite und das Geschäft über den Vertrieb hinaus betrifft. „Wir bei Oliver Wyman gehen davon aus, dass sich das Thema entlang der gesamten Wertschöpfungskette abspielen wird. Dabei ist die Interaktion mit dem Kunden sicherlich ein Element. Aber wir vertreten die Auffassung, dass auch das Portfoliomanagement in den nächsten Jahren deutlich betroffen sein wird.“

Hübner verweist auf den Einfluss von Big Data, also die Analyse großer Datenmengen durch extrem leistungsfähige Rechner, und künstlicher Intelligenz als Angriffspunkte. Und auch die Middle- und Back-Office-Funktionen würden durch die Digitalisierung ­verändert. Hier geht es vor allem darum, effizienter zu werden; die ­Argumentation ähnelt der von AGI. Hinzu kommt: Manuelle Prozesse­ werden durch digitale Prozesse ersetzt, um die Geschäftsmodelle ­insgesamt schlanker aufzustellen. Innerhalb des Asset Management werde die Digitalisierung aber bis dato noch sehr stark über einzelne Initiativen diskutiert, lautet Hübners Zwischenfazit.

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