Strategien
30.06.2017

Robolution im Asset Management

Rob Almeida (Fotograf: Tom Kohler)

Im Zeitalter der Digitalisierung müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle­ hinterfragen – und auch die Finanzbranche bleibt nicht unberührt­. Inwiefern Business Disruption, Robo Advisor und Big Data das institutionelle Investmentgeschäft verändern, diskutierten Experten auf der Jahreskonferenz von portfolio.

Viele Branchen haben bereits erlebt, wie die Digitalisierung ihre Geschäftsmodelle­ durcheinander wirbelt. Bestes Beispiel ist die ­Musikbranche: Die Schallplattensammlung, die früher mehrere ­Regale beanspruchte, lässt sich heutzutage auf einem digitalen Abspielgerät in der Hosentasche herumtragen. Ähnlich heftige Erschütterungen haben auch andere Branchen in jüngster Zeit erlebt. Daran ist grundsätzlich nichts neu. Schon vor über 100 Jahren gab es Disruptionen in der Wirtschaftswelt. Man denke zurück an das ­Automobil, das Pferdekutschen ablöste. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der Disruptionen heutzutage erfolgen. „Früher hatten Unternehmen 15 oder 20 Jahre Zeit, um sich auf Veränderungen in ihrem Business einzustellen. Heute sind die Disruptionen viel schneller und aggressiver“,­ erklärte Christian Jorg, CEO bei Opentopic, ein Unter­nehmen, das unter anderem für Versicherungen und Asset Manager­ webbasierte Software-as-a-Service-Lösung anbietet, während einer ­Podiumsdiskussion über disruptive Trends im Asset Management auf der diesjährigen Jahreskonferenz von portfolio institutionell.

Die Schnelligkeit ist jedoch nicht der einzige Unterschied zwischen damaligen und heutigen Erschütterungen. Auch die Reichweite und Ausmaße haben sich verändert. „Disruptionen passieren heutzutage im Allgemeinen über Profit Pools verteilt über die ganze Welt hinweg und sind nicht auf ein Gebiet begrenzt“, erläuterte­ Rob Almeida, ­Investment Officer bei MFS Investment Management. Als Beispiel führte er das Internet an, das sowohl im Einzelhandel und Info­tainment als auch in der IT-Branche für Erschütterungen sorgt. Ein ­weiteres augenfälliges Beispiel für ein disruptives Produkt, das seine Branche innerhalb der vergangenen Jahre durcheinander­gewirbelt hat, sind Smartphones. „Man denke nur daran zurück, wie dumm Handys noch vor zehn oder 15 Jahren waren. Blackberry-­Produkte wurden von Apple und Samsung eindeutig disrupted“, so Almeida.

Er ist überzeugt, dass Smartphones eine reife Branche sind, die nah am höchsten Punkt der S-Kurve sind. Wenn dieser erreicht ist, erwartet er einen Preiskrieg, der für Apple zum echten Problem werden könnte, da die Kosten für die Produktion ihrer neuesten Smartphone-Version weiter steigen werden. Obwohl Apple das größte öffent­lich ­gehandelte Unternehmen der Welt ist, meidet Almeida dieses als Investment ­lieber. Für ihn ist es ein großer, schmelzender Eisberg, mit dem sich Alpha erzielen lasse, in dem man es nicht besitzt. Für ihn als aktiven Manager liegt der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg langfristig nicht darin, „die Disrupter zu identifizieren, sondern die Verlierer zu vermeiden“. Zur Veranschaulichung bringt er die 3D-Drucker ins Spiel, die vor vier, fünf Jahren als neue Technologie in der produzierenden Industrie gehypt wurden. „Doch Hersteller von 3D-Druckern waren keine guten Aktien, weil es nur geringe Unterscheide von einem zum anderen gibt“, so Almeida. 

Erschütterungen im Asset Management

Auch die Asset-Management-Branche selbst hat in den vergangenen Jahren eine schwere Erschütterung erfahren. Ausgelöst wurde diese durch Indexfonds und ETFs, an denen sich aktives Management ­immer stärker abmüht. „Als ich vor 22 Jahren im Asset Management angefangen habe, entfiel weniger als ein Prozent des gesamten ­Vermögens in der Branche auf passive Produkte. Doch in den vergangenen vier, fünf Jahren entwickelte sich dies parabolisch nach oben. Heute sind es mehr als 40 Prozent“, erläuterte Almeida. Immer ­wieder sehe sich der Portfoliomanager von MFS in Gesprächen mit Anlegern der Aussage konfrontiert, dass entweder die Märkte strukturell effizient seien oder die Manager nicht mehr die Fähigkeiten ­hätten, Ineffizienzen zu nutzen. Beide Annahmen hält Almeida für übertrieben. Seines Erachtens hat der zunehmende Einsatz von ­fundamental-agnostisch oder wert-agnostischen Vehikeln dazu ­geführt, dass riskante Assets in einen Topf geworfen werden und die Preisfindung getäuscht wird. Dies mache den Markt derzeit weniger effizient und nicht mehr.

Oftmals würden Menschen – und speziell Investoren – Kausalität und Korrelationen miteinander verwechseln. „Wenn zwei Dinge gleich­zeitig passieren und sich im Tandem über ­eine gewisse Zeit fortbewegen, tendieren wir zu der Assoziation, dass das eine der Grund und das andere die Folge ist“, so Almeida. Das sei jedoch keinesfalls immer der Fall. Eines der größten ­Missverständnisse, dem Investoren aufsitzen können, sei, dass das Bruttoinlandsprodukt die Aktienpreise­ antreibt. „Es gibt keine statische Beziehung zwischen den beiden“, so Almeida. Für den Portfoliomanager von MFS ist das aktive Management trotz starker Konkurrenz aus dem passiven Bereich, die zuletzt zunehmend auch durch das Aufkommen von ­Robo Advisors befördert wurde, nicht am Ende seiner Kurve ­angekommen: „Solange es Investoren gibt, die einen Asset-Liability-Mismatch aufweisen, werden Alpha-Provider eine Option sein.“  

 
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