Versicherungen
09.07.2018

Run-off-Plattform übernimmt Generali Leben

„Umfassende Partnerschaft“. Viridium stellt höhere Überschussbeteiligung in Aussicht.

Paukenschlag in der Assekuranz: Die Viridium Gruppe („Viridium“) gibt bekannt, sich vor dem Abschluss einer Vereinbarung mit der Generali Deutschland AG („Generali Deutschland“) über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung in Höhe von 89,9 Prozent an der Generali Lebensversicherung AG („Generali Leben“) zu befinden. Die Generali Deutschland soll mit 10,1 Prozent der Anteile an der Generali Leben beteiligt bleiben und ein Mitglied im Aufsichtsrat stellen. Für den Minderheitsanteil gelten marktübliche Kauf- und Verkaufsoptionen, die frühestens drei Jahre nach Vollzug der Transaktion ausgeübt werden können. Die Generali Leben wird im Rahmen der Transaktion in Summe mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. Dies beinhaltet eine mögliche Preisanpassung von 125 Millionen Euro für den Fall, dass sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für die Zuführungen zur Zinszusatzreserve (ZZR) verändern. Die Viridium Gruppe geht davon aus, dass der Kaufvertrag in Kürze unterschrieben werden kann.

Zudem wird im Rahmen der geplanten Transaktion der Generali Deutschland die Option eingeräumt, zum Zeitpunkt des Vollzugs der Übernahme bis zu zehn Prozent an der Viridium Gruppe zu erwerben. Damit würde die Generali Deutschland nach der Hannover Rück SE der zweite Partner aus der Versicherungsbranche, der sich als Gesellschafter an der Viridium Gruppe beteiligt.

„Wir freuen uns über dieses starke Signal des Vertrauens in die Viridium Gruppe und gehen davon aus, dass wir den Kaufvertrag zügig unterzeichnen werden. Die umfassende Partnerschaft mit der Generali Deutschland ist eine ausgezeichnete Lösung und bietet erhebliche Vorteile und langfristige Sicherheit für die Kunden der Generali Leben“, erklärt Dr. Heinz-Peter Roß, Vorsitzender des Vorstands der Viridium Gruppe. „Dass im Übrigen mit der Generali Deutschland ein weiterer großer Versicherer starkes Interesse daran zeigt, sich als Anteilseigner an Viridium zu beteiligen, werten wir als positives Zeichen für unser Marktsegment.“

Viridium bezeichnet sich selbst als „führender Spezialist für das effiziente Management von Lebensversicherungsbeständen“, wird extern aber auch gern als sogenannte Run-Off-Plattform für Lebensversicherungsbestände tituliert, die für Lebensversicherer unrentabel wurden. In der Vergangenheit hat die Viridium Gruppe, die aus der Heidelberger Leben hervorging, beispielsweise den Versicherungsbetrieb von Protektor und das Lebensversicherungsgeschäft der Skandia übernommen. Im Fall der Generali, die rund vier Millionen Lebensversicherungsverträge abgeschlossen hat, wäre es die Übernahme einer Mehrheit an einer Lebensversicherung.

Kapitalanlagen erst einmal bei Generali Investments

Viridium betont, dass mit der Transaktion eine umfassende Partnerschaft mit der Generali Deutschland einhergehe. Umfassende Kooperationsvereinbarungen zwischen den Beteiligten sollen sicherstellen, dass sämtliche Leistungen und Services der Generali Leben für die Versicherungsnehmer unverändert fortgeführt werden. Die Vereinbarungen sehen unter anderem mehrjährige Partnerschaften zwischen beiden Unternehmen in den Bereichen Asset Management und Betriebliche Altersvorsorge vor. Viridium wird Generali Investments Europe für einen Zeitraum von fünf Jahren mit der Verwaltung von Kapitalanlagen der Generali Leben beauftragen. Die Entgelte für diesen Vermögensverwaltungsauftrag sollen bestehenden Vereinbarungen und allgemeiner Marktpraxis entsprechen.

Viridium: höhere Überschussbeteiligung

Die Bafin betont bezüglich der Transaktion, an einen Unternehmensverkauf strenge Anforderungen zu stellen. „Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden“, erläutert der Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht, Dr. Frank Grund. „Dies stellen wir bei Bedarf durch geeignete Maßnahmen sicher.“ Sofern die Belange der Versicherungsnehmer nicht ausreichend gewahrt sind, kann die Bafin den geplanten Erwerb untersagen. Diesbezüglich stellt Viridium sogar eine Besserstellung der Versicherungsnehmer in Aussicht. Schriftlich teilt Viridium mit: „Als Teil der Viridium Gruppe profitieren die Versicherungsnehmer der Generali Leben künftig von den Kostenvorteilen des maßgeblich auf Effizienz basierenden Viridium Modells für das Bestandsmanagement. Dazu gehören insbesondere niedrigere, langfristig fixierte Kostensätze, die in der Folge zu einer höheren Überschussbeteiligung führen.“

Vor dem Erwerb einer bedeutenden Beteiligung an einem Versicherungsunternehmen wird ein Inhaberkontrollverfahren durchgeführt. In diesem Verfahren prüft die Bafin unter anderem die Zuverlässigkeit des Erwerbers, sein Geschäftsmodell und seine Strukturen. Der Erwerber muss insbesondere über ein effektives Risikomanagement verfügen und umfangreiche Berichtspflichten erfüllen. Außerdem muss der Erwerber in der Lage sein, den übernommenen Bestand angemessen zu verwalten. Ein Prüfungsschwerpunkt liegt daher auf der technischen und betrieblichen Umsetzbarkeit der Transaktion. Die Dauer des Prüfungsverfahrens hängt laut der Aufsichtsbehörde vom Einzelfall ab. „Erfahrungsgemäß müssen – speziell bei größeren Transaktionen – allein für die Vervollständigung der einzureichenden Unterlagen mehrere Monate eingeplant werden“, sagt Grund.

Auch nach einem Verkauf unterliegt das betroffene Versicherungsunternehmen der vollständigen Versicherungsaufsicht durch die Bafin. Vertragliche Garantien bleiben unverändert bestehen. Bei Verträgen mit Überschussbeteiligung sind weiterhin die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, die sich unter anderem aus der Mindestzuführungsverordnung (MindZV) ergeben. Die Bafin hat darüber hinaus umfassende Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und zur Reaktion auf Missstände.

portfolio institutionell, 05.07.2018/Patrick Eisele

 
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