Traditionelle Anlagen
12.07.2017

S passt auch Versicherungskonzernen

Marc Schwetlik (Bild: Bayerische Leben)

Performance-Vergleich

Deutschland blamierte sich beim Eurovision Songcontest, kommt in der Fußball-Champions-League seit Jahren nicht mehr über das ­Halbfinale hinaus und ist auch nicht mehr Papst. Champion ist Deutschland dagegen bei den Hidden Champions.

Eine Vielzahl an spezialisierten und innovativen Mittelständlern ist in der Welt zu Hause, aber in Deutschland beheimatet – aber auch in den deutschen Small- und Midcap-Indizes, die den Dax-30 schlagen. Diese Outperformance ist trotz höherer Vola auch für die Kapitalanlage von Versicherungen interessant.

Die unbekannten Weltmarktführer tüfteln an einzigartigen Produkten in engen Marktnischen und produzieren in hoher Fertigungstiefe. Hidden Champions finden sich auch in anderen Ländern, sind aber besonders oft auf der Schwäbischen Alb, in Ostwestfalen oder Oberbayern ansässig. Mit über 1.500 Unternehmen ist der ­deutschsprachige Raum die Kernregion der Hidden Champions. Ansässig sind einige dieser Unternehmen auch in den Nebenwerte-Indizes M-Dax, Tec-Dax und S-Dax, die den Dax-30 in den vergangenen 36 Monaten um 22 bis 49 Prozentpunkte und in den vergangenen 120 Monaten um zehn bis 92 Prozentpunkte outperformten.

Entsprechende Aktienansätze werden von den deutschen Big-4-Asset-Managern offeriert, ­wobei Allianz GI Small-Cap-Ansätze auf europäischer, asiatischer und US-Ebene verfolgt. Das Haus stockte vor ­kurzem das europäische Mid- und Small-Cap-Team auf neun Fondsmanager auf. Ebenfalls zu nennen ist der langjährige Small-Cap-Spezialist ­Lupus Alpha oder die Boutique FPM Frankfurt Performance ­Management. Seit ­August 2015 ist auch der DJE – Mittelstand & ­Innovation erwerbbar, der 2017 bis Anfang Juni um immerhin 25 ­Prozent zulegen konnte.

Aktuell attraktive Asset-Klassen aufzuspüren, fällt auch einem ­größeren Single Family Office schwer. Als derzeit noch am interessantesten befunden – auch weil nach einem Unternehmensverkauf ­wieder Platz in der „Deutschland-Schublade“ ist – wurde jedoch das Hidden-Champion-Thema. Gerade Unternehmerfamilien sind eben für die Geschäftsmodelle von Marktführern mehr zu begeistern als für Blue-Chip-Benchmark-Schmuser-Ansätze. Interessiert an Nebenwerte-­Investments sind aber nicht nur unternehmerisch denkende Family Offices. „Für Family Offices wäre ein High-Conviction-Small-Cap-­Ansatz attraktiv. Eine starke Nachfrage nach einem solchen Produkt kommt aber vor allem von den Fondsselektoren bei Banken“, so Tim Albrecht, leitender Fondsmanager für deutsche ­Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS.

Dieser Aussage entspricht eine von Axa IM im Januar 2017 in Auftrag ­gegebene weltweite Umfrage unter 153 sogenannten Fondskäufern. Von diesen Fondskäufern halten es 52 Prozent für schwierig, einen geeigneten Small-Cap-Manager zu finden. Für 51 Prozent ist mang­elnde Liquidität das Haupthindernis bei Small-Cap-Investitionen. ­Immerhin 43 Prozent fürchten aber auch die Volatilität von niedrig kapitalisierten Aktien. „Für Small Caps gibt es tendenziell zu wenig Research, und die Preisbildung ist weniger effizient“, beschreibt Matthew Lovatt, Business Developer bei Axa IM die Besonderheiten dieses Aktiensegments. „Wir glauben aber, dass es am Small-Cap-Markt interessante Möglichkeiten gibt und sich eine höhere Gewichtung der Asset-Klasse gerade im derzeitigen Weltwirtschaftsumfeld auszahlen kann.“ ­Davon gehen auch die befragten Fondskäufer in ­verstärktem Maße aus. ­Hatten im Jahr 2016 noch „nur“ 33 Prozent der weltweit befragten Fondskäufer erklärt, dass sie in Small Caps ­investieren wollen, waren es im Januar dieses Jahres mit 60 Prozent nämlich gemäß den ­Umfrageergebnissen fast doppelt so viele.

Bilanzsensitiven Versicherern fällt es jedoch schwer, insbesondere durch konzentrierte Portfolios die sowieso hohe Volatilität von ­Nebenwerten noch durch ein konzentriertes Portfolio zu hebeln. Auch deshalb, da Hedges in ­diesem Segment schwierig sind. Albrecht: „Auf die Frage nach ­Absicherungen haben wir keine einfache Antwort. Mit den kurzfristigen Schwankungen muss man sich anfreunden ­können.“ 2008 ­kamen Nebenwerte noch mehr unter Druck als Large Caps, erholten sich aber auch wieder schneller, was wiederum interessante Timing-Chancen eröffnete.

 
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