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15.03.2010

Sal. Oppenheim: die Integrationsfrage

Der Luxemburger-Standort

Der Luxemburger-Standort

Während der Finanzkrise ist die Privatbank Sal. Oppenheim fast vor die Wand gefahren. Nur durch die Rettung seitens der Deutschen Bank existiert sie noch, allerdings nur als Vermögensverwalter. Die Deutsche Bank steht nun vor der Übernahme der Privatbank, und der Markt will wissen: Was hat der Branchenprimus mit Sal. Oppenheim vor?

Der Niedergang von Sal. Oppenheim ist bemerkenswert. Vor gerade einmal zwei Jahren schien die Privatbank im Zenit ihrer Macht ­angelangt zu sein. Mit einer Eigenkapitalrendite von 17 Prozent vor Steuern war sie sehr profitabel. Mit einem verwalteten Vermögen von 152 Milliarden Euro war sie eine der größten deutschen Asset-Management-Unternehmen. Anfang 2008 zog die Privatbank dann nach Luxemburg, um von dort ein Asset-Management-Imperium in Europa aufzubauen.

Durch die Zukäufe von Alternatives-Managern in London (Integrated) und Paris (Financière Atlas) war der Anfang gemacht. Ein Jahr später brachten die Finanzkrise und die missglückte Beteiligung am insolventen Einzelhändler Arcandor die Traditionsbank an den Abgrund. Für 2008 musste die Privatbank erstmals in der Nachkriegsgeschichte­ einen Verlust verbuchen - und brauchte auf einmal dringend frisches Kapital.

Die Verluste der Oppenheim-Partner - darunter Christopher von Oppenheim, damals zuständig für die Vermögensverwaltung - dürften sich auf mehrere hundert Millionen Euro summiert haben. So wandten sie sich an die Deutsche Bank, die im vergangenen August 300 Millionen Euro bereitstellte und schließlich eine komplette Übernahme für eine Milliarde Euro aushandelte. Drei Monate später war die 221 Jahre währende Unabhängigkeit von Sal. Oppenheim vorbei. "Als die Mitarbeiter in Köln erfuhren, dass die Deutsche Bank uns übernehmen würde, brachen einige in Tränen aus", erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter der Oppenheim Kapitalanlagegesellschaft (OKAG).

Die Tränen sind inzwischen getrocknet, und es stellt sich die Frage, was der Branchenprimus mit Sal. Oppenheim vorhat. Die Invest­mentbank von Sal. Oppenheim braucht die Deutsche Bank nicht, und deswegen wird sie stückweise verkauft. Der Rest der Privatbank, nämlich die Vermögensverwaltung für Privatkunden, genannt Oppenheim Vermögenstreuhand (OVT), und die OKAG, soll zunächst nicht in die Deutsche Bank integriert werden. Dieser Schritt verwundert, weil die OVT und OKAG über keine Kompetenzen verfügen, die der Branchenprimus nicht selbst schon hätte. Die Deutsche Bank hat ein ­erfolgreiches Family Office, und ihre Fondstöchter DWS (Privatkunden) und DB Advisors (institutionelles Geschäft) gehören zu den größten in der Branche. Allerdings dürfte das Volumenwachstum, das eine Integration mit sich brächte, die Verantwortlichen erfreuen. Die OKAG verwaltet 45 Milliarden Euro in Publikums- und Spezialfonds. Die OVT, Marktführer in Deutschland, steuert nach Markteinschätzung noch 20 Milliarden Euro bei.

Mitte Februar wurde auch bekannt, dass sich die Deutsche Bank die österreichische Tochter von Sal. ­Oppenheim einverleiben wird. Warum tut sie dies nicht in Deutschland? Die Antwort hat ein Kenner der Oppenheim-Verhältnisse: "Die Vermögensverwaltung der Banken müssten nicht separat geführt werden.­ Es wäre­ aber schlechter Stil, diese Geschäfte sofort nach der Übernahme zu fusionieren." Und weiter: "Die Deutsche Bank ist auch wegen des Family Office OVT äußerst vorsichtig. Sie will es nicht ­riskieren, dass Kundenbetreuer und damit Kunden abspringen, weil ihnen eine Integration nicht passt." Aus Deutsche-Bank-Kreisen wird diese Sicht der Dinge bestätigt.

_Integrierte Vermögensverwaltung ist das Verkaufsargument

Die Verantwortlichen bei Sal. Oppenheim haben eine andere Erklärung­ für die Sinnhaftigkeit der Trennung. "Basis hierfür ist die integrierte Vermögensverwaltung für private Kunden und institutionelle Anleger", meint Dr. Wolfgang Leoni, Chief Investment Officer (CIO) der Bank, im Gespräch mit portfolio institutionell. "Der Vorteil für unsere anspruchsvolle Privatkundschaft besteht im Wesentlichen darin, dass sie an dem professionellen Know-how unserer institutionellen Portfoliomanager partizipiert beziehungsweise davon profitiert", so Leoni weiter. Als besondere Fähigkeiten nannte er Global Tactical Asset Allocation (GTAA), Wertsicherungskonzepte sowie quantitatives Aktienmanagement und globale Anleihen.

"In allen Bereichen verfolgt Sal. Oppenheim eine eigene Investmentphilosophie und einen eigenen Ansatz", ergänzt Leoni. Insider bei Oppenheim bezweifeln, dass die integrierte Vermögensverwaltung einen Mehrwert bietet: "Seit der Zusammenlegung des Portfoliomangements für Privatkunden und institutionelle Anleger Anfang 2008 hat die Qualität des Asset Managements gelitten, weil der Fokus nicht mehr klar ist." Das bestreitet Leoni. Die Qualität des Portfoliomanagements sei genauso gut wie immer, denn die Privatkunden hätten dieselben hohen Ansprüche wie die institutionellen Anleger.

Trotz der Turbulenzen haben OKAG und OVT viele Portfolio­manager und Kundenbetreuer halten können und wären somit imstande, die hohen Ansprüche weiterhin zu erfüllen. Die größten Personal­verluste bisher waren Christof Kessler, ein ehemaliger ­Geschäftsführer bei der OKAG und Bondspezialist, sowie Dirk van den Berg, Direktor der OVT. Leoni meint dazu: "Die Personalfluktuation war vor der Bekanntgabe der Übernahme durch die Deutsche Bank gering und ist auch danach nicht wesentlich angestiegen. Die Verbundenheit unserer Mitarbeiter an unser Haus ist weiterhin überdurchschnittlich hoch, und allein schon deshalb sind weitere Abgänge wichtiger Mitarbeiter in nennenswertem Umfang nicht zu erwarten." Rund 100 Portfoliomanager arbeiten noch für Leoni.

_Kenner glauben nicht, dass Sal. Oppenheim auf Dauer unabhängig bleibt

Kenner des Hauses sind jedenfalls skeptisch, was die Zukunft angeht. Es werde schwer sein, die Deutsche-Bank-Vorgabe - nämlich eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent - zu erfüllen. "Falls Sal. Oppenheim dies bis 2013 nicht schafft, ist die Unabhängigkeit vorbei", sagt ein Ex-Oppenheimer. Mit Blick auf die BHF-Bank und deren Asset Manager Frankfurt-Trust, beides Eigentum der alten Sal. Oppenheim, gehen Branchenexperten von einem Verkauf aus. "Man kann sich eine­ andere Privatbank wie Hauck & Aufhäuser als Käufer sehr gut vorstellen"­, hieß es aus BHF-Kreisen.

Die Deutsche Bank hat mit dem Verkauf von BHF-Teilen bereits begonnen. Anfang März übernahm BNY Mellon­ die Depotbank der BHF für 253 Milliarden Euro. Sal. ­Oppenheim Private Equity Partners (Sopep) soll dafür im Deutsche-Bank-Konzern als eigenständige Tochter bleiben. Im Ausland hatte Sal. Oppen­heim die Beteiligung an Integrated Ende September 2009 veräußert. Der Erlös ist unbekannt, aber Oppenheim-Kenner sagen, dass die Privatbank mit der Beteiligung etwas Geld verdient habe. Der Pariser­ Alternatives-Manager Financière Atlas wurde lange vor dem Einstieg der Deutschen Bank in die Privatbank integriert.

 
Jan F. Wagner
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