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09.07.2010

Schweizer Vorsorgesystem auf Erholungskurs

Die meisten Schweizer Pensionskassen haben sich im vergangenen Jahr von den 2008 durch die Finanzkrise erlittenen Verlusten wieder erholt und ihre Deckungsgrade verbessern können.

Die meisten Schweizer Pensionskassen haben sich im vergangenen Jahr von den 2008 durch die Finanzkrise erlittenen Verlusten wieder erholt und ihre Deckungsgrade verbessern können. Bei den privaten Kassen erreichte der vermögens­gewichtete Durchschnitt 103 Prozent, ausreichende Reserven weisen allerdings nur etwa zehn ­Prozent der privaten Kassen aus. Die Werte aus den goldenen Jahren von 2005 bis 2007, als die mittleren Deckungsgrade bei deutlich über 110 Prozent lagen, haben die Einrichtungen allerdings noch nicht ­wieder erreicht.
Die tiefen, Ende 2008 ausgewiesenen Deckungsgrade zwangen viele Vorsorgeeinrichtungen zu Sanierungsmaßnahmen. Fast die Hälfte der Vorsorgeeinrichtungen unterbreiteten den zuständigen Aufsichtsbehörden entsprechende Vorschläge. Wie aus der Pensionskassenumfrage von Swisscanto hervorgeht, wurde am häufigsten eine Reduktion der Verzinsung beschlossen. Dies war bei drei Viertel der betroffenen Kassen in Unterdeckung der Fall.

_Asset Allocation im Stahlbad

An der Strategie haben die meisten Einrichtungen nicht gerüttelt. Zwei Drittel ist ihrer gewählten Strategie treu geblieben. Damit bestätigen sich Ergebnisse über das Verhalten in früheren Krisen, wonach es ratsam ist, eine einmal bestimmte Strategie auch bei dramatischen Einbrüchen nicht so schnell über Bord zu werfen. Nach Lehrbuch sollten Investoren bei einer geringeren Risikofähigkeit, sprich niedrigeren Deckungsgraden, ihre Anlagerisiken vermindern. Diesem Beispiel folgten auch die Schweizer­ Einrichtungen. Über 60 Prozent haben bei ihren Anpassungen den Aktienanteil Schweiz gesenkt, etwas weniger war dies bei ausländischen Aktien mit 42 Prozent der Fall. Das wirft die Frage auf: Haben sich die Kassen im falschen Moment aus dem Aktienmarkt verabschiedet? Diese Hypothese lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn man sich die Antworten auf die Frage nach dem taktischen Verhalten im Crash genauer ansieht. Einerseits setzte etwa ein Viertel der Vorsorgeeinrichtungen das sogenannte Rebalancing zeitweise aus, erhöhte­ also den durch die fallenden Märkte quasi von selbst reduzierten Aktienanteil nicht wieder auf die vorgesehene Quote. Auf der anderen Seite haben 30 Prozent der privaten und die Hälfte der öffentlich-rechtlichen Pensionskassen die Tiefs im ersten Quartal 2009 für Zukäufe von Aktien genutzt.
Sollten sich die Pensionskassen also noch mehr im Market-­Timing versuchen? Dr. Martin Janssen, Professor am Institut für schweizerisches Bankwesen an der Universität Zürich und Leiter der Ecofin-Gruppe, die auch in der Pensionskassenberatung tätig ist, widerspricht: "Für taktisches Intervenieren habe ich keine neuen Argumente gefunden. Einige wenige Kassen haben zwar aufgrund ihrer Strategie im Fallen der Börse das Risiko reduziert und beim anschließenden Anstieg wieder dazugekauft. Das hat sich positiv ausgewirkt. Es stimmt nach meiner Erfahrung aber nicht, dass die Vorsorgeeinrichtungen generell ein glückliches Händchen gehabt haben. Ich stellte fest, dass ‚buy and hold‛ im Rahmen einer passiven Strategie bei allen Kassen, korrigiert um den Aktienanteil, zu vergleichbaren Resultaten geführt hat."
Im vergangenen Jahr waren die neuen Anlagevorschriften ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik geraten. Diese enthalten in Form eines Kataloges die einzuhaltenden Richtwerte der einzelnen Anlageklassen. Die Revision brachte eine Liberalisierung bei alternativen Anlagen, wie zum Beispiel Hedgefonds und Rohstoffen, sowie eine Einschränkung bei den Richtwerten für den Immobilienanteil mit sich. Drei Viertel der Vorsorgeeinrichtungen gaben an, dass die neuen Vorschriften auf sie keinerlei Einfluss hatten. Wenn etwas geändert wurde, dann betraf dies bei zwei Dritteln eine Erhöhung des Anteils von alternativen Anlagen.

 
hun
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