Schwarzer Schwan der Woche
29.06.2018

Seid umschlungen, Millionen!

Der FC Barcelona ist tatsächlich més que un club

Nach der historischen Schmach von Kasan liegt der deutsche Fußball mal wieder in Trümmern – obwohl souverän das Ziel für die Gruppenphase erreicht wurde, im Achtelfinale die Brasilianer zu vermeiden. Der Unterhaltungsfaktor von Fußball bleibt aber trotzdem groß. Vor allem, wenn man bei Zahlen nicht nur an 4-4-2 oder 4-2-3-1 sondern an Euros denkt. Bezüglich Prämien, Gehälter oder Ablösesummen hat König Fußball bekanntlich einiges zu bieten. 

Die Benchmark im deutschen Fußball, der ruhmreiche FC Bayern München, setzte in der abgelaufenen Saison nicht nur mit der dritten Reaktivierung von Jupp Heynckes ein Ausrufezeichen, sondern auch dadurch, dass der Uli (Hoeneß) seinem Spezl Jupp einen Co-Trainer spendierte, für den man 1,75 Millionen Euro Ablöse an Fortuna Düsseldorf überwies. Im Einsatz für die Bayern war Peter Hermann, der teuerste Co-Trainer der Welt, circa acht Monate.

Doch auch der VfB Stuttgart hat sich seinen Eintrag in die Geschichtsbücher der Fußball-Finanzen verdient. Die ach so sparsamen Schwaben spendierten unter der damaligen Führung des ex-Finanzministers von Baden-Württemberg, Gerhard Mayer-Vorfelder, ihrem Starspieler Krassimir Balakow einen Vertrag auf Lebenszeit. „Bala“ musste sein Interesse an Fußball nur mit einem ärztlichen Sportfähigkeits-Attest belegen. Bei garantierten drei Millionen Euro pro Saison war es nicht überraschend, dass er noch mit 37 Jahren Interesse an Fußball hatte.

Unerreicht dürfte jedoch das Finanzgebaren des CF Barcelona sein. Um seinen Superstar Lionel Messi, der derzeit wegen Steuerproblemen nur auf Bewährung an der Fußball-Weltmeisterschaft teilnimmt, im vergangenen Jahr zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen, war das ruhmreiche „Barca“ zu allem bereit. Wie den im Spiegel veröffentlichten „Football Leaks“ zu entnehmen ist, geht aus einem Vertragsentwurf hervor, dass der Verein – Motto Més que un club (mehr als ein Club) – ein Darlehen von zwölf Millionen Euro gewähren wollte. Damit sollte Messi seine Steuerschuld begleichen. „Auch wenn die aufgeführten Summen formal von Señor Messi bezahlt werden, so werden sie in voller Höhe vom FC Barcelona übernommen werden“, ist dem Entwurf zu entnehmen. Auf diesen konnten sich die Parteien einigen – auch weil zur Rückzahlung des Darlehens Messi ein entsprechender Extrabonus gewährt wurde. Der Spiegel notierte pikiert: Mit diesem Deal beglich der Klub – nachdem eine Nervensäge aus der Compliance-Abteilung auf Linie gebracht wurde –, der über Jahrzehnte Steuervergünstigungen im Millionenhöhe vom spanischen Staat erhielt, endgültig die neuen Steuerschulden des bereits verurteilten Steuerhinterziehers Lionel Messi.     

Die Erzrivalen von Real Madrid bekleckerten sich aber auch nicht immer mit Ruhm. Um Superstar Messi Barcelona abspenstig zu machen, lockten laut Football Leaks die Unterhändler der Madrilenen den Messi-Clan damit, Druck auf den kürzlich abgewählten Ministerpräsidenten Rajoy ausüben zu wollen, um in der Steuergeschichte zu einer für Messi „günstigen Lösung“ zu kommen.

Vielleicht wäre es eine Lösung, wieder mehr Sachprämien auszuloben? Noch 1989 bekam die deutsche Frauennationalmannschaft für den Gewinn der Europameisterschaft ein Kaffee-Service. Dieses kann heute im Deutschen Fußballmuseum bewundert werden.

Noch eine unbeschwerte Fußball-WM wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell!

 
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