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22.01.2013

Sonnenaufgang im Depot A

Solarparks sind nicht nur für VAG-Anleger, sondern auch für Sparkassen interessant. Die Synthese von Sonne und ­Kilowattstunden zu Euros ist zwar nicht mehr technologisch, dafür jedoch regulatorisch äußerst anspruchsvoll. Die Kreissparkasse Göppingen hat eine Lösung in einem Sicav-Sif gefunden. Neu auf der Kaufliste: Windparks.

Stetig, planbar und auskömmlich: So lauten die Eckpunkte des magischen Cashflow-Dreiecks. Wenn überhaupt, kann diesen ­Ziel­konflikt die Asset-Klasse Infrastruktur lösen. Gerade in Deutschland wird Infrastruktur gern über das Thema erneuerbare Energien, ins­besondere über Solarparks, umgesetzt. Der Zugang ist jedoch vor ­allem wegen des Prüfungsaufwands komplex. Denn vor den Erfolg hat der Sonnengott Helios den Schweiß gesetzt: „Bloomberg-­Inves­toren“ müssen sich mit ungewohnten Themen wie Ertragsgutachten, Restwertanalysen, Netzanschlüssen, Flächensicherungen oder ­Baurechten auseinandersetzen. Gerade kleineren bis mittelgroßen ­Inve­storen fällt dieser Prüfungsaufwand schwer. Hinzu kommen ­regulatorische Hindernisse.

Die Kreissparkasse Göppingen hat diesen Aufwand nicht gescheut. „Bei diesem Thema hat man als Treasurer anders als sonst keine Wertpapierkennnummer, sondern Verträge, die es zu prüfen gilt. Viele ­Investoren scheuen aus Respekt vor den nötigen juristischen Prüfungen und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Inhalt vor ­erneuerbaren Energien zurück“, so Frank Mayer, ­Abteilungsdirektor Treasury der Kreissparkasse Göppingen, die mit einer ­Bilanzsumme von knapp fünf Milliarden Euro zu den Großen in Baden-Württemberg zählt und das Pfandbriefbank-Statut besitzt. „Unsere Sparkasse ist aber noch klein genug, um auch als Treasurer mitzubekommen, was im Kundengeschäft passiert.“ Im Kundengeschäft ­finanzierte die Sparkasse Solardachanlagen. Sein Erweckungserlebnis, Solar auch als Asset-Klasse zu sehen, hatte Mayer aber, anders als man vermuten könnte, schon vor der Energiewende und der Wahl eines grünen ­Ministerpräsidenten im Ländle. „Bei mir war Anfang 2008 ein ­Generalunternehmer, der mir eine Freilandanlage zum Kauf anbot. Da hat es bei mir ‚Klick‘ gemacht.“

Allerdings war Mayer auch schnell klar, dass die Kreissparkasse ein solches Investment nur über eine Fondslösung abdecken kann. Schließlich wollte Mayer nicht nur eine Anlage, und außerdem sprechen gerade für eine Sparkasse in Baden-Württemberg regulatorische Gründe für einen Fonds. Gemäß Paragraf 33 des Sparkassengesetzes ­Baden-Württemberg bedürfen zum Beispiel Beteiligungen an Unternehmen des privaten Rechts der Zustimmung der Rechtsaufsichts­behörde und, wenn die Unternehmen Geschäfte im Sinne von Paragraf 6 Absatz 2 Satz 2 betreiben, auch der Zustimmung des Sparkassen­verbands Baden-Württemberg. Dieser hätte aber ziemlich sicher „Stromproduktion“ nicht als banküblich eingestuft. Unter der jetzigen grün-roten Landesregierung wäre es vielleicht eher möglich gewesen, Solarparks direkt ins Depot A zu bekommen. Unter der alten Landesregierung war eine Direktbeteiligung aber nicht möglich. Sich mit Fremdkapital zu beteiligen, wäre zwar aus regulatorischer, aber nicht aus portfoliotheoretischer Sicht interessant. „Im Kunden­geschäft ­vergeben wir bereits viel Fremdkapital. Wir wollen aber mehr ­Diversifikation, um die Korrelationsrisiken im Depot A zu senken“, erklärt Frank Mayer.

Die Kreissparkasse suchte also ein diversifiziertes Finanzprodukt und fand dieses in einem Sicav-Sif. Gemäß SolvV (Solvabilitätsverordnung) muss dieser Fonds zu 100 Prozent auf die Solvabilität ­angerechnet und damit mit acht Prozent Eigenkapital unterlegt ­werden. Das Problem sieht Mayer hier jedoch weniger im Eigenkapital­bedarf, sondern darin, dass die Liquiditätsverordnung mit Basel III durch die Liquiditätsdeckungskennzahl (LCR) abgelöst wird. „Die LCR führt zu einer hohen Quote an Staatsanleihen, die wir bisher nicht hatten. Die damit einhergehende Minderrendite versuche ich durch andere Investments auszugleichen.“ Eine Randnotiz: Mit ­regulatorischen Anforderungen und dazu passenden Vehikeln ­beschäftigte sich Frank Mayer kürzlich auch im Rahmen der ­Beteiligung an dem Konsortium der Patrizia AG, das von der Landesbank Baden-Württemberg 21.000 Wohnungen übernahm. „Dieser Deal war von der Konstruktion her viel aufwendiger.“ Initiator des ­Sicav-Sif ist die in erster Linie als Quant-Haus ­bekannte First Private. Auswahl, Prüfung und Management der Parks erfolgt durch die Recap Global Investors AG. Die Entscheidung pro First Private dürfte gerade bei den ­Gremien dadurch leichter gefallen sein, dass First Private den von der ­Sparkasse angebotenen Dividendenfonds First Private Euro Aktien Staufer Fonds schon seit 15 Jahren managt. Eine buchstäblich naheliegende Lösung wäre aber auch eine Kooperation mit der in ­Göppingen ansässigen ­Samag oder der im ­benachbarten Landkreis Esslingen ansässigen Windreich AG gewesen. Die Boutique Samag ist Asset Manager eines nach Technologien breit diversifizierten ­Renewables-Fonds von ­verschiedenen Versorgungswerken, der vom Versorgungswerk der ­Architekten Baden-Württemberg konzipiert wurde. Windreich ist ein Entwickler von (Offshore-)Windparks. Die Kreissparkasse Göppingen bevorzugt jedoch weniger komplexe ­Technologien.

 
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