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13.08.2010

Sparkassen schätzen Asset Manager mit erweitertem Repertoire

Sparkassen haben bei Investments spezielle Anforderungen. Zu diesen zählen vor allem die Integration des Depot-A in die Gesamtbanksteuerung. Asset Manager sollten darum über zusätzliche Fähigkeiten verfügen.

Sparkassen haben bei Investments spezielle Anforderungen. Zu diesen zählen vor allem die Integration des Depot-A in die Gesamtbanksteuerung. Asset Manager sollten darum über zusätzliche Fähigkeiten verfügen. Welche dies sind, ­beschreiben die Stadtsparkasse München, Gewinner des portfolio-Awards "Beste Bank", und die Deka.

Wenn Back-, Middle- und Frontoffice nebst verschiedenster ­Zusatzmodule bei einer KAG oder einem Investor zu einer IT-Architektur zusammengeknüpft werden, lässt sich daraus auch eine Glaubensrichtung der Verantwortlichen ablesen: Hat man von einem Software-Anbieter "alles aus einer Hand" bezogen oder sich für ein "Best-of-Breed", ein Potpourri der jeweils besten Anbieter für eine bestimmte Funktion, entschieden? Mit sinkenden Verknüpfungsproblemen geht in der IT-Welt eine erhöhte Anzahl von Best-of-Breed-Gläubigen einher.

Im Asset Management neigt sich die Waage dagegen eher in die andere Richtung. Zwar fördern die gestiegene Zahl der Asset-Klassen und die etablierte Administrationsdienstleistung "Master-KAG" ­eigentlich ein ausgeprägtes Spezialistentum. Auf der anderen Seite schätzen viele Banken und Versicherer trotz des Abhängigkeitsverhältnisses kurze Kommunikationswege zu einer eigenen Asset-­Management-Tochter sowie die damit verbundenen Kostenvorteile und das gegenseitige Verständnis. Vertreter anderer Anlegersegmente setzen oft gerne auf einen Haus-Consultant, und in Holland sind die Fiduciary-Modelle gang und gäbe. Es reicht eben nicht, den besten Manager für Emerging Markets und Unternehmensanleihen zu identifizieren. Schließlich ist institutionelle Kapitalanlage kein Selbstzweck, sondern muss immer im Gesamtkontext betrachtet werden. "Beim Treasury ist die Gesamtbanksicht und nicht der isolierte ­Handel mit Assets entscheidend", sagt Dr. Bernd Hochberger, der als ­Trea­sury-Leiter auch das Depot-A der Stadtsparkasse München verantwortet. "Wir müssen die Aktiv- und die Passivseite im Auge behalten. Die Anlageprodukte sind dann auf die Bedürfnisse des Hauses abzustimmen."

_Die Deka dehnt den Begriff ­­"Vollsortimenter" sehr weit
Dieses Wissen um den Gesamtbankkontext ist nur bei wenigen Asset Managern gegeben. Zu denken ist zum Beispiel an die Asset Manager der Landesbanken oder auch Union Investment. Die Stadtsparkasse München arbeitet hier eng mit der Deka zusammen. Einen der drei Spezialfonds der Stadtsparkasse München verwaltet der Verbundmanager bereits seit 1991. Fokussiert auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Sparkassenklienten definiert die Deka den Begriff "Vollsortimenter" sehr weit. Auf der Investmentschiene ist die Deka im Asset-Management-Geschäft mit verschiedenen Anlagestilen unterwegs, ­offeriert Immobilien, Administration und individuell gestrickte ­Lösungen. Auch dem Monitoring des Direktbestandes hat man sich nun angenommen. Mit Asset-Liability-Studien und Liquiditätsberatungen ist man aber auch dort Dienstleister, wo die Weichen gestellt werden. Auf diesem Gebiet tritt die Deka damit in Konkurrenz zu Consultants wie Zeb oder Roland Eller.
Die enge Zusammenarbeit fördert naturgemäß das gegenseitige Verständnis und damit auch die Effizienz der Abläufe. Die Münchner Stadtsparkasse hat sehr genaue Erwartungen an die Deka. Die Deka wiederum kennt die Bedürnfisse ihres Kunden und kann individuell auf diese eingehen. Matthias Schillai, Leiter Strategieanalyse der ­Deka-Bank: "Die Stadtsparkasse München nutzt zwar auch wertorientierte Analyse­methoden, ist aber besonders auf die GuV-Steuerung ­fokussiert. ­Diese Informationen stellen wir der Stadtsparkasse zur Verfügung. Spar­kassen, die primär wertorientiert arbeiten, erhalten andere Auswert­ungen."

Von der Zusammenarbeit mit der Stadtsparkasse München ist Matthias Schillai nicht nur wegen des einen oder anderen Mandats ­angetan. "In München haben die handelnden Personen in der Regel nicht nur eine Händler- sondern auch eine Controlling-Historie. Dies führt zu einem vergleichsweise geringen Reibungsverlust bei der ­Platzierung von Ideen", so Schillai. Er fügt hinzu, dass es eben nicht ausreicht, wenn eine vorgeschlagene Innovation oder ein vorgeschlagenes Wertpapier den Händler begeistert. Vielmehr müssen die ­Vorschläge auch unter Controlling-Aspekten umsetzbar sein.

Seit 2007 arbeitet die Stadtsparkasse mit einer neuen Treasury-­Organisation. Bei der Reorganisation war auch die Deka unter­stützend tätig. Zu den wichtigsten Neuerungen gehört, dass der aktive Eigenhandel abgeschafft und das Gesamtbankrisiko stärker mit dem Depot-A verzahnt wurde. Ein Beispiel für das vertiefte Verständnis für die ­Bedürfnisse der Sparkasse ist ein 2008 aufgesetztes Corporate-Bond-Mandat im Spezialfonds. "Bezüglich Bonitäten, Emittenten oder Laufzeiten haben wir sehr spezielle Anforderungen, damit das Mandat zu unserer Gesamtstruktur, zu unserem Risikobudget und unserer Wertsicherung passt", erklärt Hochberger. In einem Spezialfondsmandat könnte der Investor natürlich auch bei einem anderen Asset Manager die gleichen Anlagespielregeln und Überwachungsmaßnahmen aufsetzen. Das Gesamtpaket und das Wissen, dass sich die Deka die risiko­spezifischen Anforderungen der Sparkasse, zum Beispiel im Hinblick auf die Bonität, zu eigen gemacht hat, sprechen für Hochberger jedoch für einen Verbundmanager.

_Beratender Asset Manager und managender Berater

Als Manager des Sparkassenverbunds ist die Deka auch vertraut damit, dass Unternehmensanleihen und High Yields für Banken und Sparkassen eine ganz spezielle Asset-Klasse sind. Denn gerade bei ­einer Sparkasse, die in einer Region heimisch ist, deren Wirtschaftsstruktur möglicherweise durch Großunternehmen geprägt wird, sind die Risikostrukturen des Unternehmensanleiheportfolios dem Kreditgeschäft oft zu ähnlich. In ihrem Bestreben, die Sparkassen in allen Fragestellungen zu unterstützen, berücksichtigt die Deka auch die Struktur des individuellen Kreditportfolios. "Je stärker eine ­zinstragende Asset-Klasse mit dem Kreditportfolio korreliert, umso größer ist der Abschlag auf den erwarteten Ertrag", erläutert die Deka den Risikoadjustierungsprozess, bei dem am Ende eine hohe Korrelation in eine verschlechterte Sharpe Ratio mündet. Regional können sich sehr große Unterschiede ergeben, wie adäquat Unternehmensanleihen im Gesamtkontext einer Sparkasse sind. Diese Loan-Hedging-Credit-Analyse wurde schon bei vielen Sparkassen erprobt, und es ist sinnvoll, das Depot nicht nochmals mit den Risiken aus dem Kundengeschäft zu belasten. Trotzdem stellt sich die Frage nach möglichen Scheinkorrelationen, wenn zum Beispiel der Kredit für ein Münchner Brauereiunternehmen dieselbe Bonität wie die Anleihe eines Autozulieferers aus Michigan aufweist. "Der Trend geht zu einer integrierten Simulation von Kunden­geschäft und Eigenanlagenbestand. Es ist ­immer noch besser, sich auf Proxys zu stützen, als den Zusammenhang zwischen Kreditportfolio und Depot-A unter den Tisch zu ­kehren. Wenn eines Tages einmal entsprechend lange Historien ­vorliegen, kann die Bildung ­eines regionalen Kreditindexes sehr hilfreich sein. Dann hätten wir ­eine bessere Entscheidungsgrundlage", sagt Schillai.

Dass ein Corporate-Bond-Mandat im Direktbestand geführt wird, dient nicht nur der Bewertungsvereinfachung, sondern auch der ­Liquiditätsvorsorge. Denn der Direktanlagenbestand einer Bank oder Sparkasse kann, anders als der eines VAG-Anlegers, bei der Europä­ischen Zentralbank in ein sogenanntes Pfanddepot eingebracht ­werden. Dafür erhält das Kreditinstitut Liquidität, ohne dafür Wert­papiere begeben zu müssen. Ein mit diesem Vorteil vertrauter ­Verbundmanager freundet sich auch eher damit an, im Direktanlagebestand und nicht in einem Fonds zu managen. Auch weil sich die ­Bezahlung offenbar gebessert hat. "In der Vergangenheit war es ­extrem schwierig, für Assets des Direktbestands eine angemessene Gebühr zu bekommen. Mit der gesteigerten Risikowahrnehmung hat sich das geändert", sagt Schillai, der im Direktbestand auch das Monitoring der eher illiquiden Wertpapiere als ein großes Wachstumsfeld für Asset Manager ansieht. Mit dieser Dienstleistung erhält das Angebots­paket der Deka noch etwas mehr Umfang. Die Notwendigkeit, den ­Direktanlagebestand intensiver zu analysieren, hat auch die Stadtsparkasse München erkannt. "Wir überprüfen nun selbst quartalsweise die Deckungsstöcke unserer Pfandbriefe", sagt Hochberger, der damit auch eine der Konsequenzen des Hauses aus der Finanzmarktkrise beschreibt.
Die Option "Pfanddepot" hat noch eine weitere Implikation. Sie begrenzt den Fondsanteil im Depot-A. Gemessen an ihrer Bilanz­summe von 15 Milliarden Euro ist die Stadtsparkasse die fünftgrößte Sparkasse Deutschlands und besitzt ein Depot-A-Volumen von knapp fünf Milliarden Euro. Trotzdem verzichtet sie auf eine Master-KAG, für die es innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe verschiedene ­Anbieter gibt. Die Stadtsparkasse München, bei der das Depot-A zu ­etwa 80 Prozent im Direktbestand liegt, verfügt über die Ressourcen, um ihre Bestände in eigenen Systemen selbst zusammenzuführen. Dafür verzichtet sie auch auf den Wertausgleich innerhalb eines ­Masterfonds. Auch das Direktanlagen-Monitoring leistet die Stadtsparkasse selbst.

_Die Deka administriert als ­Master-KAG 20 Milliarden Euro

Trotz der Abstinenz der Stadtsparkasse München konnte die Deka im Master-KAG-Geschäft weiter zulegen. Im Vergleich zum ­Jahresende 2009 ist das Volumen im Master-KAG-Geschäft mit 19,56 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2010 um 2,1 Prozent gewachsen. Die Anzahl der juristischen Fonds der Deka-Fundmaster beträgt Ende des zweiten Quartals 141 mit 120 Anlegern inklusive Poolfonds-Anlegern. 2009 waren es 135 Mandate. Den verbundexternen Anteil schätzt Schillai auf 25 bis 30 Prozent. Die Ende 2009 angekündigte Aufhebung der ­gesellschaftlichen Trennung von Fundmaster und Deka Investment GmbH bereitete den Nutzern offenbar keine Sorgen.

Die am meisten nachgefragte Lösung bei den Asset-Management-Produkten der Deka Bank waren 2009 jedoch die Multi-Asset-­Klassen-Fonds. Hierbei handelt es sich um Mischfonds 2.0 mit in der Spezialfondsvariante ­individuellen Risikobudgets. Die Stadtsparkasse präferiert indes auch im Hinblick auf das Wertsicherungsmanagement und den damit ­verbundenen Szenarioanalysen Produkte mit klar von­einander ­getrennten Asset-Klassen. Das Wertsicherungsmanagement hat sich seit der Testphase 2008 in den vergangenen beiden Jahren in dem bayerischen Finanzinstitut zu einem zentralen Instrument ­gemausert. "Die tägliche Auseinandersetzung mit den Risikobudgets und den dynamischen Wertuntergrenzen ist sehr intensiv. Seit einem Jahr führen wir zudem das Wertsicherungsmanagement nicht mehr nur zum Stichtag durch, sondern fahren fortlaufend sechs ­verschiedene Szenarien. So sehen wir, ob wir die Wertuntergrenze auch bei ­bestimmten Marktveränderungen und Schocks noch halten", erklärt der Leiter des Bereichs Treasury. "Auf diese Weise steuern und ­disziplinieren wir den Investmentprozess."

_Für die Stadtsparkasse München sind ­Alternatives keine Alternative
Die Hauptrolle spielen im Investmentprozess festverzinsliche ­Anlageprodukte. Hier besteht eine hohe Diversifikation nach Einzel­titeln und Managementstilen aber auch, um Abhängigkeiten zu ­vermeiden, von Managern. Um sich vor steigenden Zinsen zu schützen, ist auch ein Deka-Ansatz im Einsatz, der eine negative Duration einnehmen kann. Ein Altersvorsorger entfernt sich mit einer solchen Position gegebenenfalls sehr weit von seinen Liabilities, die immer long sind. Dieses Problem besteht für eine Sparkasse, die sich bei der Duration negativ positioniert, nicht. Für jeden Anleger bedeutet ­jedoch ­eine negative Duration, dass man Zinsen nicht mehr vereinnahmt, sondern zahlt. Aktien und Immobilien, die vom Wertsicherungs­management nicht erfasst werden können, sind nur Nebenrollen ­zugeteilt. Die strategische Aktienquote schöpft Hochberger derzeit nicht aus.

Ihr Wertsicherungsmanagement ist der Grund dafür, dass sich die Stadtsparkasse München von alternativen Anlagen fernhält. Sparkassen, die in diese Anlageklassen investieren, offeriert die Deka Hedgefonds auf einer Managed-Account-Plattform von Man Investments. Die Investmentgesellschaft zählt zu den großen Anbietern von Dachhedgefonds und ist Joint-Venture-Partner der Deka. Aufgrund der Transparenz und des sparkassenspezifischen Reportings handelt es sich sozusagen um ein mundgerechtes Vehikel. Die Nachfrage nach Hedgefonds liegt aber nach wie vor weit unter den ursprünglichen ­Erwartungen der Anbieter. Mit noch weniger Fortune bezüglich des Zeitpunkts offerierte die Deka vor etwa fünf Jahren zusammen mit der Partners Group ein Private-Equity-Programm namens "Pearl". Zwischenzeitlich von mancher beteiligten Sparkasse in "Pearl Harbour" umgetauft, arbeitet sich die mit einer Garantie ausgestattete ­Beteiligung aus dem tiefen Tal der J-Curve heraus.
Wie Bernd Hochberger erläutert, müssen niedrige Kupons und ­volatile Aktienmärkte für eine Sparkasse auch nicht zwangsläufig zu Hedgefonds und Private Equity führen. Der Schlüssel liegt auch hier im Gesamtbankkontext. "Es gibt Zinsphasen, die für die Fristentransformation sehr förderlich sind, und es gibt Zinsphasen, die das Kundengeschäft ankurbeln. Hier richtig auszutarieren, hilft, langfristig stabil positive Ergebnisse darzustellen." Einerseits drohen bei steigenden Zinsen Abschreibungen, andererseits fällt es im Kundengeschäft dann leichter, Einlagen einzusammeln. Wer sich darauf versteift, im Depot-A eine Mindestrendite zu erwirtschaften, läuft Gefahr, zu viel Risiken an der falschen Stelle einzugehen. "Der eigentliche Zweck ­einer Sparkasse ist nicht die Anlage, sondern das Kundengeschäft", so Hochberger. Auch wenn es nicht immer zu einem exakten Ausgleich kommt: "Das Zusammenspiel von Kunden- und Anlagegeschäft ist meines Erachtens das A und O", betont Bernd Hochberger noch ­einmal.

_Ein Oligopol auf einem unvollkommenen Markt zum Vorteil der Nachfrageseite
Um dieses Zusammenspiel zu optimieren, arbeitet die Stadtsparkasse auch in der Gesamtplanung mit verschiedenen Szenarioberechnungen - in Eigenregie. Auch dieser Punkt zeigt, dass Häuser, die über die entsprechenden Ressourcen verfügen, die Frage Best-of-Breed oder Alles-aus-einer-Hand gerade in sensiblen Fragen mit Do-it-yourself beantworten. Zur Unterstützung greift man jedoch gern auf einen Partner zurück. Kleinere Anbieter nutzen diese Dienstleistung häufiger. Doch ob groß oder klein: Dank mehrerer Verbund-Manager sind Sparkassen - anders als eine Versicherung oder eine Volksbank Raiffeisenbank mit mehr oder weniger eng angeschlossenem Asset Manager - in der komfortablen Situation, auf eine breite Wissensbasis zurückgreifen und verhandeln zu können. Auf der anderen Seite ist es für die Anbieter aus dem Sparkassenverbund rentabel, für einen ­Sektor Spezialwissen vorzuhalten. Investoren, die die Notwendigkeit haben, für Asset-Liability-, Risiko-Management oder für Liquiditätsanalysen mit einem Externen zusammenzuarbeiten, fällt dieser Schritt im Sparkassensektor somit nicht ganz so schwer: denn dank der ­Angebote des Verbunds bleiben die sensiblen Daten wenigstens in der Familie.

 
Patrick Eisele
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