Pension Management

28.12.2016

Spiel mir das Lied von Zins und Duration

Jeffrey Dissmann, Mercer
Die Durationsparty ist vorbei. Wer sich als Pensionseinrichtung oder Lebensversicherung nicht rechtzeitig lang positioniert hat, steht heute­ vor großen Problemen. Das Duration-Gap im derzeitigen Umfeld schließen zu müssen, tut weh. Die Hände deshalb in den Schoß zu legen,­ ist jedoch keine Option.
Gerhard Engler, Fidelity
Olaf John, Insight Investment
Götz Treber, GDV

Kommt sie oder kommt sie nicht, die Zinswende? Diese Frage spukt seit mittlerweile mehr als einem Jahrzehnt an den Märkten – und auch durch die Redaktion von portfolio institutionell. Unter dem Titel „Gewagtes Spiel: Zinsen und Duration“ wurde bereits im April 2006 das damalige Renditeumfeld als „eine vertrackte Situation“ für Investoren beschrieben, in der eine angemessene Positionierung hinsichtlich Duration und Steuerung von Zinsrisiken nicht einfach zu finden ist. Die Eingangsfrage lautete: „Was also tun? Einfach mit der Diversifikation über die Zeit und möglichst langen Laufzeiten die ­Sache aussitzen?“ Ja wäre aus heutiger Sicht die richtige Antwort ­gewesen. Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer. Wer schon damals so schlau war und sich lang positioniert hat, steht heute­ vergleichsweise gelassen da.

Zu den Gelassenen können sich unter anderem die kirchlichen Versorgungskassen KZVK/VKPB in Dortmund zählen, die ein Vermögen von rund 11,7 Milliarden Euro verwalten und jedes Jahr rund eine Milliarde Euro neu anlegen müssen. Dies ließ Axel Rahn, Abteilungsleiter im Bereich Asset Management bei den Versorgungs­kassen, auf dem Executive Colloquium von Pioneer Investments Mitte­ Oktober dieses Jahres durchblicken. Rückblickend stellte er fest: „Die alles dominierende Frage ist die nach der Duration. Wo bin ich positio­niert? Wie viel Aktien und Renten ich habe, ist völlig irrelevant. Entscheidend­ für die erzielte Rendite in den vergangenen Jahren war die Duration.“ Diese klare Botschaft vermittelte sich ihm bei einem Vergleich der Wertentwicklung von zwei Direktbestandsportfolien der Versorgungskassen mit unterschiedlicher Duration. Das eindeutige Ergebnis: Zwei Jahre mehr Duration erzielten eine Outperformance von 1,4 Prozent pro Jahr.

Wie es nach vorne weitergeht, stand bei den kirchlichen Versorgungskassen KZVK/VKPB im Oktober intern noch zur Diskussion. Welchen Standpunkt Axel Rahn in dieser Diskussion vertritt, daraus machte er auf dem Colloquium keinen­ Hehl. Er plädierte für eine Reduzierung­ der Duration. Seines Erachtens ist die Durationsparty vorbei: „Wir haben die Prämie für zehn Jahr Duration berechnet. Im historischen Durchschnitt lag sie bei 150 Basispunkten, heute stehen wir bei 50 Basispunkten. Die Zinsstrukturkurve hat sich seit 2009 deutlich verflacht.“

Das Tafelsilber im Portfolio
Die kirchlichen Versorgungskassen in Dortmund sind nicht die einzigen, die im derzeitigen Zinsumfeld noch relativ gelassen da­stehen. Ohne eine konkrete Anzahl nennen zu können, weiß Jeffrey Dissmann, Senior Consultant bei Mercer Deutschland, über eine Reihe­ von Versorgungswerken und Pensionskassen zu berichten, die vor sechs bis zehn Jahren sehr viele Staatsanleihen hoher Bonität und mit langen Laufzeiten zwischen zehn und 20 Jahren in den Direkt­bestand nahmen: „Dies war nicht aus einem Matching-Gedanken heraus­ getrieben, sondern weil man hier mit geringem Aufwand eine auskömmliche Rendite oberhalb des Rechnungszinses erreicht hat. Im Nachhinein gesehen hat man sich damit sozusagen Tafelsilber eingekauft. Das hilft heute natürlich sehr, wenn man Kupons von fünf bis sechs Prozent hat.“

Der Trend gehe nun aber in die andere Richtung. Die rund 70 Prozent Zinsträger im Direktbestand schmelzen über die Zeit sukzessive ab, wie Dissmann mit Blick auf die Ergebnisse­ der jährlichen Asset-Allocation-Studie von Mercer feststellt. Laut dem jüngsten European Asset Allocation Survey von 2016 fahren die deutschen, regulierten Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung, wie Versorgungswerke und Pensionskassen, inzwischen eine Anleihe­quote von 50 Prozent, nachdem es 2013 noch 68 Prozent waren. Auch innerhalb des Bondsportfolios gab es kräftige Umschichtungen. Allein­ im vergangenen Jahr wurde der Anteil an deutschen Staats- und Unternehmensanleihen von 66 auf 60 Prozent beziehungsweise von 29 auf 16 Prozent reduziert. Die Verschiebung erfolgte in erster Linie zugunsten ausländischer Unternehmensanleihen, deren Quote von sechs auf 14 Prozent stieg.

Anzeige
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder