Investoren
14.02.2017

The Loan Ranger

Pierre Jameson (Fotograf: Richie Hopson)

Das Pensions Board der Church of England hat große Anstrengungen unternommen, um sein Portfolio um illiquide Anlagen­ zu ergänzen. Über seine besondere Vorliebe für Corporate Loans,­ Infrastruktur und Emerging Market Debt sprach Pierre Jameson, Chief Investment Officer­ der Englischen Kirche.

Warum haben Sie im vergangenen Jahr Ihre Allokation in Aktien reduziert? Können Sie mir verraten, zugunsten welcher Asset-Klasse­ diese Reduzierung erfolgte?
Das ist noch im Gange, aber im weitesten Sinne schauen wir uns die Private Markets an. Es sind im Wesentlichen Investments in Infrastruktur oder Private Debt, die wir zum Teil schon getätigt haben oder von denen wir in Zukunft noch mehr machen werden. Das beinhaltet verschiedene Arten von Debt und möglicherweise auch Private Equity.

Einer der Gründe ist, dass wir stärker die Illiquiditätsprämie spielen wollen, weil unser Hauptplan für den Klerus relativ unaus­gereift ist. Das System ist weiterhin offen und bekommt frisches Geld. Außerdem hat der Plan ziemlich lang laufende Verpflichtungen. 

Wir vermuten, dass derzeit um die 15 Prozent unserer Investments illiquide sind. Wir wollen uns aber stärker in Richtung 30 bis 35 Prozent bewegen.

Gibt es einen Zeitpunkt, an dem Sie die 30 bis 35 Prozent erreicht haben wollen?
In zwei bis drei Jahren, aber wir wollen uns auch nicht zu sehr binden, denn es geht zuweilen darum, Marktchancen zu nutzen, wenn sie sich ergeben. Es geht darum, die Illiquiditäts­prämie stärker zu spielen. Um dieses Spiel bestmöglich zu spielen, muss man in den Private Markets sein. Mit den privaten­ Märkten ist man nicht in dem Maße von Mark-to-Market-Regeln abhängig wie in börsennotierten Märkten.

Was ist der Vorteil, nicht von Mark-to-Market abhängig zu sein?
In vielerlei Hinsicht geht es bei Marking-to-Market darum, wie sich das Risiko für eine Altersvorsorgeeinrichtung offenbart. Es geht weniger darum, dass die Assets selbst risky sind. Die große Variable ist die zu einem zufälligen Zeitpunkt eingeholte Marktsicht. Zum Beispiel Aktien: Der Return aus dem Income variiert wahrscheinlich sehr wenig und die Geschäfte der investierten Unternehmen verlaufen eher stabil, so dass die damit verbundenen Schwankungen nicht mehr als einen Prozentpunkt betragen. Preisbewertungen auf dem Aktienmarkt schwanken aber wahrscheinlich um 20 Prozent pro Jahr. Wir wollen also versuchen, zum wahren Under­lying-Return zu kommen – ohne die schwierige Public-Market-Verpackung.

Wie verschaffen Sie sich Zugang zu Private Debt und warum?
Wir haben an Audax Senior Loans (ASL) ein Commitment über 80 Millionen Pfund ab­gegeben. Meiner Ansicht nach haben US-Private-­Debt-Investments folgende Eigenschaften: Es sind private, illiquide Märkte, für die es keine direkte Marktbewertung als solche gibt, weil kein Markt für Loans existiert. Es gibt also eine vernünftige Abschätzung der Fähigkeit der Kreditnehmer, die Kredite zurückzuzahlen, und das beeinflusst die Bewertung­ des Loan.

Tatsächlich ist der Nachweis, den ASL zum Managen von Ausfällen vorgelegt hat, äußerst beeindruckend: Seit 2007 gab es pro Jahr insgesamt nur einen Verlust von 0,04 Prozent über alle Portfolios. Deshalb denke ich, dass es eine von den Asset-Klassen ist, in denen Kreditrisiko eher überbewertet ist. Ich vermute, dass dies die Chance für Fonds wie unseren ist.
 
Was sind die Risiken von Investments in US Corporate Loans?
Diese Loans haben eine Duration zwischen fünf und sieben Jahren und bergen offensichtlich ein Wiederanlage­risiko. Das liegt daran, dass sich die Bedingungen in sieben Jahren wahrscheinlich ziemlich verändern werden. Es besteht die Möglichkeit, dass man dann nicht in der Lage sein wird, Libor plus 6,5 Prozent zu bekommen. Das Wiederanlage­risiko ist sehr relevant, wenn wir beginnen, den Return aus diesem Portfolio als Diskontierungssatz für die Liabilities zu nutzen. Diese Art von Wiederanlagerisiko bekommt man bei Aktien nicht, weil dieser Markt eher etwas von einem stetigen Markt hat.

 
Das Interview führte Sebastian Cheek
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