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20.03.2011

TITELTHEMA: Nachhaltigkeitsvordenker

In puncto Nachhaltigkeit ist für institutionelle Anleger Pragmatismus und damit auch Kreativität gefragt.

In puncto Nachhaltigkeit ist für institutionelle Anleger Pragmatismus und damit auch Kreativität gefragt. Darum kommt es zu sehr unterschiedlichen Umsetzungen. Gleich ist aber den Wegen der BVK, KfW und LBBW, dass sich ­diese auf die Principles for Responsible Investment (PRI) der UN stützen. Eine wichtige Rolle spielen Engagements.

Nachhaltigkeit: ein Wort, viele Bedeutungen. Spätestens seit der Club of Rome 1972 seine Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft veröffentlichte, weist die Anzahl der Definitionen ein nachhaltiges Wachstum auf. In einem Schlussbericht einer Enquetekommission des Deutschen Bundestags wird Nachhaltigkeit 2002 beispielsweise ­folgendermaßen definiert: Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass ­dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann.

Im Lager der institutionellen Kapitalanleger sind zwei Deutungen entstanden. Einmal sind nachhaltige Investments diejenigen, bei ­denen die Selektion von Wertpapieren anhand von ökologischen, ­sozial-ethischen und Corporate-Governance-Kriterien gefiltert wird. Dies kann dann zu Ausschlüssen, zu einem Best-in-Class oder einem Best-of-Class führen. Bei einem Best-in-Class werden die nachhaltigsten Wertpapiere innerhalb einer Branche ausgewählt, bei einem Best-of-Class werden die nachhaltigsten Branchen selbst übergewichtet. ­Eine Abwandlung dieser Vorgehensweise sind Engagements. Engagements bieten den Vorteil, das Verbesserungspotenzial von Unternehmen aktivieren und von daraus resultierenden Wertsteigerungen profitieren zu können. Ein Best-of/-in-Class-Ansatz investiert dagegen in die Unternehmen, die bereits "spitze" sind. Das andere Verständnis von nachhaltigen Anlagen ist, dass in Anlagen investiert wird, die per se nachhaltige Renditen aufweisen. Wenn Langfristinvestoren sagen, dass man eigentlich schon immer nachhaltig investiert hat, dann entspricht dies diesem Verständnis. Man denke an Immobilien in ­begehrten Lagen, Infrastruktur, Renewables oder Private Equity mit dem Fokus, die Zielunternehmen in ihrer Entwicklung zu fördern, und nicht nur den Fremdkapitalhebel anzusetzen.
Dieses Verständnis kann aber auch Investments in Tabak, Alkohol oder Glücksspiel einschließen. Wie eine Studie von Fabozzi, Ma und Oliphant zu "Sin Stock Returns" ergab, brachten Aktien aus den ­moralisch verwerflichen Branchen zwischen Januar 1970 und Juni 2007 jährlich im Schnitt 19 Prozent ein. Mit dem allgemeinen Aktienmarkt ließen sich dagegen jährlich nur knapp acht Prozent erwirtschaften. Eine Begründung für die Outperformance ist für die Studien­macher, dass die Märkte "Alkohol", "Tabak", "Waffen", "Biotech", "Glücksspiel" und "Pornografie" mit hohen Eintrittsbarrieren ­umgeben sind. Anders als sonst bei monopolartigen Strukturen ­fordert der Staat aber bei diesen Branchen keine Höchstpreise ein. ­Zudem bestehe wegen der permanenten Prozessrisiken ein andauernder Bewertungsabschlag dieser Titel. Stark in der Öffentlichkeit stehende Institutionelle haben aus Reputationsgründen Schwierigkeiten, diese Erkenntnisse gewinnbringend einzusetzen. Aber schon die Erkenntnis, dass Ausschlüsse das Anlageuniversum nachteilig verkleinern können, ist für Anleger eine hilfreiche Erkenntnis.

 
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