Asset Manager
17.01.2018

Vermögensverwalter sehen Mifid II als Chance

Weniger Research, mehr Ineffizienzen, mehr Renditechancen. Aber auch weniger Liquidität und mehr Auftrags-Research.

Das Vermögensverwalter Office von Berenberg, welches unabhängige Vermögensverwalter und deren Fondskonzepte betreut, hat Vermögensverwalter um eine Einschätzung zu den möglichen Auswirkungen der dieses Jahr in Kraft getretenen Mifid-II-Vorschriften auf die Analysten-Coverage bei Small- und Mid-Caps gebeten. Hintergrund ist, dass Mifid II zum Investorenschutz Asset Managern vorschreibt, anders als bislang externe Research-Kosten separat auszuweisen. Dies macht den Bezug von externem Research unattraktiv.

Die von Berenberg befragten Vermögensverwalter erwarten fast unisono weniger Research-Angebote, sehen dadurch aber auch Renditechancen entstehen. „Gerade bei Mid- und Small-Caps wird es eine geringere Coverage geben und dadurch auch größere Marktineffizienzen“, sagt Dimitri Widmann von Aguja Capital. „Durch Mifid II werden sich somit die Opportunitäten für uns vergrößern und es wird leichter, einen Wissensvorsprung zu generieren.“ Thomas Seppi von Frankfurt Performance Management hegt ähnliche Erwartungen: „Wir erwarten künftig ein zurückgehendes Angebot von Research und haben daher mit einer personellen Verstärkung im Fondsmanagement unsere eigenen Analysekapazitäten noch erweitert. Sollten Bewertungsineffizienzen durch einen Rückgang der Research-Coverage am Markt entstehen, so wollen wir diese zur Erzielung einer positiven Rendite für unsere Investoren ausnutzen.“

Einen Bedeutungszuwachs für internes Research erwartet auch Matthias Bohn von der P&S Vermögensberatungs AG. Bohn sieht aber ebenfalls auch eine Chance für externe Research-Dienstleister: „Wir erwarten nun, dass es aufgrund begrenzter Research-Budgets weniger 'Anwender' geben wird und die hierdurch sinkende Markttransparenz für Stockpicker neue Chancen eröffnet. Eigenes Research - wie wir es betreiben - und natürlich auch qualitativ hochwertiges Fremdresearch kann in diesem Umfeld zu einem hochwertigen USP avancieren.“ Bohn erwähnt weiter, dass P&S schon immer darauf verzichtet habe, sich auf externes Banken- und Broker-Research zu verlassen. „Zu mannigfaltig erscheinen uns die potenziellen Interessenskonflikte.“

Doch nicht alle befragten Vermögensverwalter sind sich ganz sicher, ob es tatsächlich weniger Research geben wird. „Nicht zwingend erwarten wir weniger Small Cap Coverage, sind kleinere Broker doch schlanker aufgestellt“, so Marc Siebel von Peacock Capital. Markus Merkel, Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung, denkt an technologische Auswirkungen, die einen Coverage-Rückgang verhindern könnten: „Gegenwärtig können die regulatorischen Auswirkungen noch nicht ganzheitlich und abschließend beurteilt werden, ebenso wenig wie zum Beispiel die Konsequenzen durch Künstliche Intelligenz auf das Berufsbild des Analysten.

Für Merkel liegt eine mögliche Gefahr von Mifid II eher woanders: „Problematisch kann gleichwohl ein Trend zu Auftrags-Research durch analysierte Unternehmen sein.“ Eine weitere Problematik kann eine austrocknende Liquidität sein. Dies wäre nach Einschätzung von Marc Siebel von Peacock aber weniger für Vermögensverwalter ein Performancenachteil als für große Fonds. 

portfolio institutionell, 17.01.2018/Patrick Eisele

 
Anzeige
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder