Bafin-Vorgaben für Risikomanagement werden als formaler Zwang gesehen.
HAMBURG/MÜNCHEN - Die Mindestanforderungen für das Risikomanagement werden nach mehr als einem Jahr, seitdem sie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Kraft gesetzt wurden, von vielen Versicherern vor allem als formaler Zwang angesehen. Die meisten Unternehmen schöpfen bislang noch keinen ökonomischen Mehrwert daraus. Das geht aus zwei Untersuchungen hervor, die von der Hamburger Unternehmensberatung 67rockwell Consulting sowie Ernst & Young angestellt wurden.
Beide Studien haben vor allem die operationellen Risiken als ein Problemfeld der MaRisk identifiziert. "Es werden zwar die versicherungstechnischen und die Anlagerisiken betrachtet, aber viele operationelle Risiken, die im Tagesgeschäft auftreten, spielen im Risikomanagement überhaupt keine Rolle. Auch Reputationsrisiken werden zum Beispiel so gut wie überhaupt nicht betrachtet", erklärt Tim Braasch, geschäftsführender Gesellschafter von 67rockwell.
In den meisten Fällen werden nur die Minimalforderungen umgesetzt. Dadurch erfüllen die Versicherer zwar die regulatorischen Vorschriften, stellen aber keinen Bezug zu den damit verbundenen unternehmerischen Chancen her. Nur wenige Großprojekte, das stellte 67rockwell bei seiner Umfrage fest, unterliegen bislang einem MaRisk-konformen Risikomanagement. Darüber hinaus mangelt es bislang noch an der erforderlichen Risikokultur, die sich durch das gesamte Unternehmen zieht.
"Mit der MaRisk wurde in Gestalt des unabhängigen Risikocontrollings eine neue zentrale Funktion geschaffen. Die Versicherer beschäftigen sich jedoch schon seit jeher mit der Messung und Steuerung von Risiken. Nun schaut diese zusätzliche zentrale Stelle auf die Vorgänge bezüglich des Risikomanagements aller anderen Bereiche. Für deren Notwendigkeit fehlt vielfach noch das Bewusstsein", stellt Andreas Schlögl, Manager im Actuarial Services Advisory von Ernst & Young, fest.
Probleme gibt es darüber hinaus bei der Operationalisierung der MaRisk sowie bei der Entwicklung von Limiten und Schwellenwertkonzepten. Häufig beschäftigt sich nur das Top-Management mit den Vorgaben der MaRisk, dem es aber nicht gelingt, die einzelnen operativen Einheiten einzubinden. Außerdem steht die personelle Besetzung des unabhängigen Risikocontrollings vielfach im Widerspruch zu den Vorgaben der Bafin. So haben 44 Prozent der Versicherungsgesellschaften mit weniger als einer Milliarde Beitragseinnahmen diese Funktion dem Finanzvorstand übertragen, obwohl es ein nachträgliches Schreiben der Aufsichtsbehörde gibt, dass der Finanzvorstand gerade nicht für diese Aufgaben geeignet ist.
(Detailliertere Informationen zum Umsetzungsgrad der MaRisk lesen Sie in der Juli-Ausgabe von portfolio institutionell.)
portfolio institutionell newsflash 14.07.2010/kmo





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