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Ausgabe 10/2017

Die Anlage der Betriebsrenten-Milliarden

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Schwarzer Schwan der Woche
03.03.2017

Vertrauen in die Rente

Die Vorstände beim Autobauer VW müssen mit Einschnitten bei Boni und Rente rechnen. Aber „Volkswagen“ fahren müssen sie im Alter dennoch nicht.

Der Volkswagen-Konzern lernt das Sparen. Und schlachtet nach dem Dieselskandal so manche heilige Kuh: Im Oktober 2016 wurde publik, dass die Konzerntochter Audi ihr millionenschweres Engagement im Langstreckenmotorsport zum Saisonende kurzerhand einstellt. Damit verabschiedete sich der Ingolstädter Ableger auch vom wohl größten technologischen Schaufenster im weltweiten Motorsport, dem 24-Stunden-Rennen in Le Mans – nach 18 Jahren voller Erfolge. 

Seriensieger Audi musste sich zuletzt zwar den Kollegen von Porsche geschlagen geben, die 2015 und 2016 auf dem Treppchen in Le Mans ganz oben standen. Eklatant ist aber: Bis zuletzt gab der VW-Konzern das Geld in dieser Rennserie mit beiden Händen aus. Denn mit Audi und Porsche schickte man in den vergangenen drei Jahren gleich zwei Marken nach Le Mans – und überließ in der prestigeträchtigeren Formel 1 Mercedes das Feld.

Wie in der Branche zu hören ist, verschlang das Engagement jeweils Kosten in Höhe dreistelliger Millionen-Beträge – wobei höchstens nur einer gewinnen kann, schließlich hatte man es noch mit Konkurrent Toyota zu tun. Die dekadente Idee, zwei Konzerntöchter mit Millionen gegeneinander antreten zu lassen, soll auf einen Clinch des früheren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch mit Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in eben dieser Rennserie zurückgehen. Und auch in der weltweit wichtigsten Rallye-Serie, der FIA World Rally Championship, hat der VW-Konzern 2016 abrupt das Weite gesucht – das erfolgreichste Rallye-Team der vergangenen vier Jahre hat den Helm zum Jahresende sprichwörtlich an den Nagel gehängt. 

Bitte eine Runde Mitleid 

Enorme Kosten lassen sich aber nicht nur im Motorsport einsparen, sondern auch beim Personal, allen voran beim Vorstand. Dessen Chef, derzeit sitzt Ex-Porsche-Lenker Matthias Müller am Steuer, soll künftig höchstens zehn Millionen Euro im Jahr absahnen können, die anderen Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen Euro. Damit würden die theoretisch möglichen Maximalgehälter des Vorstands um bis zu 40 Prozent verringert, heißt es bei den Wolfsburgern. Doch der Spartrieb geht noch weiter: Wer in Zukunft in den VW-Vorstand berufen wird, dem wird nun auch die Betriebsrente gekürzt. Der VW-Aufsichtsrat beschloss, dass das angeschlagene Traditionsunternehmen künftig nur noch 40 statt bisher 50 Prozent des fixen Grundgehalts in den die Betriebsrenten erwirtschaftenden Volkswagen Pension Trust einzahlt. Von den Einzahlungen und natürlich den Anlageentscheidungen des Trusts hängt die Betriebsrente ab.

Zudem richte sich dieser Betrag auch nicht an der neuen, erhöhten Grundvergütung aus, sondern an den bisherigen Fixbezügen, berichtet die Börsen-Zeitung. Wie es heißt, stellt Volkswagen zudem von garantierten Renten auf garantierte Zuführungen ins Pensionssystem um. Mit anderen Worten trägt die Führungsriege nun auch selbst die Risiken bei der Kapitalanlage. Und damit auch das Altersarmutsrisiko mangels Moneten selbst einen Volkswagen-Diesel fahren zu müssen und nicht ein Edelmodell von Audi, Porsche, Bugatti oder gar Lamborghini, die man sonst noch auf der Markenliste des skandalträchtigen Konzerns findet. 

Was waren das noch für Zeiten, als ein Ferdinand Piëch das Heft in der eisernen Hand hielt. Der langjährige VW-Boss hat laut Motorpresse einen Fuhrpark, der so illustre Schmuckstücke wie den Bugatti Veyron ebenso umfasst wie eine Rennflunder vom Schlage eines Audi R8. Und auch ein edles Zweirad der Audi-Tochter Ducati soll dazu gehören. Wobei: Der Vergleich der amtierenden Vorstandsriege mit einem Alphatier vom Schlage eines Ferdinand Piëch hinkt. Und das schon allein in finanzieller Hinsicht. Denn die Familien Porsche und Piëch kontrollieren bekanntlich die Porsche Automobil Holding SE, die die Mehrheit an VW hält. Und Ferdinand Piëch allein besitzt laut der Wikipedia mindestens 14 Prozent der Porsche-Stammaktien. Angesichts der für 2017 absehbaren Dividendenerhöhung um etwa 50 Prozent auf wahrscheinlich 1,50 Euro je Porsche-Aktie, kann Ferdinand Piëch mit einem warmen Geldregen von 32 Millionen Euro rechnen. So gesehen kann er auch weiterhin Vertrauen in seine Rente haben. Selbst bei VW. 

In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende.

 
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