Stiftungen
21.02.2018

Viele Stiftungen, ein Nachhaltigkeitskonzept

Für Asset Management sind Investitionsgrößen immer eine wichtige Determinante. Sehr sinnvoll kann es gerade für kleine Investoren sein, sich zusammenzuschließen, um gemeinsam zu investieren. Auf ein innovatives Konzept hat sich die Bürgerstiftung Braunschweig geeinigt.

Bei nachhaltigen Investments liegt die Durchsetzungsstärke gegenüber Emittenten im Fall von Engagements in der Gemeinsamkeit des Auftritts. Die Glaubwürdigkeit liegt bei nachhaltigen Investments dagegen in der Individualität des Auftritts. Schließlich müsste jede Kapitalsammelstelle abhängig von ihrem Hintergrund eigene Nachhaltigkeitsschwerpunkte entwickeln. Dieser (scheinbare) Widerspruch ist aber auflösbar. 

Im Großen zeigen dies die von den UN unterstützten PRI, zu deren sechs Principles for Responsible Investment sich über 1.700 Kapitalmarktteilnehmer mit insgesamt etwa 70 Billionen Dollar, darunter etwa 350 Asset Owner mit insgesamt etwa 16 Billionen Dollar, bekannt haben. Auf die Prinzipien einigen konnten sich die Unterzeichner dadurch, dass diese sehr allgemein gehalten sind und viel Spielraum lassen, wie und welche Nachhaltigkeitsschwerpunkte man in der Kapitalanlage setzt. 

Ein Beispiel, wie sich der Widerspruch im Kleinen auflösen lässt, zeigt die Bürgerstiftung Braunschweig. Die Bürgerstiftung verwaltet eine selbstständige Stiftung plus 32 weitere Stiftungen mit Bezug zur niedersächsischen Metropole. Das zu verwaltende Vermögen beträgt etwa zwölf Millionen Euro. All diese Stiftungen konnten sich nun auf ein gemeinsames Nachhaltigkeitskonzept mit selbst definierten Nachhaltigkeitskriterien einigen. Dabei definiert der Anlageausschuss selbst, welche Titel als nachhaltig gelten und daher für ein Investment in Frage kommen.

Die Kriterien erarbeiteten die Mitglieder in diversen Workshops gemeinsam mit der Imug Beratungsgesellschaft für sozial-ökologische Innovationen. Wie die Bürgerstiftung mitteilt, einigten sich die Teilnehmer auf eindeutige Faktoren, die zum Ausschluss bestimmter Aktien sowie Anleihen führen. Ulrich Deissner, bislang Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Braunschweig und nun immer noch in die Kapitalbewirtschaftung involviert, erklärt: „Wir geben Stiftungen den Raum ihrer Überzeugung nach zu investieren und somit ihre Werte gezielt umsetzen zu können. Die so definierten Kriterien können jederzeit vom Anlageausschuss angepasst werden.“ 

Praktisch bestimmen nun zwei Phasen einen systematischen Investmentprozess des Bürgerstiftungsfonds. Im ersten Schritt prüft das Fondsmanagement innerhalb eines Universums von über 2.000 Titeln des FTSE All World Developed Index, welche Wertpapiere die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Investitionsmöglichkeiten lassen sich danach in fast allen Branchen finden. Zum nachhaltigen Universum zählen Vestas, die Deutsche Telekom und Credit Suisse. Durch das Sieb fallen dagegen unter anderen Apple wegen Arbeitnehmerrechtsverletzungen in der Lieferkette und der Versorger Eon mit Blick auf fossile Brennstoffe. Im zweiten Schritt des Investmentprozesses erfolgt eine fundamentale Bewertung der als „nachhaltig“ ausgewiesenen Unternehmen. Basis dafür ist ein durch das Private Banking der Nord/LB entwickeltes Kennzahlensystem. Das quantitative Screening beinhaltet folgende fünf Faktoren: Bilanzanalyse, Unternehmensbewertung, Stimmung, Momentum und Technik. 

 
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