In die Solarbranche können Investoren auf unterschiedliche Weise ihr Geld stecken. Kraftwerke sind der direkte Standardweg. Es geht aber auch über Venture Capital, Private Equity oder börsennotierte Aktiengesellschaften.
/span>>/>>/>>/>In die Solarbranche können Investoren auf unterschiedliche Weise ihr Geld stecken. Kraftwerke sind der direkte Standardweg. Es geht aber auch über Venture Capital, Private Equity oder börsennotierte Aktiengesellschaften. Eine nachhaltige Geldanlage sind Solarinvestitionen allerdings nicht zwangsläufig.
Ein Viertel Helium, 73,5 Prozent Wasserstoff, der Rest schwere Elemente wie Eisen, Sauer- und Kohlenstoff: So setzt sich die Sonne zusammen. Die Kerne des Wasserstoffs reagieren zu Heliumkernen. Pro Sekunde werden im Kern der Sonne aus 564 Millionen Tonnen Wasserstoff 560 Millionen Tonnen Helium. Die Differenz in der Masse wird als Energie freigesetzt, insgesamt 3,7 mal 1.027 Watt. Das meiste wird in Form von Licht ausgestrahlt. Auch wenn nur ein Teil davon auf der Erde ankommt, kann der Mensch diese Energie nutzen. Beispielsweise, indem er sie mit Hilfe von Photovoltaikmodulen in Strom umwandelt. Die Solarbranche ist längst Big Business und hat kaum noch etwas mit ökobewegten Gutmenschen zu tun. Investoren können auf verschiedene Arten investieren, vom Venture Capital über Private Equity und börsennotierte Aktiengesellschaften bis hin zur Direktinvestition in Solarkraftwerke. Die Branche befindet sich allerdings in einer Konsolidierungsphase. Und eine nachhaltige Geldanlage ist eine Solarinvestition auch nicht per se.
Als die weltgrößte Branchenmesse Intersolar im Juni in München ihre Pforten öffnete, meldete sie Rekorde: Mehr als 1.800 Aussteller auf 134.000 Quadratmetern in zwölf Hallen. Die Veranstalter zählten mehr als 72.000 Besucher. Trotz zahlreicher positiver Meldungen tauchte am Rande der Messe immer wieder die Frage auf, ob es so weitergehen kann. Vermutlich nicht. Die Branche befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Erste Insolvenzen und zahlreiche ums Überleben kämpfende Veteranen der Branche prägen das Bild. Selbst Branchenprimus Solarworld hat Federn gelassen. Die Gewinnmarge im operativen Geschäft betrug im ersten Quartal 2010 elf Prozent, 2006 lag sie noch bei fast 35 Prozent. Manager von Aktienfonds agieren daher im Solarbereich vorsichtig. "Wir haben unseren Anteil an Aktien der Branche bereits 2008 deutlich reduziert", sagt Steffen Merker, Fondsmanager des LBBW Nachhaltigkeit Aktien. Zum Glück, denn die meisten Solaraktien haben in den vergangenen ein bis zwei Jahren deutlich an Wert verloren. Anders sieht das bei Venture Capital aus. Allerdings selektieren die spezialisierten Fonds und Investmentgesellschaften genau. "Anstatt einen weiteren Hersteller von Zellen zu finanzieren, finanzieren wir Unternehmen, die in der Lage sind, den Markt zu versorgen, also weiter hinten in der Wertschöpfungskette", erklärt Andreas von Richter, Vizepräsident bei der General-Electric-Tochter GE Energy Financial Services. Es geht um Unternehmen, die auch eine gute Exit-Möglichkeit für die Investoren bieten.
_Zwei Technologien dominieren den Markt
Dass sich eine neue Technik in den kommenden Jahren groß durchsetzt, ist unwahrscheinlich, kämpfen doch bereits jetzt einige bekannte Ansätze um Anteile am Markt. Dort dominieren zwei Arten von Modulen. Die einen basieren auf Dünnschichttechnologie, die anderen auf Silizium. In den vergangenen Jahren galten Dünnschichtmodule insbesondere bei Freiflächenanlagen als Favoriten. Sie haben zwar einen geringeren Wirkungsgrad und produzieren weniger Strom pro Quadratmeter Modulfläche. Dafür waren sie deutlich günstiger. Mittlerweile ist der Unterschied nicht mehr so groß. Denn der Rohstoff Silizium hat im Preis stark nachgegeben. Dadurch spielt ein weiterer Faktor eine größere Rolle: der Stahlpreis. Und der hat zugelegt. Bei großen Solarparks werden die Module auf Trägergestelle aus Stahl montiert. Da Siliziummodule wegen des höheren Wirkungsgrads bei gleicher installierter Leistung weniger Platz benötigen als Dünnschichtmodule, sparen Investoren hier zusätzlich beim Unterbau. Entwickler sprechen von rund 40 Prozent der Gestellkosten. Bei Dünnschicht dominiert ein Material, und das wird wohl so bleiben. "Einen nachhaltigen Kostenvorteil hat First Solar mit Cadmiumtellurid (CdTe), während andere Dünnschichttechnologien, wie siliziumbasierte amorphe und mikromorphe Dünnschicht entweder auf der Kostenseite da nicht rankommen oder wie Kupfer-Indium-Gallium-Schwefel-Selen (CIGS) noch mit der Zuverlässigkeit der Herstellungsprozesse kämpfen", erläutert Olaf Köster, der für Altira die Fonds "VCH Newenergy" und "SI Ökoselect" managt. Die Produktionskosten des CdTe-Marktführers First Solar von derzeit 81 US-Cent pro Watt müssten jedoch bis 2014 auf 50 Cent sinken. Andere Hersteller spielen bislang nur eine nachrangige Rolle in dem Untersegment.
_Zweistellige Rendite, aber lange Laufzeit
Zukunftsfähige Technik ist nicht nur wichtig für Investoren, die in ein Unternehmen der Branche einsteigen wollen. Die zweite Möglichkeit, im Photovoltaikbereich aktiv zu werden, ist, sich an einem oder mehreren Kraftwerken zu beteiligen. Das geht durch direkten Kauf, über geschlossene Fonds und seit einiger Zeit auch über offene Fonds, ähnlich den offenen Immobilienfonds. Wie der Investor vorgeht, hängt von seinen Vorlieben ab. An zu geringen Investitionsvolumina liegt es nicht mehr. Selbst für dreistellige Millionensummen werden mittlerweile Solarparks realisiert. "Wenn mir einer vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich mir unter zehn Megawatt eigentlich kein Projekt mehr ansehe, hätte ich nur milde gelächelt", sagt Petra Leue-Bahns, die Ecolutions leitet, den Projektentwickler und -finanzierer von Altira. Bei einem kürzeren Zeithorizont ist der offene Fonds das geeignete Vehikel. Hier liegen die Zielrenditen aber deutlich niedriger, zwischen vier und sechs Prozent pro Jahr. Bei geschlossenen Fonds und direkten Beteiligungen betragen die Laufzeiten oft 20 Jahre oder mehr. Dafür geht die Rendite je nach Lage des Objekts in den zweistelligen Bereich. Dabei sind höhere prognostizierte Renditen meist auch ein Zeichen für ein höheres Risiko, beispielsweise durch politische Unsicherheiten oder langwierige Genehmigungsprozesse.
Nicht jedes Land fördert den Solarstrom auf die gleiche Weise. Zwar garantieren zahlreiche Staaten eine feste Einspeisevergütung, aber nicht alle. In den USA verkaufen die Betreiber der Parks ihren Strom zum aktuellen Strompreis. Zusätzlich generieren die Parks Steuerboni. Diese sind frei handelbar. Unternehmen mit hohen Steuerlasten können diese erwerben und so ihre Abgaben reduzieren. Allerdings ist der Nachteil des Systems schnell offensichtlich geworden. "Vor Beginn der Krise existierten in den USA 19 Händler für Tax Incentives, jetzt sind es nur noch vier", hat Jan Winkler, Berater bei EuPD Research, beobachtet. Die meisten US-Unternehmen hätten, wenn überhaupt, so geringe Gewinne, dass sie die Boni nicht benötigen. Das System sei nur für Investoren interessant, die in den USA Steuern zu zahlen hätten. Ein weiteres Modell gewährt frei handelbare Zertifikate, die den ökologischen Wert der sauberen Energiegewinnung repräsentieren. Erste Wahl seien jedoch Staaten mit fester Einspeisevergütung, sagt Winkler: "Es hat seinen Grund, dass 90 bis 95 Prozent aller Photovoltaik-Kapazitäten in Ländern mit fixem Einspeisetarif installiert sind." Das sind mittlerweile einige: Schwellenländer wie Indien, Staaten in Osteuropa und Mitglieder der Europäischen Währungsunion. Außerhalb der Europäischen Währungsunion bestehen aber Währungsrisiken. Von Bedeutung sind auch die politische und wirtschaftliche Stabilität der Staaten. "Ich betrachte die Rendite aus einer Einspeisevergütung wie eine Staatsanleihe", erklärt Adam de Sola Pool, Vorstand von Environmental Investment Partners.
Zunehmend wird ein weiteres Phänomen deutlich: Korruption. In zahlreichen Ländern wird versucht, von den Projektentwicklern, Initiatoren oder Betreibern der Solarparks unter der Hand Geld zu kassieren. Das kann seitens offizieller Stellen sein. Das können Beamte sein, die sich persönlich bereichern wollen, oder Einwohner der Region, die Einspruch gegen das Projekt einlegen und diesen gegen eine "angemessene Gebühr" zurückziehen. Lässt sich der Investor darauf ein, hat er zwei Probleme. Zum einen drohen ihm während der gesamten Laufzeit weitere Forderungen. Wird beispielsweise publik, dass die Genehmigung nur wegen einer Bestechung erteilt wurde, muss er unter Umständen den Park wieder abbauen. Zweitens ist der Solarpark kein nachhaltiges Investment. Denn Korruption fällt unter ethische Kriterien. Einige Anbieter winden sich heraus, indem sie behaupten, sie könnten ihre Subunternehmer und deren Subunternehmer in der Entwicklungs- und Bauphase nicht auf Korruption durchleuchten. Ähnlich argumentiert die Textilbranche beim Thema Lohnsklaverei. Ein weiterer Aspekt zum Thema Nachhaltigkeit sind die Hersteller der verwendeten Bauteile. Über die börsennotierten Unternehmen der Branche liegen ausreichend Nachhaltigkeitsstudien vor, mittlerweile auch zu den Herstellern aus Schwellenländern. Wer auf eine nachhaltige Geldanlage besteht, sollte auch auf diesen Aspekt achten.
Immer wieder verweigern Banken Fremdkapital. Banken zögern, wenn sie am Überleben des Unternehmens zweifeln. Und sie halten sich zurück, wenn ihnen zu wenige Erfahrungswerte mit den Modulen eines Herstellers vorliegen. Das betrifft vor allem chinesische Produzenten, die jetzt eigene Parks errichteten, um die Erfahrungswerte zu erzeugen. Denn die ehemals bei der Qualität hinterherhinkenden Chinesen haben aufgeholt. "Wir haben gute Erfahrung mit angesehenen chinesischen Modulen gemacht. Tatsächlich haben wir in einigen unserer Solarfarmen einen Mix von chinesischen und europäischen Modulen, und in diesen Fällen zeigen die chinesischen Module im Durchschnitt eine etwas bessere Leistung als die europäischen Module", sagt Joris van der Geest, Fondsmanager des Triodos Ampere Equity Fund. Auch finanziell stehen sie auf den ersten Blick oft besser da, als die Konkurenz aus Europa. Allerdings sind die offiziellen Bilanzen der chinesischen Fabrikanten das eine, die tatsächliche wirtschaftliche Lage das andere, hat Leue-Bahns beobachtet: "Der chinesische Staat übt aktiv einen nicht zu unterschätzenden industriepolitischen Einfluss aus." Anders ausgedrückt: Er rettet gerne mal Unternehmen des Landes vor dem Konkurs, zuweilen auch mehrfach. Einen guten Ruf erwerben sich diese Firmen so nicht - und auch keine offenen Arme bei Banken für ihre Kunden.





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