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18.07.2014

Wertvoll oder Muster ohne Wert: Value at Risk für Windparks

Peter Heidecker, Chorus-Gruppe

Richard Zellmann, First Private

Dr. Ivan Herger, Capital Dynamics

Infokasten zum Value at Risk

Über die Risikokennzahl Value at Risk und ihre Berechnungsmethoden, Stärken und vor allem Schwächen wurde schon viel geschrieben – allerdings wenig im Zusammenhang mit ­illiquiden Asset-Klassen. Zum Nutzen von Value-at-Risk-­Berechnungen für Renewables und Private Equity gibt es für Investoren verschiedene Pro- und Kontra-Argumente.

Vom „Report 4.15“ bis heute hat der Value at Risk einen weiten Weg mit Höhen und Tiefen, mit verschiedenen Methoden, Anwendungsmöglichkeiten und Nutzern zurückgelegt. Die Väter des Value at Risk sind der damalige Vorsitzende von JP Morgan, Dennis ­Weatherstone, und der Crash von 1987. Die für Weatherstone – für den zuvor die Marktrisiken der verschiedenen Finanzinstrumente mit unterschiedlichen Methoden ermittelt wurden – relevante Frage: „How much can we lose on our trading portfolio by tomorrow's close?” Die Antwort wurde ihm daraufhin täglich Punkt 16.15 Uhr risikoübergreifend in der Form eines einheitlichen Value at Risks beziehungsweise eines Dollarbetrags präsentiert. Ironischerweise war es dann ­eine weitere Krise, nämlich die von 2008, die erhebliche Zweifel an dieser Risikokennzahl schürte und deren weitere Verbreitung erheblich dämpfte. Negativ fiel vor allem auf, dass sich das Risiko öfter als erwartet außerhalb des Konfidenzniveaus manifestierte und somit der Verlust viel höher als gedacht ausfiel. Trotzdem hat diese Kennzahl in unserem Risikomanagement-Zeitalter als Standardrisikomaß weiter ihren Platz.

Heute wird der Value at Risk beispielsweise auch von der auf Privatanleger ausgerichtete Börse Stuttgart für das Mittelstandsanleihen-Segment „Bond-M“ gemessen. So wird – Stand Mitte Juni – für den Air-Berlin-Bond mit Laufzeit bis 2018 ein adjusted Value at Risk von 1.391,42 Euro angegeben. Dies bedeutet, dass der mögliche Verlust bei einem Investment von 10.000 Euro in den nächsten zehn Tagen mit einer 99-prozentigen Wahrscheinlichkeit den Betrag von 1.391,42 Euro nicht übersteigen wird. Die Berechnung des adjustierten Value at Risk, so die Börse Stuttgart, basiert auf den drei Risikokomponenten Zins-, Spread- und Ausfallrisiko, die sich wie oben beschrieben ebenfalls alleine aus den in den Anleihekursen beziehungsweise deren­ Verläufen eingepreisten Markterwartungen ergeben.

Ein weiteres neues Anwendungsfeld: Wind- und Solarparks! Wind- und Solarparks? Der Value at Risk ist zwar ein Downside-Risiko­maß, und bei regulierter Infrastruktur ist ähnlich wie bei ­Anleihen in der Regel primär die Downside relevant. Aber wie ergibt eine Kennzahl, die auf einer Vielzahl von Marktdaten basiert und zur Messung von eher kurzfristigen Schwankungen in Handelsbeständen konzipiert ist, für illiquide und langfristig ausgerichtete Investments Sinn, denen im Portfolio der Charakter eines Stabilitätsankers zukommt? „Tatsächlich sollte man den Wert einer solchen Kennziffer im Bereich der Erneuerbaren Energien nicht allzu hoch ansetzen“, antwortet Peter Heidecker, Gründer und Geschäftsführer der Chorus-Gruppe. „Wir sehen aber bei Investoren durchaus den Wunsch, sich mit Erneuerbaren Energien nicht nur emotional, sondern auch finanz­mathematisch auseinanderzusetzen. Diesem Wunsch kommen wir natürlich gerne nach. Wichtig ist unseren Investoren der Aspekt, mit welcher Wahrscheinlichkeit nach zehn Jahren die Renditeziele ­erreicht werden. Darum wünschen sie sich für diese Asset-Klasse Value-at-Risk-Berechnungen.“ Die Chorus-Gruppe ist seit 2006 auf Erneuerbare Energien und seit dem Inkrafttreten der AIFM-Richtlinie im ­Juli 2013 auf institutionelle Investoren fokussiert. Für diese ermittelt ­Chorus nun auch den Value at Risk. Für das Konfidenzniveau werden dabei 95 Prozent angenommen. Perspektivisch – also wenn der durch das EEG verursachte Prüfungszeitdruck bis Jahresende nachlässt – ist auch die Entwicklung eines Conditional Value at Risk zur Berechnung des Verlusts außerhalb des Konfidenzniveaus angedacht. 


 
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