Portfolio Magazin

portfolio institutionell

Ausgabe 12/2017

Die Titelgeschichte dreht sich um Aktien

mehr...



Anzeige

Anzeige

Verlagsprodukte

Anzeige


Alternative Anlagen
19.12.2017

Wind of Change

Tobias Reichmuth (Bild: Susi Partners AG)

Auf dem hohen Meer entsteht zu deutlich geringeren Kosten als früher eine Vielzahl an Windparks. Deren Finanzierung steht allerdings noch aus. Mit dem Status quo und der Zukunft von Investments in Offshore-Windparks befasste sich Susi Partners in Zusammenarbeit mit der Cambridge Judge Business School.

Das Ende vom Anfang der Offshore-Windindustrie markiert der dänische Windpark Vindeby. Zwei Kilometer von der Küste entfernt und in vier Meter Tiefe wurde 1991 der erste Offshore-Windpark mit elf 35 Meter hohen Windmasten, mit 17,5 Meter langen Rotorblättern und mit einer Leistung von je 450 Kilowatt in der Ostsee errichtet – und im vergangenen Jahr mit Ablauf der geplanten Laufzeit aus ökonomischen Gründen wieder abgebaut. Die Strommenge, die Vindeby in 25 Jahren produziert hat, werde laut Dong Energy der sich im Bau ­befindliche Windpark Hornsea One in 17 Tagen produzieren können.

Ein Anfang vom Ende der Offshore-Windindustrie ist dagegen nicht absehbar. Heute ragen die Masten bis zu 113 Meter in die Höhe, die ­Rotorblätter sind auf 82 Meter gewachsen und die Kapazität kann acht Megawatt erreichen. Wie die Zukunft aussehen dürfte, zeigt sich 25 Kilometer vor der schottischen Küste, wo fünf je sechs Megawatt produzierende Masten nicht mehr auf dem Meeresgrund installiert, sondern nur noch vertaut werden, was Anwendungen auch in über 100 Metern Tiefe ermöglicht. Die Macher des ersten schwimmenden Windparks weltweit sprechen von einem „Gamechanger“ und erwarten fallende Kosten. Teil der Lösung ist auch ein Lithium-Speicher. Japan, wo die Gewässer besonders schnell große Tiefen erreichen, testet bereits seit 2013 schwimmende Fundamente, die die Installationskosten drastisch senken, aber auch die Parks widerstandsfähiger gegenüber Naturkatastrophen machen können.

In Großbritannien befinden sich 16 Gigawatt in Planung, zehn sollen es bereits 2020 sein. Weiterer Kernmarkt in Europa ist neben Dänemark Deutschland. Berlin hat eine installierte Offshore-Kapazität von 15 Gigawatt bis 2030 als Ziel. Ende 2016 hatte Deutschland 18 Offshore-Windparks mit einer Kapazität von über vier Gigawatt in Betrieb. Bis 2030 werden Gesamtinvestitionen in europäische Offshore-Windanlagen von mehr als 100 Milliarden Euro erwartet. 

Die große Motivation, auf dem Meer Windräder aufzustellen: Offshore-Windressourcen haben ein höheres Leistungspotenzial und sind im Allgemeinen stabiler. Laut dem Entwickler WPD herrscht auf der Nordsee im Mittel pro Jahr nur ein Tag Windstille. Die Projektgröße eines Offshore-Parks liegt zwischen 100 und 1.000 Megawatt, Onshore bei fünf bis 100 Megawatt, wobei die Volllaststunden deutlich geringer sind. Zum Vergleich: Ein deutsches Atomkraftwerk hat eine Nettoleistung von bis zu 1.400 Megawatt.

Dieses Offshore-Potenzial erschlossen haben sich in der Vergangenheit vor allem die Versorger Dong, Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. In deutlich kleinerer Zahl finden sich offshore ­Stadtwerke und institutionelle Anleger, vornehmlich aus Dänemark. Ende 2016 entfiel laut dem unter der ­Federführung von Gunnar Herzig entstandenen Susi-Whitepaper das Eigentum an den Offshore-Windkraftkapazitäten in Europa zu 12,3 Prozent auf institutionelle Investoren. Deutschen Investoren war das Risiko im Allgemeinen noch zu groß. Auf der Fremdkapitalseite gab es 2015 jedoch unter der Führung der Talanx einen Club Deal mehrerer Anleger, bei dem eine zehnjährige Anleihe im Volumen von 556 Millionen Euro zur Finanzierung des Offshore-Windparks Gode Wind 1 aufgelegt wurde. Die Stadtwerke München haben sich bislang an vier Offshore-Windparks beteiligt. Die Erfahrungen waren wegen Insolvenzen von Partnern und einem verzögerten Netzanschluss nicht nur gut. 

 
Anzeige
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder