Alternative Anlagen
12.03.2018

Wirbelstürme und Erdbeben fürs Portfolio

Henning Ludolphs (Foto: Hannover Rück)

Cat Bonds blicken auf ein Katastrophenjahr zurück. Für ­Neuinvestoren kann dies ein Renditevorteil sein. Zusätzlich bieten Insurance Linked Securities Diversifikationsvorteile zu den klassichen Asset-Klassen. Südamerikanische Erdbebenrisiken bieten neue Streuungsmöglichkeiten.

Dogs of the Dow ist für Dividendenjäger eine interessante Anlagestrategie. Cat Bonds sind dagegen für alle Investoren eine interessante Anlageklasse, die auf der Suche nach einer Extraportion Diversifikation sind. Schließlich geben Rück- und Sachversicherer mit diesen Bonds Naturkatastrophen- und andere Risiken an den Kapitalmarkt weiter. Die Bedienung und Rückzahlung dieser Insurance Linked Securities (ILS) hängt vom (Nicht-)Eintreten von Schäden durch Naturereignisse wie Stürme, Erdbeben oder Feuer ab.

Attraktiv ist, dass diese Risiken unabhängig von der Entwicklung von Marktzinsen oder Aktienmärkten sind. Denkbar ist allerdings im Falle eines großen Schadenereignisses eine Korrelation zu Versicherungsaktien oder Unternehmen, die auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen sind. 

Im vergangenen Jahr wurde diese Diversifikation allerdings weniger geschätzt. Während Aktien unbeirrt zulegten und Anleihen ihr Level immerhin hielten, wurden Cat Bonds 2017 diversen Stresstests unterzogen. Im dritten Quartal sorgten die Hurrikans Harvey, Irma und Maria für Verwüstungen, ein Erdbeben erschütterte Mexiko und im vierten Quartal litt Kalifornien unter verheerenden Waldbränden. Das Allianz Risk Barometer zeigte versicherte Schäden von mindestens 90 Milliarden Dollar durch die Hurrikans an, über zwei Milliarden Dollar Versicherungsschaden durch das Erdbeben in Mexiko und die Waldbrände summierten sich auf annähernd zehn Milliarden Dollar. Final berechnet sind die Schäden allerdings noch nicht. Die Gesamtschäden – also einschließlich der nicht versicherten Schäden – betrugen 330 Milliarden Dollar, die zweithöchste jemals registrierte ­Summe für Naturkatastrophen. 

Zum Vergleich: der Cat-Bond-Markt kommt „nur“ auf ein Volumen von etwa 30 Milliarden Dollar. Davon beziehen sich laut Credit Suisse ungefähr 65 Prozent auf US-Hurrikan-Risiken. Die Hannover Rück berichtet über Q3, dass das Geschäftsergebnis angesichts hoher Schadenbelastungen aus Hurrikan- und Erdbebenereignissen hinter der Vergleichsperiode zurückbleibt: „Nach Jahren moderater Schaden­belastungen haben wir im dritten Quartal eine Häufung von schweren Naturkatastrophen gesehen“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Wallin. Die Versicherung Zurich ­berichtete im Oktober, dass Harvey, Irma und Maria zusammen nach Rückversicherungen zu einem „impact“ von 700 Millionen Dollar führten. 

Jahr der Cat-Bond-Katastrophen

Vergangenes Jahr machten sich diese Events auch bei Cat Bonds ­bemerkbar. Zu einem Totalausfall eines Bonds im Volumen von 150 Millionen Dollar führte das Erdbeben in Mexiko. Der Swiss Re Cat Bond Index konnte sich aber 2017 trotzdem mit einem kleinen Plus von 0,4 Prozent in den positiven Bereich retten. Als Irma sich jedoch anschickte, Florida heimzusuchen, stand der Index bei minus 16 Prozent. Viele Bonds sollen auch jetzt noch unter dem Nennwert stehen. Darum, und da jetzt die ruhige Wettersaison ansteht, ist die Verkaufsbereitschaft gering. 

Bei manchen Bonds kam es 2017 auch zu Hair Cuts, weil diese ­mehrere Risiken auf aggregierter Basis absichern. Diese „Aggregate-Excess-of-Loss-Reinsurance“-Anleihen konnten ihren Nennwert gegen­über den Hurrikans noch knapp verteidigen, die anschließenden Waldbrände waren dann aber ein Schaden zu viel. „Diese Bonds sind mehreren Risiken ausgesetzt, die summarisch betrachtet werden und daher schwieriger zu bewerten sind, bieten dafür aber eine höhere Prämie“, erklärt Henning Ludolphs, Managing Director Retrocessions & Capital Markets, Hannover Rück. „Um die Diversifikations­vorteile des ILS-Marktes zu nutzen, ist es sinnvoller, in – soweit verfügbar – mehrere Bonds zu investieren, die separate Risiken abbilden.“ 

 
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