Immobilien
06.04.2018

Wo aus Beton Gold wird

Großprojekt Maintor (Bild: GEG)

Institutionelle Investoren reißen sich um attraktive Immobilien mit langfristig planbaren Cashflows. Vergessen ist die Finanzkrise. Heute fließen Milliarden in neue Gebäude, die just in der Krise projektiert und zum Teil unter Finanzierungsnöten errichtet wurden.

In der Innenstadt von Frankfurt am Main, rund um die Flaniermeile Freßgass‘, haben sich in den vergangenen Jahren Stadtplaner, Architekten und die unterschiedlichsten Handwerker ausgetobt und den Herstellern von Glas, Stahl, Beton und Hochleistungsaufzügen gigantische Umsätze beschert.

Nur wenige Fußminuten von dem Straßenzug aus Kalbächer Gasse und Große Bockenheimer Straße entfernt prägt seit 2010 der Opernturm – ein ansehnliches Hochhaus mit 170 Metern Höhe und 42 Stockwerken – die urbane Landschaft. Das Gebäude liegt in den Händen der Government of Singapore Investment Corporation und einem institutionellen Fonds und fungiert unter anderem als Hauptquartier der Schweizer Bank UBS.

Von der zugegebenermaßen etwas zugigen Dachterrasse und dem Besprechungsraum im obersten Stockwerk, der aufgrund seiner Lage mehr ist als ein Ort, an dem man sich bespricht, sondern mit dem man zeigt, dass man es als Unternehmen ganz nach oben geschafft hat, kann man einen spektakulären Blick auf Frankfurt genießen. Die Aussicht erfasst so markante Objekte wie die nahegelegene und namensgebende Alte Oper und die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft 2016 auf altem Grund neu errichtete Luxusherberge Sofitel.

Und sie erstreckt sich auf zahlreiche weitere Neubauten entlang der Skyline: Dazu gehört seit dem Jahr 2011 der kolossale „Tower 185“. Der 200 Meter hohe Hauptsitz von PWC in Deutschland im Stadtteil Gallus ist zusammen mit dem schon etwas in die Jahre gekommenen, weil um die Jahrtausendwende entstandenen Main-Tower das vierthöchste Gebäude auf deutschem Boden. Die Bezeichnung „Tower 185“ stammt aus einer frühen Planungsphase und bezog sich auf die Höhe von 185 Metern, die zunächst für das Hochhaus vorgesehen war.

Die gigantischen Ausmaße eines solches Bauvorhabens geben ein Indiz, wie riskant eine Projektentwicklung wie diese sein kann: Als die Bauarbeiten im August 2008 begannen, raste die „Great Financial Crisis“ mit der Insolvenz von Lehman Brothers gerade einem ihrer Höhepunkte entgegen. Inzwischen herrscht aber wieder eitel Sonnenschein am Main: Ende 2017 erwarb die Deka Immobilien GmbH das Bürohaus. Das Transaktionsvolumen bezifferte der Immobilienentwickler und frühere Miteigentümer CA Immo mit 775 Millionen Euro. 

Edles Pflaster 

Apropos Sonnenschein: In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise kam 2009 auch der „Nextower“ auf den Markt für Büroimmobilien. Der 136 Meter hohe Prachtbau ist Bestandteil des Gebäudeensembles „Palaisquartier“ und ebenso wie das angrenzende Jumeirah Hotel vis-a-vis von der Freßgass‘ zu erreichen. Mit einer Höhe von 99,1 Metern rangiert das Hotel derzeit auf Platz 32 unter den Frankfurter Hochhäusern.

Doch die Vielfalt neuer Wohn-, Hotel- und Bürotürme in der Frankfurter Innenstadt ist damit noch längst nicht erschöpft. Derzeit befinden sich in der Mainmetropole nicht weniger als acht Hochhäuser im Bau. Darunter der „Winx“ getaufte Hochhaus-Projekt der Unternehmerin Susanne Klatten auf dem ehemaligen Grundstück der Degussa am Mainufer zwischen Innenstadt und Altstadt, das noch in diesem Jahr eröffnet werden soll.

Und der Bauboom in der deutschen Finanzhauptstadt setzt sich in unverminderter Geschwindigkeit fort, wie beispielsweise das Projekt „Four Frankfurt“ zeigt: Bis 2023 entstehen in unmittelbarer Nähe zur Freßgass‘ zwischen Großer Gallusstraße, Junghofstraße und Neue Schlesingergasse vier neue Hochhäuser mit mehr als 600 Wohnungen, zwei Hotels, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten.

Fast möchte man das Wort „spektakulär“ in den Mund nehmen, angesichts dessen, was da mitten im Zentrum aus dem Boden gestampft wird. Nur: Für Frankfurter Verhältnisse und mit Blick auf das Quartier rund um das „Winx“-Hochhaus ist auch dieses Projekt fast schon etwas ganz Normales für Mainhattan.

Das Besondere an „Four Frankfurt“: Mehr als 45 Jahre war das Areal nicht öffentlich zugänglich. Mit der Projektentwicklung öffnet sich nun dieser geschlossene Straßenblock und soll die Innenstadt „neu verbinden“, wie das zuständige Planungsbüro Groß & Partner berichtet, das auch für den architektonisch ansprechenden Westhafenpier in Frankfurt oder das vor den Toren Frankfurts gelegene Bürogebäude der Deutschen Börse („The Cube“) verantwortlich zeichnet. 

 
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