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05.12.2016

Zentralbanken mögen Aktien

Über die mit dem Verfehlen ihres Inflationsziels immer größer ­werdenden Frust-Shopping-Attacken der EZB auf den Anleihen­märkten ist so viel geschrieben wie gerätselt worden. Ungewissheit herrscht auch darüber, was die EZB wohl als nächstes kaufen könnte. Ein Blick in den Weltspiegel beflügelt die Fantasie.

Dass die Dividende der neue Zins sei, ist öfters zu lesen. So ­denken aber auch einige Zentralbanken, von denen man eigentlich annimmt, dass sie sich auf Staatsanleihen, Pfandbriefe und Gold ­konzentrieren. Ein Blick in den Geschäftsbericht der Schweizer ­Nationalbank (SNB) zeigt, dass in Zürich Aktien ein fester Bestandteil des Portfolios sind. Abgeleitet wird diese Allokation einmal davon, dass die helvetische Zentralbank einen wesentlichen Teil ihrer ­Währungsreserven in hochliquiden ausländischen Staatsanleihen ­anlegt, da die Sicherstellung des geld- und währungspolitischen Handlungsspielraums ein hohes Maß an Liquidität der Anlagen ­erfordert. Zum anderen besteht aber als eine Art Benchmark, dass nämlich die Rendite den langfristigen Aufwertungstrend des Frankens kompensieren muss, da alle Anlagen in Franken bewertet werden. Den Konflikt zwischen Liquiditäts- und Renditeziel versucht die SNB mit anderen Asset-Klassen zu lösen. „Mit ihrem Ansatz, einen Teil der Währungsreserven breit gestreut in Aktien und Unternehmensanleihen zu investieren, kann die Nationalbank den positiven Rendite­beitrag dieser Anlageklassen nutzen. Gleichzeitig behält sie die Flexibilität, um ihre Geld- und Anlagepolitik an geänderte Bedürfnisse ­anzupassen“, teilt die SNB schriftlich mit. Im Jahr 2015 wurden auch darum zwei neue Anlageklassen eingeführt: Aktien aus Schwellen­ländern und in Renminbi denominierte chinesische Staatsanleihen. Laut der FAZ hielt die SNB Mitte 2016 Aktien im Wert von rund 120 Milliarden Franken. Das entsprach einem Fünftel der gesamten­ ­Devisenreserven. Nach den Angaben im Geschäftsbericht ist die ­Nationalbank breit diversifiziert an rund 6.700 Unternehmen beteiligt, von denen die meisten ihren Sitz in Industrieländern haben. ­Etwa 800 Beteiligungen hält sie in Schwellenländern.

Umgesetzt werden die Aktieninvestments, deren Quote seit 2010 von elf auf 18 Prozent stieg, über eine Kombination bestehender Markt­indizes. So sollen politische Überlegungen außen vor bleiben und der Einfluss auf einzelne Märkte möglichst gering gehalten werden. Politische Erwägungen hat auch, dass man auf Investitionen in Aktien internationaler mittel- und großkapitalisierter Banken sowie bankähnlicher Institute verzichtet, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden. Zudem besetzt die Nationalbank das Thema Nachhaltigkeit mit Ausschlüssen von Aktien von Unternehmen, die inter­national geächtete Waffen produzieren, grundlegende ­Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen. Zudem übte die Nationalbank, so berichtet die SNB über sich in der dritten Person, „über einen Stimmrechtsvertreter erstmals ihre mit den Aktienanlagen verbundenen Stimmrechte an Aktionärs­versammlungen aus. Dabei beschränkte sie sich auf Aspekte der ­guten Unternehmensführung.“ Wie wichtig Governance-Aspekte sind, weiß die Schweizer Nationalbank aus ihrer eigenen Geschichte. Schließlich hat man mit Philipp Hildebrand einen SNB-Präsidenten verloren, da dessen damalige Gemahlin Kashya 504.000 US-Dollar über sein Konto gegen Schweizer Franken tauschte – ­verdächtigerweise im Vorfeld der Festlegung des damaligen Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken pro Euro.

Ganz überraschend ist die Aktienaffinität der Schweizer Zentralbank nicht, wenn man bedenkt, dass diese selbst, wie auch die ­belgische Nationalbank, an der Börse gelistet ist. Wer an der ­Anlagestrategie beispielsweise partizipiert, ist der Deutsche Professor Dr. Theo Siegert, ein ehemaliger Haniel-Manager, der mit einem ­Anteil von 6,6 Prozent nach dem Kanton Bern der zweitgrößte SNB-Aktionär ist.

 
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