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Ausgabe 10/2017

Die Anlage der Betriebsrenten-Milliarden

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Investoren
13.02.2017

Zur Rolle des Staates

Dr. Walter Botermann, Alte Leipziger Hallesche

Marcus Burkert, Feri

Der Staat hat verschiedene Rollen. Er muss Investoren Regeln setzen und im Fall der Fälle Retter der Anspruchsberechtigten sein. Vor allem­ muss der Staat aber für Verlässlichkeit sorgen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es auch in Deutschland schon zu nachträglichen Änderungen gekommen ist.

Timing ist nicht nur für Investoren eine schwierige Übung, sondern auch für den Regulierer. Nachdem die Aktienquote von Lebensver­sicherungen im Jahr 2000 auf über 25 (in Worten: fünfundzwanzig) Prozent angestiegen war, gab die Aufsicht dem Drängen ihrer Schutzbefohlenen nach und erhöhte 2002 in der Anlageverordnung die ­Risikokapitalquote von 30 auf 35 Prozent. Damals waren Lebensver­sicherer offensichtlich optimistisch, Nettoverzinsungen von über sieben Prozent ausweisen zu können. Das Ende ist bekannt. Die Mannheimer Leben musste von Protektor aufgefangen werden und einige andere Versicherungen leiden heute noch an ihrem Aktien­abenteuer. Seit damals tut sich die Bafin mit Quotenerhöhungen schwer.

Im Nachhinein wäre eine antizyklische Kürzung der Risikokapitalquote die weisere Entscheidung gewesen. Darum jedoch einer staat­lichen Einrichtung die Existenzberechtigung als Regulator und Aufsicht abzusprechen und zu fordern, besser die freien Marktkräfte walten­ zu lassen, wäre falsch. Schließlich halten laut dem Gesamt­verband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Lebensver­sicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds Ende 2015 91 Millionen Verträge, in denen die Ersparnisse von Schutz verdienenden Endkunden verwaltet werden. „Lebens­versicherungen brauchen Aufsicht. Schließlich haben wir einen sozialpolitischen Auftrag“, ­sagte auch der Vorstandsvorsitzende des Alte-Leipziger-Hallesche-Konzerns, Dr. Walter Botermann, auf einer Veranstaltung von Faros ­Consulting Ende 2016. Vater Staat hat also das Recht – oder sogar die Pflicht – sich einzumischen.

Man kann bezüglich der staatlichen Fürsorgepflicht aber auch ganz pragmatisch argumentieren: Entweder setzt der Staat heute den richtigen Rahmen für die Altersvorsorge oder er muss sich morgen um die Altersarmut-Problematik kümmern. Bleibt es beim jetzigen Rahmen, wird der Staat in den kommenden Jahren auf einem anderen Weg seiner Fürsorgepflicht nachkommen müssen. „Dann wird dem Staat das Problem auf die Füße fallen, wenn Versorgungsträger Schwierigkeiten mit der Erfüllung der Zinsansprüche bekommen, und die Arbeitgeber, also auch der Staat, speziell bei kommunalen Versorgungsträgern einspringen müssen“, erwartet Marcus Burkert, Geschäftsführer bei Feri.

Zu wenig Risiko ist ein Risiko


Das wird der Staat jedoch auch müssen, wenn er an den bestehenden Quoten festhält. Denn die in der Anlageverordnung aufgeführten Quoten erschweren mehr und mehr das Erreichen der seit der Jahrtausendwende bereits stark geschrumpften Renditeziele. Statt die ­Risiken im Zaum zu halten, wäre heute eine Erhöhung erfolgversprechender – auch weil Aktienbewertungen vergleichsweise gemäßigt ausfallen. „Die Direktbestände sind von einst 50 bis 70 auf heute 30 bis 40 Prozent gesunken. Wie stark kann dieser Bestand abschmelzen, ohne dann gegen die Anlageverordnung zu stoßen?“, formuliert Marcus Burkert eine eher rhetorische Frage. Der Veränderungsdruck steigt mit jedem Monat, in dem der einst risikolose Zins ein zinsloses Risiko darstellt.

Ins Bild passt, dass sich die Überlegungen zur ­Nutzung der Öffnungsklauseln der Anlageverordnung mehren. Grundsätzlich birgt es Risiken, auf renditeträchtigere Zinsträger auszuweichen: Seit „Kärnten“ beziehungsweise der dort erfolgten Abwicklung der Hypo Alpe Adria misstraue man Nachrängen, seit der Finanzkrise Verbriefungen und seit der ein oder anderen Kündigung Bankanleihen mit Callable-Option. Manche Kapitalsammelstellen ­haben ihre Aktienquote erhöht, stoßen aber nun aufgrund der ebenfalls getätigten Investments in High Yields, Schwellenländeranleihen und Private Equity an die Risikokapitalquote von 35 Prozent. Burkert merkt an: „Man versucht auszureizen, was erlaubt ist. Es reicht aber nicht mehr. Der jetzige Rahmen passt nicht mehr zur Zinslandschaft. Darum ist es eine gute Überlegung, die jetzigen Grenzen der Anlageverordnung flexibler zu gestalten.“

 
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