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Ausgabe 7/2016

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Alternative Anlagen

11.02.2014

Infrastrukturinvestoren suchen den Dialog mit der Politik

Deutsche Anleger reagieren auf neue Themen in der Regel eher ­abwartend. Umso erstaunlicher, wie schnell und zügig Investments in der Asset-Klasse „Infrastruktur“, der ein hohes Maß an Illiquidität eigen ist, aufgebaut wurden.

Der Grund ist, dass die Struktur der Renditen nahezu perfekt zu den Verbindlichkeiten passt und das ­Vertrauen in den Gesetzgeber hoch ist. Letzteres wurde 2013 durch einen unausgereiften EEG-Reformvorschlag des ­damaligen Bundesumweltministers aber erschüttert. Diese ­verschiedenen Aspekte ­spiegelt eine aktuelle Umfrage zu Infrastrukturinvestments unter deutschen Investoren wider. Insbesondere zeigt diese auf, wie wichtig das Vertrauen in den regulatorischen Rahmen ist, dass es aber am Dialog mit dem Gesetzgeber hapert – obwohl Infrastrukturinvestments ­helfen, Renten und Lebensversicherungen zu finanzieren. 

Was ist das: Loch an Loch und hält doch? Eine Kette! Dieses ­Kinderrätsel an Autofahrer adressiert lautet: Schlagloch an Schlagloch und muss halten? Eine deutsche Straße! Auf jährlich mindestens ­sieben Milliarden Euro beziffert die von der Verkehrsministerkon­ferenz eingesetzte Kommission „Zukunft der Verkehrsinfrastruktur­finanzierung“ den über die im ­Bundeshaushalt vorgesehenen Mittel für die Verkehrswege hinaus­gehenden benötigten Finanzierungs­bedarf für die Erhaltung von ­Straßen, Schienen und Wasserstraßen. Einiges liegt also im Argen. Vergleichbar problematisch ist ­aufgrund von fehlenden rentierlichen Anlagemöglichkeiten die Finanzierungssituation für Pensionen und Lebensversicherungen. Betrachtet man die beiden Dilemmata einmal gemeinsam, wird eine Lösung greifbar: institutionellen Anlegern die nötigen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen zu geben, in Verkehrs­infrastruktur zu investieren. Ein solches Vorgehen ließe sich auch auf andere Infrastruktursegmente übertragen, die ebenfalls unter ­großem Finanzierungsdruck stehen. Hierbei ist aus dem deutschen Blick­winkel betrachtet an die beschlossene Energiewende, aber auch an ­soziale Infrastruktur zu denken.

Auf die Umfrage antworteten 1,3 Billionen Euro
Diese Problematik greift die Studie „Öffentliche Aufgaben und private Investitionen“ auf. Diese Studie unterscheidet sich von anderen Infrastrukturstudien vor allem in dem Punkt, Anlagenotstand und Finanzierungs­notstand zusammengebracht zu haben. Durchgeführt wurde die Umfrage unter deutschen institutionellen Anlegern vom Berater Palladio Partners, der dabei von Prof. Dr. Stefan Jugel von der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden und portfolio institutionell unterstützt wurde. An dieser als Vollerhebung angelegten und im Herbst vergangenen Jahres durchgeführten Studie beteiligten sich 70 Prozent des Gesamtkapitals­ der deutschen institutionellen Anleger beziehungsweise 1,3 Billionen Euro. Zu 40 Prozent trugen Versicherungsunternehmen zur Studie bei, zu 35 Prozent ­betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen, zu 14 Prozent die Gruppe „Berufsständisches Versorgungswerk/Unterstützungskasse/Zusatzversorgungskasse“ und zu elf Prozent die Gruppe „Sonstige“. ­Stefan Jugel konstatiert mit Blick auf die hohe Rücklaufquote und die detaillierte Auskunftsbereitschaft von 105 Anlegern: „Wir können daraus schließen, dass Investoren dieses Thema unter den Nägeln brennt.“

Infrastruktur ist und bleibt sehr attraktiv
Wie die Studie ergeben hat, haben sich Infrastrukturinvestments zu einem festen Bestandteil der Vermögensanlage deutscher institutio­neller Anleger gemausert. 87 Prozent der Befragten sind mit einem Volumen von 9,4 Milliarden Euro investiert. Fast zwei Drittel halten Infrastruktur für „attraktiv“ oder „hoch attraktiv“. Dieses Ergebnis ist weniger mit der absoluten Höhe der durchschnittlich angestrebten Nettorendite von 6,5 Prozent zu erklären als mit der Erwartung, dass diese langfristig, planbar und stetig erfolgt und sich damit zur Bedeck­ung der Verbindlichkeiten eignet. In ­Zahlen ausgedrückt: Eine Renditemaximierung halten nur zwölf Prozent der Studienteilnehmer für „wichtig“, dagegen sind für 94 Prozent ­„Renditen, die den Rechnungs­zins übersteigen“ und für 85 Prozent der „langfristig zur Verpflichtungsseite passende Anlagehorizont“ „wichtig“ bis „sehr wichtig“.

Wenig überraschend bilden Erneuerbare Energien, aber auch ­Netze die beiden großen Schwerpunkte, und Deutschland ist die ­präferierte Region für Investments. Der Zugang erfolgte bislang ­meistens über (Eigenkapital-)Fonds. Überraschend ist aber, dass ­bereits 27 Prozent des Investitionsvolumens direkt in Projekte geflossen sind. Als eine mögliche Erklärung führt Palladio die Präferenz der institutionellen Anleger für Erneuerbare Energien und Netze in Deutschland an. Mindestens genauso überraschend ist, dass Direkt­investments in der Kategorie „hoch attraktiv“ mit 19 ­Prozent die meisten Nennungen bei den Fondszugängen bekommmt. Gewichtet man diese Aussage nach dem Kapital der Antwortenden, ergibt sich interessanterweise mit 24 Prozent ein Wert, der nur wenig höher liegt. In ausgewählten Projekten trauen es sich deutsche Anleger ­offensichtlich zu, die nötige Expertise selbst aufzubringen, und es haben sich auch kleinere Anleger trotz zum Teil geringeren Ressourcen bei ­Einzelthemen einen Erfahrungsschatz aufgebaut. „Dieses ­Ergebnis zeigt aber auch, dass die Investoren individuell abgeholt werden ­wollen“, ergänzt ­Michael Rieder von Palladio. Zu erwarten ist, dass die Bedeutung von Directs aus Kostengründen künftig wächst. Der ­wichtigste Zugangsweg wird jedoch auch in Zukunft der ­Zugang über Fonds sein, die Eigenkapital einsammeln. Bei Dachfonds fällt auf, dass niemand dieses Vehikel als „hoch attraktiv“ bezeichnet.

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