Pension Management
25. April 2012

Oppenheim rät von Neuengagements in Bundesanleihen ab

Das Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. hält an einer bewährten Tradition fest. Auch unter der Ägide der neuen Konzernmutter Deutsche Bank veranstaltet die „unabhängige Privatbank“ ihre alljährliche Investmentkonferenz für institutionelle Anleger. Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf den Emerging Markets.

Wilhelm von Haller rief – und viele kamen am 19. und 20. April nach Köln. Im Rahmen der 40. Investmentkonferenz begrüßte der Sal. Oppenheim-Vorstandschef die Vertreter von Versicherungen, Versorgungswerken und anderer institutioneller Häuser. Das Motto in diesem Jahr: „Konsequenzen aus der Schuldenkrise“. In seiner Begrüßungsansprache ließ von Haller es sich nicht nehmen, auf die aktuelle Situation bei Sal. Oppenheim einzugehen. Das Bankhaus fahre nach der Trennung vom Investment Banking als „unabhängige Privatbank“ weiter, wie von Haller betonte.  Nach der Übernahme durch die Deutsche Bank (2010) sei Sal. Oppenheim ein „lebender Organismus“, der auch wieder Mitarbeiter einstelle.
Das im Jahre 1789 gegründete Bankhaus bleibt nach der bedrohlichen Unternehmenskrise ein Anziehungspunkt für institutionelle Investoren und hochkarätige Referenten. Gleichwohl muss man der Veranstaltung attestieren, nicht nur viele brennende Fragen beantwortet, sondern auch neue aufgeworfen zu haben. Während Dr. Heinz Dürr, Vorsitzender des Aufsichtsrates des gleichnamigen Automobilzulieferers und Vorstandsmitglied im Institut für den öffentlichen Sektor, die Bundesregierung im Vortrag „Runter vom Schuldenberg“ aufforderte, die öffentlichen Haushalte schleunigst zu entschulden, sprach sich Referent Barry Eichengreen von der University of California dafür aus, die Eurozone durch Wachstumsimpulse zu beleben. Sein Vorschlag: Nordeuropäische Staaten mit fiskalpolitischem Spielraum sollten diesen auch nutzen. Und auch die EZB solle mehr tun, um das Wirtschaftswachstum zu forcieren. Ohne Wachstum funktioniert die fiskalische Konsolidierung nicht, so Eichengreen. Mit Blick auf China sagte der Universitätsprofessor: „Dort ist die Story glücklicher“. Die Politiker seien auf einem guten Weg, den Yuan als die Hauptwährung in Asien zu etablieren.
Wie Eichengreen ausführte, sei die Volksrepublik aus Sicht ausländischer Anleger längst nicht frei von Hindernissen. So sei der Finanzmarkt weiterhin unterentwickelt. Die Marktkapitalisierung des Anleihemarktes betrage lediglich ein Zehntel des US-Anleihemarktes. Außerdem seien die Anleihemärkte illiquide; nicht zuletzt weil Banken und Kreditgenossenschaften im Reich der Mitte die Anleihen meist bis zu deren Tilgung in Händen hielten. Außerdem bestünden weiter Zweifel über die Sicherheit ausländischer Investments. Und mit Blick auf die kommenden fünf Jahre rechnet der Wirtschaftswissenschaftler mit einer signifikanten Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China.
Risiken und Nebenwirkungen von Schwellenländern
Michael Power vom Asset Manager Investec ging in seinem Vortrag anschaulich auf die Jagd institutioneller Investoren nach lukrativen Investments ein. Im Hinblick auf die wachstumsschwachen Industrieländer sagte er: „Es gibt zu viel Cash und zu wenig Weideland“. Disziplinierte Investoren sollten daher nach „grünen Weiden“ suchen, die der Investmentstratege fernab der angestammten Nationen geortet hat. Denn der „künstliche Regen“ der US-Notenbank in Form von Quantitative Easing habe zu „künstlichem Wachstum und insbesondere zu künstlichen Gewinnmargen“ geführt, die nicht nachhaltig seien. Unter den hochindustrialisierten Regionen seien hauptsächlich noch Deutschland, Skandinavien sowie Kanada und Australien interessant. Abseits davon seien Emerging Market Debt, Emerging Market Credit, die Bric-Staaten und Asien einen Blick wert. Auf die Frage, wie man als Investor mit dem politischen Risiko in Schwellenländern umzugehen habe, Stichwort Argentinien und die jüngste Teilverstaatlichung des Ölkonzerns YPF, antwortete Power kurz: durch Diversifikation. Mit Blick auf die boomende Wirtschaft in China rät der Stratege zu indirekten Investments, etwa in australische Unternehmen, die von der positiven Entwicklung im Riesenreich profitierten.
Kauf von Bundesanleihen nicht empfehlenswert
Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war der Vortrag von Dr. Wolfgang Leoni, Vorstandsmitglied von Sal. Oppenheim, der sich der Investmentstrategie des Hauses widmete. In einem Basisszenario geht man bei Sal. Oppenheim davon aus, dass die Entschuldungspolitik in Euroland vorangetrieben und von der EZB begleitet wird. Auch wenn man weiterhin von einer gewissen Umsetzungsunsicherheit rechnen müsse, sieht Sal. Oppenheim insgesamt ein volatiles, aber für risikoreiche Anlagen positives Kapitalmarktumfeld mit nur milder Rezession. Fundamentale Daten signalisierten heute einen leichten Renditeanstieg am langen Ende der Zinsstrukturkurve, so Leoni. Daher sei eine niedrige bis leicht negative Performance bei Bundesanleihen zu erwarten. Von Neuengagements rät er deshalb ab. Wie Leoni ausführte, führe bereits ein moderater Renditeanstieg um 50 Basispunkte über alle Laufzeitenbereiche (von einem Jahr bis zu zehn Jahren) zu einem negativen Total Return. Denn die Kursverluste würden durch die zeitanteilig anfallenden Kupons nicht vollständig gedeckt. Sollte die EZB ihre Stützungsmaßnahmen fortsetzen, dürfte sich die Spread-Einengung fortsetzen, erklärte Leoni, was wiederum für italienische Bonds spräche. Gleichwohl rät man bei Sal. Oppenheim zu Anleihen so genannter „High-Quality Developed Markets“, zu denen derzeit insbesondere Skandinavien, Australien und die Schweiz zählten. Insgesamt seien die Anleihemärkte der Emerging Markets solider als die der Industrieländer, was Leoni mit der jüngsten Ratinghistorie untermauerte.
portfolio institutionell newsflash 25.04.2012/tbü
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