Strategien
16. Dezember 2015

Performance geht vor Struktur

Die Anlageaktivitäten in Spezialfonds sind verhaltener geworden. Dies zeigt eine neue Studie von Kommalpha. Als Land verliert Deutschland an Bedeutung. Das Allokationsbild verändert sich.

Leistung und Fachkompetenz: Diese beiden Kriterien sind entscheidend, wenn Asset Manager von institutionellen Investoren ausgewählt werden. Doch auch eine Reihe „weicher“ Faktoren spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entscheidungsfindung. Dies ist eine Erkenntnis der neuen Kommalpha-Spezialfondsstudie, für die im Hebst dieses Jahres begleitend 95 institutionelle Anleger, darunter Versicherungen, Altersvorsorgeeinrichtungen und Depot-A-Manager, online befragt wurden. Mit über 80 Prozent stehen die Kriterien „kontinuierliche Performance“ und „fachliche Kompetenz“ genau wie in der Vorgängerstudie von 2014 unangefochten an erster Stelle bei der Auswahl von Asset Managern. Deutlich an Bedeutung gewonnen gegenüber dem Vorjahr haben die beiden Faktoren „Kundenorientierung“ und „Innovationskraft“ mit über 60 beziehungsweise 35 Prozent. Sie liegen im entsprechenden Ranking auf Platz drei und sechs. Auf den Plätzen vier und fünf finden sich die Aspekte „Kommunikation“ und „Preis-Leistungs-Verhältnis“, die allerdings gegenüber 2014 an Bedeutung eingebüßt haben. 
Dividende ersetzt Zins
Verändert hat sich gegenüber der Vorgängerstudie auch das Allokationsbild der institutionellen Investoren. Insbesondere der Rentenanteil sinkt und unterschreitet jetzt in 60 Prozent aller Fälle die 75-Prozentmarke. Der Leiter Portfoliomanagement einer mittelständischen, regionalen Versicherung sagte in einem der 15 Begleitinterviews: „Wir sehen spezielle Investments, wie Wandelanleihen, aber auch Dividendenstrategien auf internationale Aktien als neue Quellen regelmäßigen Cashflows in unseren Portfolien.“ Der Finanzchef einer Großstiftung ergänzte dies mit dem Hinweis, dass die Dividende den Zins ersetzt. Die Identifizierung von Performance-Treibern steht heute eher im Fokus als die Struktur.
Die erste Wahl beim Vehikel ist nach wie vor der deutsche Spezialfonds. Bei gut zwei Drittel der 95 befragten Investoren machen Spezialfonds bis 75 Prozent ihres Anlagevolumens aus. In den nächsten zwölf Monaten plant die Hälfte, neue Spezialfonds aufzulegen. Im Vergleich zum Vorjahr muss jedoch konstatiert werden, dass die Anlageaktivität etwas verhaltener ist. In der Vorgängerstudie planten zwei Drittel der Befragten die Auflage neuer Spezialfonds. Im Blickpunkt standen damals wie heute alternative Investments, vornehmlich Private Equity und Infrastruktur, und Immobilien. Das überrascht, da für Alternatives die Luxemburger Vehikel allein mit Blick auf die steuerlichen Gegebenheiten passender erscheinen. „Unsere Studie bildet den breiten Mittelstand ab. Dort sind Luxemburger Vehikel noch nicht so etabliert. Der Spezialfonds ist das Vehikel der Wahl“, erläuterte Clemens Schuerhoff, Vorstand von Kommalpha. Dass der deutsche Spezialfonds beliebt ist, zeigt auch die Analyse von Kommalpha zum deutschen Spezialfondsmarkt, für die alle verfügbaren Daten der Deutschen Bundesbank per August 2015 ausgewertet wurden. Demnach scheint 2015 ein neues Rekordjahr zu werden. Gut 77,5 Milliarden Euro Nettomittelaufkommen waren Ende August zu verzeichnen. Die Mittelzuflüsse beliefen sich auf 152,2 Milliarden Euro. Dass die frischen Gelder grob betrachtet mindestens doppelt so hoch waren wie die Nettomittelaufkommen, dokumentiere die rege Mandatsaktivität der institutionellen Investoren. 
Ungeachtet der stärkeren Zurückhaltung in puncto Auflage neuer Spezialfonds wird 2015 wohl wieder ein neues Rekordjahr für den Spezialfondsmarkt. Dies zeigt die entsprechende Analyse von Kommalpha, für die alle verfügbaren Daten der Deutschen Bundesbank ausgewertet wurden. Nachdem 2014 ein neuer Rekord aufgestellt wurde, bahnt sich dieses Jahr – auf Basis der Zahlen per August 2015 – wieder ein neuer Rekord an. Gut 77,5 Milliarden Euro waren Ende August zu verzeichnen. Die Mittelzuflüsse belaufen sich auf 152,2 Milliarden Euro. Bemerkenswert findet Kommalpha in diesem Zusammenhang, dass die frischen Gelder grob betrachtet mindesten doppelt so hoch waren wie die Nettomittelaufkommen. „Dies dokumentiert die rege Mandatsaktivität der institutionellen Investoren, da Nettomittelaufkommen Anteilscheingeschäfte im Vergleich zu Mittelzuflüssen berücksichtigen und somit eine rege Aktivität auf dieser Basis zu verzeichnen ist“, schreiben die Studienautoren. Gemischte Wertpapierfonds dominieren mit rund 714 Milliarden Euro – gut 55 Prozent – den Spezialfondsmarkt, gefolgt von Rentenfonds mit rund 320 Milliarden Euro und Aktienfonds mit rund 83 Milliarden Euro. Auf Dachfonds und Immobilienfonds entfallen rund 73 beziehungsweise 60 Milliarden Euro. Mit Blick auf die Anteilinhaber lässt sich feststellen, dass Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen das Spezialfondsgeschäft dominieren. Sei vereinen rund 60 Prozent des Marktes auf sich. Danach folgen Corporates und das Depot-A-Geschäft der Banken mit je rund elf Prozent. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Banken nach wie vor mit Abstand die höchste Anzahl an Spezialfonds halten, 1.018 per August 2015. Zum Vergleich: Versicherungen haben mit 566 nur knapp die Hälfte an Spezialfonds mandatiert. 
Deutschland büßt ein
In ihrer Studie hat Kommalpha in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Zusammensetzung des Spezialfondsvermögens nach Ländern und Ländergruppen gelegt. Dabei zeigt sich, dass rund 66 Prozent der Spezialfondsvolumina in Euro denominiert sind. Ein genauerer Blick auf die Länder zeigt: 26 Prozent aller Spezialfondsanlagen sind in Wertpapiere aus Deutschland angelegt. Es folgen Frankreich, Luxemburg und die Niederlande. Insgesamt vereinen diese vier Länder die Hälfte aller Kapitalanlagen von Spezialfonds auf sich. Die USA kommen auf einen Anteil von rund zehn Prozent und haben damit dasselbe Gewicht wie Frankreich. „Die subjektive Wahrnehmung war, dass das Spezialfondsgeschäft über die letzten 15 Jahre von einem ‚home bias‘ geprägt gewesen schien und Währungsrisiken eher vermieden wurden. Niedrige Zinsen im Euroraum, Währungs-Overlay und Globalisierung des Asset Managements haben jedoch zu diesem bemerkenswerten Ergebnis geführt, dass der Euro ‚nur‘ für zwei Drittel der Kapitalanalgen steht“, heißt es in der Studie. 
Dass Deutschland – obwohl es nach wie vor das dominierende Land in den Spezialfondsanlagen ist –an Bedeutung eingebüßt hat, bestätigt sich bei einem Blick in die verschiedenen Asset-Klassen. Schuldverschreibungen und festverzinslichen Wertpapieren stellen mit 744 Milliarden Euro die größte Asset-Klasse im Spezialfondsgeschäft dar (fast 64 Prozent). Noch dominiert Deutschland, allerdings nimmt der Anteil seit September 2009 konstant ab. Damals waren es 27,4 Prozent, inzwischen nur noch 15,7 Prozent. Fast analog dazu ist der Anteil der übrigen Länder, die nicht zum Euroraum gehören, von 14,9 auf 28,9 Prozent gestiegen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Anleihen der öffentlichen Hand, die insgesamt rund 254 Milliarden Euro des Spezialfondsgeschäfts umfassen. Der Anteil deutscher Staatsanleihen fiel von 36,1 auf 23,8 Prozent. Analog stieg der Anteil von Staatsanleihen aus übrigen Ländern, wie den USA und Schwellenländern, von 6,6 auf 22,8 Prozent. „Hier verdeutlicht sich die klare Verschiebung von immer geringer verzinsten Papieren guter Bonität zu vergleichsweise überwiegend chancenorientierten Bonitäten, die aber eben mehr Ertrag abwerfen“, merkt Kommalpha an. Auch bei der Betrachtung des Aktienanteils von Spezialfondsvermögen zeigt sich eine regionale Verschiebung innerhalb der vergangenen sechs Jahre. Der Anteil an Aktien aus Ländern außerhalb des Euroraums klettere von September 2009 von 25,1 auf 40,1 Prozent im August 2015. Damit kommt inzwischen mehr als jede dritte Aktie in Spezialfonds aus einem Land außerhalb der EU. Bei den Aktien aus dem Euroraum handelt es sich überwiegend um deutsche und französische Papiere. Sie vereinen fast zwei Drittel auf sich.                     
portfolio institutionell newsflash 16.12.2015/Kerstin Bendix 
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