Versorgungswerke
15. November 2019

Plädoyers pro Langfristigkeit und Aktien

Feri und Lupus alpha kritisieren Anlageverordnung. „Zeitliche Dimension als aktiven Renditetreiber nutzen.“

Wo kommt künftig die Rendite her? Geht man die einzelnen Asset-Klassen durch, bleiben eigentlich nur Aktien als Return-Treiber übrig. Allerdings schreckt gerade bilanzsensitive Investoren die mit Aktien verbundene Volatilität ab. Um trotzdem von den Renditepotenzialen von Aktien profitieren zu können, empfehlen Feri und Lupus alpha, mit längerfristigem Horizont zu investieren.

Auf der 32. Feri Tagung plädierte Marcus Zasada, Team Head Portfolio Management bei Feri Trust, dafür, langfristig in Asset-Klassen zu investieren, die kurzfristig mehr Volatilität, langfristig jedoch mehr Ertrag bringen. „Besser ,bewusste‘ Risiken über eine höhere Aktienquote eingehen und ,unbewusste‘ Risiken aus stark überbewerteten Assets reduzieren“, so Zasada. Dafür brauche es eine längere Sichtweise, so Zasada, der als Referent auf der Tagung abschließend empfahl, „die zeitliche Dimension als aktiven Renditetreiber zu nutzen“.

Lochmüller: 20-jähriger Anlagehorizont

Dem Bad Homburger Investmenthaus zustimmen dürfte man am Frankfurter Westhafen. In einem Positionspapier betont Ralf Lochmüller, Managing Partner und CEO von Lupus alpha, dass es einer langfristig ausgerichteten Risiko-Methodik bedarf. „Die Aktienquoten bei den Versorgungseinrichtungen sind zu niedrig. Die Institute müssen befreit werden von der stichtagsbezogenen Fokussierung auf den 31.12. Statt das Vorsorgekapital auf 20 mal 1-Jahres-Zeiträume zu optimieren, sollten die Pensionsgeldanleger ihre Risikomodelle auf einen 20-jährigen Anlagehorizont ausrichten. Langfristige Simulationen und Szenarien können so zur Basis für neue Risikomodelle werden“, so Lochmüller. Zudem sei in der Bilanzierung das strenge Niederstwertprinzip zu vermeiden, um nur voraussichtlich dauerhafte Wertminderungen zu erfassen und der Langfristigkeit der Kapitalanlage Rechnung zu tragen. Konsequenterweise setzt sich Lochmüller auch dafür ein, dass Garantien in der Altersversorgung abgeschafft gehören. Ziel des Positionspapiers ist es, in Deutschland den Spielraum für die Investition von Vorsorgegeldern zu erhöhen und hierfür eine Reform der Altersvorsorge anzustoßen.

Zu diesem Spielraum zählt für Lupus alpha aber nicht nur ein längerer zeitlicher Horizont sondern auch höhere Risikokapitalquoten. Hierfür brauche es eine Anpassung der Anlageverordnung. „Wir brauchen eine spürbar höhere Risikokapital-Quote von 60 Prozent und mehr“, fordert Lochmüller. „Doch Pensionskassen und Versorgungswerke unterliegen de facto dem Versicherungsaufsichtsgesetz und damit der Anlageverordnung. Diese Verordnung muss geändert werden, denn ihre Anlagegrenzen verhindern eine chancenreiche, langfristig erfolgreiche Asset Allocation.“

Anlageverordnung schafft Optimierungsproblem

Für Feri wirkt die Anlageverordnung für Versorgungswerke ebenfalls zu limitierend. Grund sind die Quoten. Sowohl die Quote für High Yields als auch die Risikokapitalquote von 35 Prozent und die Immobilienquote sind zunehmend ausgereizt. „Auch die Öffnungsklauseln werden oft schon genutzt“, erklärt Marcus Burkert, Geschäftsführer Investment Consulting bei Feri. „Abgeleitet aus diesen Quoten ergibt sich eine Untergrenze für die renditetechnisch oftmals wenig attraktiven Anlagen im klassischen Zinsträgerbereich.“ Burkert spricht hier von einem „Optimierungsproblem“ zwischen den vier Blöcken Direktanlage, liquide Risiko-Assets (Aktien, Unternehmens- und EM-Anleihen et cetera), Immobilien und sonstigen alternativen Anlagen. „Bei jeder Neuanlage kommt es zwischen den Blöcken zu einem Verschiebebahnhof.“ Die gute Performance der Aktienmärkte hat die Bestände schneller an die Grenzen der Risikoquoten geführt. Burkert: „Bei Investments muss überlegt werden, wo das knappe Risikokapital am sinnstiftendsten eingesetzt werden kann.“

Vorsorgeeinrichtungen müssen Personal aufbauen

Aus Sicht von Lupus alpha reicht es aber nicht, Anlagespielräume bezüglich Zeit und Quoten auszudehnen. Vergrößern müssten sich auch die personellen Ressourcen. „Eine breite, globale Portfolio-Diversifikation, die auch auf Aktien und alternative Anlagen setzt, braucht Experten- Know-how“, so Lochmüller. Gefordert seien hier die Verwaltungsgremien in den Vorsorgeeinrichtungen. „Sie müssen eine Qualifizierungs- Offensive mit dem entsprechenden Personalaufbau unterstützen, als Voraussetzung für eine professionelle, diversifizierte Kapitalanlage. Dafür braucht es weitere Ressourcen und zusätzliche Stellen.“

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