Alternative Anlagen
5. Dezember 2018

Private Equity ist Risikomanagement

Nach aktuellen Studien haben institutionelle Investoren ihre Private-Equity-Allokation zuletzt erhöht. Der Appetit auf die Anlageklasse sei groß, berichten Beteiligungsexperten.

Von 108 zwischen August und September 2018 befragten Versicherungen, Pensionsfonds, Family Offices und anderen Anlegergruppen haben 95 Prozent ihre Private-Equity-Allokation im vergangenen Jahr beibehalten oder erhöht. 32 Prozent planen die Private-Equity-Quote in ihrer Anlagestrategie in den nächsten zwölf Monaten weiter zu erhöhen. „Ein starker Vertrauensbeweis für Private Equity“, stellen die Macher der Studie, der Secondary-Spezialist Montana Capital, zu Recht fest. Marco Wulff, Partner bei Montana Capital Partners, ergänzt: „Unsere Studie zeigt, wie zuversichtlich erfahrene Investoren bezüglich Private Equity als Grundbaustein ihres Investmentportfolios nach wie vor sind.“ Sorgen machen sich 70 Prozent der Investoren vor allem zu einem Punkt: dass die General Partner von Primärfonds neue Unternehmen zu hohen Ebitda-Multiples einkaufen.

Investoren wollen mehr Private Equity
Die Kollegen von Coller Capital, ebenfalls ein Secondary-Spezialist, konstatieren bei Investoren ebenfalls einen großen Appetit auf Private Equity. 41 Prozent der von Coller befragten europäischen Investoren wollen ihre Allokation ausbauen, nur neun Prozent diese abbauen. Bessere Werte erreichen unter den Alternatives allerdings die Asset-Klassen Infrastruktur und Private Debt. Weltweit ließ Coller für sein aktuelles Barometer zwischen September und Oktober 110 Investoren befragen. Michael Schad, Partner bei Coller, sieht das Zutrauen in Private Equity auch als Antwort auf kommende wirtschaftliche Herausforderungen. „Insbesondere europäische Investoren bereiten sich vor, indem sie ihre Private-Equity-Anlagen aufstocken und damit ihr Vertrauen zum Ausdruck bringen, dass sich die Beteiligungsbranche im nächsten Abschwung als widerstandsfähig erweisen wird“, erklärt Schad. Gemäß der Umfrage erwarten 70 Prozent der Investoren, dass im nächsten Abschwung mit Private Equity finanzierte Unternehmen besser performen werden als Unternehmen ohne Private-Equity-Spritze. Viele Investoren verfolgen laut der Studie im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung bereits einen von Vorsicht geprägten Ansatz: Rund die Hälfte der LPs haben ihre Anlagestrategien oder -modelle angepasst, um sicherzustellen, dass sie auch für einen Abschwung gut aufgestellt sind.

Dem Risikomanagement in Form von höherer Transparenz können aus administrativer Sicht auch Private Equity Accounts dienen. Deren Anzahl wächst laut dem Coller-Barometer, wenn auch verlangsamt, weiter. Mittlerweile nutzen 42 Prozent der Investoren ein solches Vehikel. Als hauptsächliche Gründe für Accounts nannten die Investoren Anpassungsmöglichkeiten, die Hoffnung auf geringere Fees und die Möglichkeit, bestimmte GPs höher zu dotieren. Trotz dieser Vorteile konnte allerdings nur ein Prozent eine höhere Performance bei ihrem Account feststellen.

Mit Blick auf den wirtschaftlichen Zyklus sehen viele Investoren auch einen Anpassungsbedarf in ihren Ansätzen. Ein Investor, der einen Abschwung in den kommenden ein bis zwei Jahren erwartet, sagte zu Montana: „Aktuell bevorzugen wir GPs, die in beiden Zyklen zurechtkommen und sowohl gesunde als auch distressed Deals machen können. Ein anderer Investor gibt sich überzeugt, dass beispielsweise Anbieter von Distressed- und Secondary-Fonds auch im Downturn Geld verdienen können. Risiken bestehen aber auch bezüglich der Anreizstrukturen. Diese können durch den Trend, statt in die Fonds in die Fondsanbieter zu investieren, geschwächt werden. „Wenn GP Stake Investments nicht sauber strukturiert werden, verzerrt sich das Alignment of Interests, da sich der Anreiz des GP von Performance zu Volumenzielen verschiebt“ warnt ein Vertreter eines britischen Single Family Office in der Montana-Studie. Laut dem vergangenen Coller-Barometer hat sich bereits jeder sechste LP über Spezialfonds an GP-Managementgesellschaften beteiligt – Tendenz steigend.

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