12. März 2015

Rendite und Diversifikation mit Entwicklungspolitik und Klimaschutz

Infrastruktur in den Schwellenländern hat viele Facetten. Für Kirchen und Kirchenbanken kommen noch ein paar hinzu, die bei einer Fondsauflegung entsprechend berücksichtigt werden müssen. Welche das sind und worin der Reiz von Infrastrukturfonds liegt, das erörtern Investoren in dieser Gesprächsrunde.

Im Gespräch zu einem Renewables-Emerging-Markets-Fonds mit Patrick Eisele:

Heinz Thomas Striegler; Evangelische ­Kirche in Hessen und Nassau, EKHN (Investor)
Michael Hepers; Bank für Kirche und Caritas
in Paderborn (Investor)
Joachim Fröhlich; Evangelische Bank
(Fonds­initiator, Ankerinvestor und Advisor)
Joachim Schumacher; DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (Berater)

Mit Verlaub, Herr Striegler und Herr Hepers: Kirchen und Kirchenbanken sind nicht unbedingt als Vorreiter bei neuen Asset-Klassen bekannt. Warum ist dies bei Erneuerbaren Energien in Schwellenländern anders?
Heinz Thomas Striegler: Grundsätzlich ist dies ein Thema, in dem sich ein kirch­licher Anleger wiederfinden kann. Ich nenne die Stichworte „Bewahrung der Schöpfung“, „Frieden“ und „Gerechtigkeit“. Deswegen ­haben wir auch sofort gesagt, dass wir hier dabei sein wollen.
Michael Hepers: Bei den Kapitalanlagen sind wir nicht wie eine typische Bank strukturiert. Wir sind eher Langfristinvestoren und sind somit wie andere Investoren auch auf der Suche nach Anlagealternativen zum Niedrigzinsumfeld. Infrastruktur erachten wir generell und Erneuerbare Energien ­insbesondere als interessante Lösung. Vor zwei Jahren haben wir auch eine Infrastrukturquote festgeschrieben.
Außerdem sind wir innerhalb der katholischen Kirche ein Vorreiter für Nachhaltigkeit. Wir haben schon vor zehn Jahren die komplette Bank auf Nachhaltigkeit umgestellt und 2008 den portfolio-Award „Bester Nachhaltiger Investor“ gewonnen.
Dieses Produkt ist für uns ­eine gute ­Verquickung von Infrastruktur mit dem Schwerpunkt Erneuerbare Energie und von Nachhaltigkeit. Deswegen sind wir auch ­Investor der ersten Stunde.

Wo steht der Fonds heute?
Joachim Fröhlich: Bereits ohne den Vertrieb angekurbelt zu haben, belaufen sich die Zusagen auf knapp 40 Millionen Euro. Zudem bestehen Soft-Commitments von einem Versorgungswerk, einer Versicherung und einer großen Stiftung. Nach oben hin ist das Fondsvolumen im ersten Schritt auf 150 Millionen Euro begrenzt. Das ist aus Sicht unseres ­Kooperationspartners DEG das Limit für das von uns gesuchte Chancen-­Risiko-Verhältnis, für das sich qualitativ ­hochwertige Investi­tionsprojekte finden lassen.
Die ersten drei Projektübernahmen sind bereits fix: Senior-Finanzierungen für einen Windpark in Nicaragua und ein Laufwasserkraftwerk in Peru sowie eine Mezzanine-­Finanzierung für einen Windpark in Kenia. Der Fonds wird über zwei Drittel in ­besicherte Senior-Finanzierungen gehen. Diese sollen uns einen langfristigen und stabilen Cashflow bieten. Maximal ein Drittel ist für ­Mezzanine- oder Eigenkapitalinstrumente reserviert.
Die bereits getätigten Finanzierungen verschaffen uns gleich zum Start laufende Erträge. Dank der DEG, aus deren Bestand wir die beiden Projekte übernommen haben, klappten diese Investments reibungslos.
Joachim Schumacher: Die Rolle der DEG ist es, die Evangelische Bank zu beraten und Vorhaben zur Mitfinanzierung vorzustellen. Dazu bringen wir unsere langjährige Erfahrung mit langfristigen verantwortungsvollen Finanzierungen in Entwicklungsländern ein.
Diese ersten drei Engagements aus unserem Portfolio, an denen der Fonds Unterbeteiligungen eingegangen ist, erhöhen die Sichtbarkeit der Investitionsstrategie für die Investoren. Im Jahr 2014 hat die DEG Investitionen in Höhe von 200 Millionen Euro ­getätigt, die für den Fonds infrage kommen könnten. 
 
Warum ein Windpark in Kenia?

Fröhlich: Der Lake-Turkana-Windpark ist mittlerweile ein relativ bekanntes Projekt. Dort besteht im Schnitt eine deutlich höhere Windgeschwindigkeit als in Deutschland. In das Finanzierungs-Vorzeigeprojekt der EU investieren neben der EIB und der DEG auch einige skandinavische Investmentfonds und weitere Entwicklungsbanken. Außerdem weist der Windpark, der einmal der größte Windpark südlich der Sahara sein wird, auch sehr gute technologische Komponenten auf.
Darum gehen wir dort mit der Mezza­nine-Tranche auch ein etwas höheres Risiko ein. Aber bei einem sehr hohen Kupon kann man davon ausgehen, dass die DEG nicht ­unbedingt ein Risiko loswerden wollte.

Striegler: Aus Anlegersicht ist es gut, dass wir uns an laufenden Projekten mit kleineren Anteilen beteiligen können. Letzteres ermöglicht uns eine breite Diversifizierung, was mir zur Risikostreuung wichtig ist. Aber was nutzt es der DEG, wenn wir ­Anteile von deren Anteilen nehmen? Will die DEG so auf eine größere Projektanzahl ­kommen?
Schumacher: Zwar steht in der Regel ­seitens der teilweise staatlich geförderten Entwicklungsbanken, mit denen wir viel zusammenarbeiten, durchaus Kapital zur Verfügung – es besteht aber noch ein Engpass an privatem Kapital. Dieses muss mobilisiert werden. Je mehr Partner mit uns zusammenarbeiten, desto besser decken wir den Finanzierungsbedarf unserer Kunden. Wir stellen Privaten, denen es an Erfahrung in Entwicklungsländern und Personal zur Umsetzung der Projektfinanzierung fehlt, unsere Expertise zur Verfügung. Das begreifen wir als Teil unseres Auftrags. Die DEG finanziert private Unternehmen in Entwicklungsländern seit mehr als 50 Jahren. Es braucht ­Jahre, ein Netzwerk wie das der DEG aufzubauen. Wir versuchen dabei, die ­Größen so zu kalibrieren, dass wir ein Vor­haben auch alleine stemmen könnten, falls das Investment-Komitee des Fonds eine ­Mitfinanzierung ablehnt.
Betonen möchte ich, dass die DEG keine privaten Geldgeber verdrängen möchte. Das ist nicht unser Auftrag. Vielmehr engagieren wir uns im Vorfeld, um die Sponsoren bei der Zusammenstellung der Finanzierung zu unterstützen, helfen beim Aufbau der Governance und der Bearbeitung vom Umwelt- und sozialen Themen. Es geht nicht nur um Kapital, sondern zunächst einmal darum, solche Projekte auch bankable zu machen.
Fröhlich: Die Entwicklungsbanken sind da, weil es oft keine langfristigen Finanzierungen von lokalen Banken gibt. Die Vor­arbeiten sind auch nicht zu unterschätzen. Für den Lake-Turkana-Windpark musste beispielsweise erst eine Stromtrasse von über 400 Kilometern erstellt werden. Bis dahin und bis alle vertraglichen Strukturen erstellt waren, mussten die Finanzgeber bei der Stange gehalten werden. Einen Emerging Market Bond zu zeichnen, geht sicherlich schneller.
Striegler: Welchen Einfluss haben an den Projekten beteiligte große Unternehmen?
Schumacher: Prinzipiell besteht eine sehr hohe Transparenz. Die beteiligten ­Ausrüsterfirmen sind global bekannt. Die ­Zusammenarbeit und Risikoteilung unter den Partnern folgt Marktstandards. Die DEG prüft die Partner und deren Interessen sowie die ­Mittelverwendung vor und spätestens sechs Monate nach der Auszahlung genau. In der Regel haben die ­Eigenkapitalsponsoren einen Berater und die Darlehensgeber ebenfalls. Diese erstellen regelmäßig Gutachten zur Projektentwicklung. Ob es sich nun um ein Projekt in Deutschland oder in Kenia handelt, spielt ­dabei keine große Rolle.     
Fröhlich: Auch die vertragliche Abwicklung ist relativ homogen. Üblicherweise ­basiert alles auf einem internationalen ­Vertragsrecht. Sowohl juristisch als auch technisch bestehen internationale Standards. Darauf legen auch die finanzierenden ­Banken, wie auch der Fonds wert. Schließlich möchte man den Windpark wenn nötig auch weitergeben können.

Wie wichtig sind diese Aspekte für Anleger?
Striegler: Die Staatsanleihen dieser drei Länder sind für uns wegen der dort bestehenden Korruption nicht investierbar. Das widerspräche unseren ethischen Anlagekriterien. Darum sind für mich interne Kontrollen und eine enge Begleitung sehr wichtig.
Hepers: Das ist auch für uns ein wichtiges Kriterium. Nachhaltigkeit spielt für uns eine große Rolle und hierzu zählen auch Fragen zur Korruption. Darum investieren auch wir nicht in die Staatsanleihen von Kenia und Nicaragua. Wir investieren im Direktbestand nicht einmal in Südeuropa, geschweige denn in den Emerging Markets, für die uns jede Urteilskraft fehlt. Deswegen ist für uns die Beteiligung eines erfahrenen Partners wie der DEG ein entscheidendes Kriterium.
Fröhlich: Als kirchliche Investoren stehen wir immer unter besonderer Beobachtung. Darum hat Nachhaltigkeit hier einen extrem hohen Stellenwert. Wir haben dazu auch eng mit Frau Dr. Karin Bassler zusammen gearbeitet, die sich als Koordinatorin des Arbeitskreises Kirchliche Investments der EKD sehr intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Es wäre sehr schädlich, wenn wir durch dieses Engagement ein Reputationsproblem erleiden würden. Hier sind wir ebenfalls sehr froh, mit der DEG einen Partner zu haben, dessen eigene Nachhaltigkeitsstrategie sehr große Gemeinsamkeiten mit der der Evangelischen Bank hat.

Schumacher: Wir betrachten Nachhaltigkeit aus mehreren Dimensionen. Die eine ist die wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Wir finanzieren ausschließlich Engagements, von denen wir überzeugt sind, dass sie wirtschaftlich nachhaltig sind. Wir sehen auch keinen Widerspruch zwischen unserem entwicklungspolitischen Auftrag und einer Rendite, sondern vielmehr eine positive Korrelation. Erfolgreiche, dauerhaft lebensfähige Privatunternehmen erzeugen wirtschaftliches Wachstum in den Partnerländern. Sie schaffen qualifizierte Arbeitsplätze und Einkommen. Sie vertiefen lokale Produktionsstrukturen, erhöhen die Wertschöpfung im Land und vergrößern das Waren- und Dienstleistungsangebot. Mit ihren Steuerzahlungen leisten sie erhebliche Beiträge zu Staatseinnahmen, mit ihren Exporterlösen verbessern sie die Deviseneinnahmen des Investitionslandes. Und sie investieren in die Aus- und Fortbildung ihrer Beschäftigten. Zudem ­bewerten wir bei jedem Projekt auch die ­Umwelt-, die sozialen und die Governance-Risiken und wie gut die Beteiligten aufgestellt sind, um mit diesen Aspekten umzu­gehen. Hierbei sind wir im Rahmen von Begleitmaßnahmen auch unterstützend tätig. Wir sind davon überzeugt, auf diese Weise auch wirtschaftliche Risiken zu reduzieren.

Bei Infrastruktur in der entwickelten Welt sollte man ein maßvolles Renditeziel haben. Wenn es zu gut läuft, kommt nämlich schnell der Regulator mit empfindlichen Kürzungen.  Das ist also in den Emerging Markets anders?
Schumacher: Wir haben uns in den vergangenen 20 Jahren bei mehreren Dutzend Renewable-Projekten in Entwicklungsländern engagiert. Bei keinem Engagement hatten wir Schwierigkeiten wegen staatlicher Eingriffe. Was uns trägt, ist der Aufholbedarf in den Emerging Markets. Selbst wenn es ­eine einigermaßen funktionierende Stromversorgung gibt, erreicht diese vielfach nur 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung. All ­unsere Märkte haben eine Stromunterversorgung. Das ist ein gigantisches Potenzial. Dieses Stromdefizites ist sich die Politik sehr bewusst. Dass die Bevölkerung darum auf die Straße geht, will jeder Politiker vermeiden.
Striegler: Wir sind auch am Ausbau des Hochspannungsnetzes durch Amprion beteiligt. Für ein solches Asset stimme ich Ihrer Aussage zu, dass der Staat mit Blick auf den Strompreis Traumrenditen nicht zulassen würde. Für dieses illiquide Investment liegen unsere Renditevorstellungen zwischen sechs und sieben Prozent. Das ist heutzutage sehr ordentlich. Woanders, beispielsweise bei Kavernen in Norddeutschland, bestehen auch Markt- und technische Risiken. Nicht jedes Infrastrukturinvestment ist also regulierungskritisch, sondern unterliegt ähnlichen Risiken wie andere Assets auch.

Nochmal zu möglichen Druckmitteln bei illiquiden Assets in den Schwellenländern: Ist in diesen Wasser oder Strom wichtiger?
Schumacher: Das ist natürlich von Land zu Land unterschiedlich. Generell lässt sich sagen, dass wegen des Bevölkerungswachstums und der Urbanisierung Wasser in den nächsten Jahrzehnten ein noch viel größeres Thema als heute sein wird. Wegen regulatorischer Risiken, wie Preissetzungen und so weiter, ist Wasser komplexer als Elektrizität. Von daher rate ich Investoren, nicht mit ­Wasser anzufangen. Kurzfristiger und unmittelbarer drückt die Schwellenländer das Stromdefizit stärker. Strom ist vor allem für die Industrieproduktion wichtig.

Nachhaltigkeit ist wie oben erwähnt Teil des Risikomanagements. Hätte man als ­Eigenkapitalgeber hierfür die Zügel nicht viel besser in der Hand? Hat man bei diesen ­Assets als Fremdkapitalgeber mangels ­Mitbestimmung eine Scheinsicherheit?
Schumacher: Wenn sich die Vertragspartner nicht an die Vereinbarungen halten, kann ein Kredit auch gekündigt werden. Für diesen Fonds ist der Finanzierungsmix bewusst gewählt, da den Anlegern an laufenden Ausschüttungen gelegen ist. Darum macht es Sinn, ­mehrheitlich in Darlehen zu investieren. Für diesen Fonds halte ich diesen Finanzierungsmix für richtig.

Fröhlich: Ich würde nicht pauschal ­sagen, dass über Equity die Risiken im Sinne der Nachhaltigkeit geringer werden. Anzunehmen ist aber, dass jeder Eigenkapitalsponsor das Interesse hat, möglichst schnell die Darlehen zu tilgen, um seine ­Eigenkapitalrendite zu steigern. Je besser ein Projekt läuft, umso schneller bekommen wir unsere Finanzierungen zurück. Das kann man aber auch als Nachteil sehen.
Nichtsdesto­trotz haben wir unsere ­Sicherheiten. Wichtig ist ­beispielsweise die Interessensgleichheit mit der DEG. Wir ­investieren über den Fonds nur in Risiken, die die DEG auf ihrer Bilanz selbst eingeht. In der logischen Sekunde, in der die DEG ein Darlehen vergibt, investiert auch der Fonds.
Hepers: Es handelt sich nicht um Projekte, die die DEG loswerden will. Die DEG bleibt immer mit einem großen Teil im ­Risiko. Diese Interessensgleichheit war für uns auch ganz wichtig, um in den Emerging Markets zu investieren.

Aber tickt ein Entwicklungshelfer wie ein institutioneller Anleger? Gibt es nicht kulturelle Differenzen?
Schumacher
: Die DEG ist als Entwicklungsfinanzierer seit vielen Jahren auch in wirtschaftlicher Hinsicht erfolgreich. Unsere Senior-Darlehen sind in der Regel amortisierend, was – auch im Sinne der Finanzinvestoren – Risiko vom Tisch nimmt. Auch auf ­unser Beteiligungsportfolio verdienen wir ­eine angemessene Dividenden- und Ver­äußerungsrendite. Denn wie schon ­zuvor ­gesagt, gehen für uns entwicklungs­politischer Auftrag und wirtschaftlicher ­Erfolg Hand in Hand.
Fröhlich: Tendenziell wollten alle erst einmal eine Cash Yield sehen. Der IRR ist schön – „aber man kann ihn nicht essen“. Weiter müssen wir für die Investoren und deren Gremien bei einem solchen Thema erst einmal im Vergleich risikoarm anfangen. Mit diesem Pionierprojekt tasten wir uns an die Wünsche der Investoren heran. Wenn wir alle­ weitere Erfahrungswerte gesammelt haben, dann ist auch ein reines Equity-Portfolio denkbar. Für die Zielgruppe kirchliche Anleger ist der Mix aus Fremdkapital und eigenkapitalähnlichen Instrumenten auch regulatorisch kein Problem.
Weiter ist für diese Zielgruppe der entwicklungspolitische Charakter ebenfalls ein sehr wichtiges Ziel. Das Genossenschaftsprinzip „Hilfe zur Selbst­hilfe“ ist ein entscheidendes Element.
Striegler: Wir haben uns mit Eigenkapital direkt an deutscher Infrastruktur beteiligt. Das ist für uns an der Grenze dessen, was wir hinsichtlich unserer Ressourcen leisten können.­ Also brauchen wir einen verlässlichen Partner, bei dem wir das nötige Zutrauen in dessen Know-how haben, und bei dem wir sicher sind, dass dessen Ansatz mit unseren ethisch-nachhaltigen Maßstäben kompatibel ist.
Diese für uns notwendige Ausgangsbasis ist bei diesem Fonds aus meiner Sicht gegeben. Für die DEG-Projekte habe ich mich schon früher interessiert.
Hepers: Wir trauen uns auch zum Beispiel Windparks in Finnland nicht selbst zu, sind dort aber über einen externen Manager investiert. Equity-Beteiligungen in Peru oder Kenia würden wir natürlich erst recht nicht direkt machen. Auch ein klassischer Beteiligungsfonds wäre für uns zum Start ein zu großer Schritt gewesen. Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sehen wir in diesen Ländern staatlicherseits große Probleme.
Von daher war es für uns sehr wichtig, dass das Übergewicht in diesem Fonds auf der Senior-Finanzierungsseite liegt, auch wegen der planbaren Kupons. Je nach den nun anstehenden Erfahrungen könnte in einem Nachfolgefonds für uns das EK-FK-Verhältnis auch umgekehrt sein.

Die simpelste Investition: KfW-Green-Bonds.
Hepers: Unser Nachhaltigkeitskonzept umfasst auch die KfW, da wir immer auf das Gesamtunternehmen achten. Darum braucht es für uns keine KfW-Green-Bonds mehr. Green Bonds sind für Anleger, die noch kein Nachhaltigkeitskonzept haben. Außerdem brauchen wir auch eine Rendite, die über der von Green Bonds liegt.
Striegler: Genau. Wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern und Mitarbeitenden. Aus den Erträgen unserer Rücklagen möchten wir möglichst viele kirchliche Aufgaben mitfinanzieren und zugleich die Altersversorgung unserer Beschäftigten sicherstellen.

Green Bonds wären aber deutlich liquider.
Striegler
: Wir halten den Fonds in unserem Treuhandvermögen und in diesem muss der Anteil illiquider Assets begrenzt sein. Aber da haben wir noch Spielräume. Unser Fondsanteil beläuft sich auf fünf Millionen Euro, unser Treuhandvermögen auf knapp 800 Millionen Euro. Zudem haben wir stille Reserven, und es ist angesichts unserer ­guten Verzinsung auch unwahrscheinlich, dass alle kirchlichen Anleger auf einmal ihr Geld bei uns abziehen. Der Fonds würde aber auch genauso gut in unsere Versorgungsstiftung und in unseren Pensionsfonds passen.
Hepers: Gerade als Bank müssen wir ­einen solchen Fonds in unseren Liquiditätsüberlegungen berücksichtigen. Etwas Illiquidität können wir uns aber leisten. Wir investieren in Infrastruktur und Immobilien. ­Verglichen mit unseren Eigenanlagen von 3,6 Milliarden Euro ist unser Investment von zehn Millionen Euro ein liquiditätstechnisch überschaubarer Betrag.

Wer sind die Vertragspartner der Projekte?
Fröhlich
: Für unsere Projekte bestehen Power Purchase Agreements, sogenannte PPAs. Jede Projektgesellschaft hat also einen langfristigen Abnahmevertrag mit fixierten Preisen mit dem nationalen, staatlichen oder privaten Stromversorger.
Hierbei achten wir auch darauf, dass unsere Preisvereinbarung vergleichbar mit dem Spot-Preis ist. Damit es wenig Anreize gibt, für den Staat in die Verträge einzugreifen. Wenn es doch zu regulatorischen Eingriffen kommt, sollte die Fremdfinanzierungsseite weniger betroffen sein.
Hepers: Wenn, wie bei diesem Fonds, der PPA-Preis im Auktionsverfahren ermittelt wird, entsteht eine völlig andere Situation als bei Einspeisevergütungen oder sonstigen Subventionsmodellen.

Spielen Subventionen in Schwellenländern eine Rolle?
Fröhlich
: Ein wichtiger Punkt ist, dass sich das Projekt von alleine rechnet. Kohlendioxidzertifikate dürfen nur ein nice-to-have sein. Diese Länder haben ja positive Umweltbedingungen und eine Nachfrage, so dass sich diese­ Projekte von alleine lohnen. Was fehlt, ist Kapital. In Deutschland ist es oft umgekehrt.
Schumacher: Die Schwellenländer bieten für Solar, Wasserkraft und Wind teilweise die besten Bedingungen. Dabei sind die Errichtungskosten für ein Kraftwerk dort die gleichen wie hier. Die Gestehungskosten für Wasserkraft sind in der Regel unter den ­normalen Spot-Preisen, für Windkraft ein bisschen höher und für Solar deutlich über dem Spot-Preis. Solarkraft nähert sich durch technologische Sprünge aber sehr schnell der Netzparität. Zudem sind die Grenzkosten für Renewables auch sehr gering, und es besteht keine Abhängigkeit von der Preisentwicklung von fossilen Energieträgern und externen Lieferanten.
Der Anreiz für Renewables ist für diese Länder also hoch und Subventionskosten sind für die Erzeugung kein Thema. Das ­Thema ist eher die Kaufkraft der Abnehmer. Darum muss der Strom – noch – unter den Produktionskosten verkauft und für die ­Abnehmer subventioniert werden.

Im Unterschied zu Deutschland dürfte auch das Thema Energiespeicherung keine Rolle spielen?
Schumacher
: In den Märkten, wo wir ­tätig sind, besteht ein struktureller Nachfrage­überhang nach Energie. Die produzierte Energie wird vollständig genutzt. Somit ist Speicherung kein Thema.

In den Metropolen der Schwellenländer ­besteht auch ein großer Bedarf an Verkehrsinfrastruktur.
Schumacher
: Für diesen Fonds ist es sinnvoll auf Energieerzeugung zu setzen, die weniger marktabhängig ist als Verkehrsinfrastruktur wie Straßen oder Brücken.
Striegler: Auch wenn die Rendite möglicherweise bescheidener ist: Aus kirchlicher Sicht hätte ich mit anderen Infrastruktur­arten zunächst einmal keine Berührungsängste. Schließlich ist bekannt, dass eine ­gute Infrastruktur eines der wesentlichsten Mittel gegen den Hunger in der Welt ist. Es besteht nach Aussage von Fachleuten ­weniger ein Mangel an Nahrungsmitteln als vielmehr an deren Verteilung. Wichtig wäre uns aber auch an dieser Stelle ein vernünftiges Vehikel mit hoher Transparenz.

Warum wird der Fonds, ein FCP-SIF, über ­einen Genussschein abgebildet?
Fröhlich
: Ausgangspunkt waren die ­potenziellen Investoren und deren regulatorischen Anforderungen. Zudem wollten wir als Initiatoren vermeiden, Investoren unterschiedlich zu behandeln. Wir wollten, dass alle Investorengruppen gleichrangig in ein Produkt investieren können.
Kirchen hätten prinzipiell mit einem Spezialfonds gut leben können, jedoch Probleme gehabt, diesen in ihren Master-Spezialfonds aufzunehmen. Bei Versicherungen hätte es Fragestellungen rund um die Erwerbbarkeit gegeben.
Hepers: Banken wiederum droht als ­Finanzdienstleister beim Spezialfonds ein ­Eigenkapitalabzug, wenn sie sich am Eigenkapital eines Finanzdienstleistungsvehikels beteiligen.
Fröhlich: Also brauchten wir ein von ­allen Anlegergruppen erwerbbares Wertpapier und am Ende blieb der Genussschein übrig. Die Bafin hat uns auch bestätigt, dass es sich aufsichtsrechtlich um ein Wertpapier ­handelt. Der Genussschein gibt uns auch die Flexibilität wie bei einem Fonds, Kupons zu zahlen oder auszusetzen, oder Liquidations­erlöse auszukehren. Die Nachrangigkeit eines Genussscheins ist in diesem Fall auch kein ­Problem, da quasi für niemand Vorrangigkeit besteht.
Nach aktuellem Stand haben wir bereits eine recht heterogene Anlegerschaft. Darunter sind neben Kirchen auch Banken, Ver­sicherer, Pensionskassen, Stiftungen und ein ausländisches Mikrokreditinstitut, die wir als Investoren gewinnen konnten.
Striegler: Diese Struktur ist mit unserem Masterfonds kompatibel. Allerdings war diese für mich zunächst gewöhnungsbedürftig. Mangels interner Fachjuristen musste ich ein Anwaltsbüro mit der Prüfung beauftragen, ob in den über 30 Seiten auf Englisch für uns Fallstricke verborgen sind. Nach der Bestätigung, dass der Vertrag keine Überraschungen birgt, haben wir unterzeichnet.
Fröhlich: Die Anwaltskosten für ein solches Rechtsgutachten liegen für den Investor je nach Härte und Tiefgang bei etwa 5.000 bis 10.000 Euro. Diese Kosten sollte man sich aber leisten, wenn man mehrere Millionen investieren will.
Hepers: Dieses ist schon unser viertes Infrastruktur­investment und alle sind über Genussrechte strukturiert. Beim ersten Mal ging es uns genauso wie der EKHN. Mittlerweile haben wir eine gewisse Routine.

Was kostet die Strukturierung?
Fröhlich
: Die Gebühren sind, gemessen daran, dass die Konstruktion des Fonds mit über zwei Jahren extrem langwierig war, und im Vergleich zu anderen Beteiligungsfonds, mit circa 1,4 Prozent nicht besonders hoch.  Eine Performance Fee gibt es nicht, die Evangelische Bank ist ebenfalls am Fonds ­beteiligt. Beide Häuser haben auch keine Gewinn­maximierungsabsicht. Für uns sehe ich diesen Fonds vielmehr als ein Produkt, mit dem wir unserem Auftrag als Kirchenbank gerecht werden.

Von Regulierung und Strategiefragen zur Theologie: Sollten die Projekte denn in christlichen Ländern gelegen sein? Ist es denn für die EKHN und die Evangelische Bank ein Problem, dass alle christlichen Schwellenländer katholisch sind?
Striegler
: Das spielt für uns überhaupt keine Rolle. Als Christen sehen wir alle Menschen­ als Geschöpfe Gottes. Unsere Einrichtungen wie Kitas stehen allen Menschen offen.­
Auch bei unserer Flüchtlingshilfe und Entwicklungshilfe steht der Mensch als ganzer im Mittelpunkt, nicht seine Religion. Wir wollen friedlich und gut zusammenleben.

Wie steht aber der Fonds zu Psalm 37: „Bleibe im Lande und nähre dich redlich“?
Striegler
: Wir bleiben ja hier, aber wir denken global. Dennoch unterstützen und ­finanzieren wir am liebsten die Infrastruktur in Deutschland. Aber das liegt weniger an dem Psalm als an der Notwendigkeit, das ­Asset überschauen zu können und rechtliche Sicherheit zu haben.
Außerdem lebe ich auch gerne in Deutschland. Daher ist es naheliegend, sich um deutsche Infrastruktur zu kümmern. Ich gehe davon aus, dass es in der Zukunft ­Modelle gibt, Versorgungsgelder sinnvoll in Infrastruktur in Deutschland investieren zu können.
Uns liegt aber auch Entwicklungspolitik am Herzen. Deshalb sind wir auch seit Auf­lage in dem Fair-World-Fonds investiert. Für diesen Mischfonds stellt Imug das Anlage­universum zusammen und Union Investment wählt die Einzeltitel aus. Die Rendite betrug trotz des begrenzten Universums  durchschnittlich 4,35 Prozent. Damit kann man nicht nur als kirchlicher Anleger zufrieden sein. Zudem weiß ich, dass dort unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten hohe Maßstäbe gesetzt und eingehalten werden. Das halte ich entsprechend unserem Auftrag als Kirche für durchaus angemessen. Daher sind wir auch bei diesem Fonds sehr gerne dabei.    
Schumacher: Man muss auch die globalen Zusammenhänge betrachten. Viele Probleme der Gegenwart lassen sich nur gemeinsam lösen, das heißt zusammen mit den Partnerländern. Ein Beispiel sind die Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer.
Fröhlich: Absolut richtig. Wir müssen die Probleme dort lösen, wo sie beginnen. Hier in Deutschland können wir das Flüchtlingsproblem nur lindern. Besser wäre aber eine Lösung des Problems vor Ort, damit die Menschen keinen Grund zur Flucht haben.
Auftrag der Kirche ist es, dem Menschen zu dienen. Der Psalm gilt auch für uns. Für uns gilt aber auch das Gebot der Nächsten­liebe. Und die findet natürlich am besten vor Ort statt.

Von Patrick Eisele

portfolio institutionell, Ausgabe 2/2015

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