Alternative Anlagen
19. Juni 2019

Renewables-Studie beklagt mangelnden politischen Einsatz

Erneuerbare Energien machen heute ein Viertel (26 Prozent) der globalen Stromerzeugung aus. Globale Investitionen in 2018 werden auf 288,9 Milliarden US-Dollar geschätzt, weniger als 2017.

Nach einem am Dienstag veröffentlichen Bericht zum Status Quo der Erneuerbaren Energien (Renewables 2019 Global Status Report, GSR) tragen Erneuerbare Energien immer mehr zur Stromerzeugung weltweit bei. Solar-/Photovoltaik- und Windenergie sind demnach mittlerweile etablierte Optionen im Strombereich. In mehr als 90 Ländern wurden mehr als ein Gigawatt an erneuerbarem Strom installiert und in 30 Ländern waren es mehr als 10 Gigawatt. Mindestens neun Länder erzeugten mehr als 20 Prozent ihres Stroms auf der Grundlage von Solar-/PV- und Windenergie. Es handelt sich dabei um: Dänemark, Uruguay, Irland, Deutschland, Portugal, Spanien, Griechenland, Großbritannien und Honduras. Das globale Investitionsvolumen in Erneuerbare Energien lag im Jahr 2018 bei geschätzten 288,9 Milliarden US-Dollar. Das waren elf Prozent weniger als die im Jahr 2017 investierten 326,3 Milliarden US-Dollar. Allerdings, so der Bericht, war 2018 das neunte Jahr in Folge, in dem Investitionen in erneuerbare Energien die 230 Milliarden-Marke überschritten und das fünfte in Folge, indem die Investitionen über 280 Milliarden lagen. Nur 16 Milliarden US-Dollar wurden 2018 in große Wasserkraftprojekte investiert, die in 2017 noch bei 40 Milliarden US-Dollar gelegen hatte.

Städte seien zunehmend Vorreiter für den Einsatz Erneuerbarer Energien; dort werden dem Bericht zufolge einige der ehrgeizigsten Ziele für Erneuerbare Energien weltweit verabschiedet. In zahlreichen Fällen gehen diese Selbstverpflichtungen und Maßnahmen über Initiativen auf nationaler und regionaler Ebene hinaus. Mehr als 100 Städte (von Nairobi/Kenia und Dar es Salaam/Tansania über Auckland/NZ und Stockholm/Schweden bis Seattle/USA) nutzen zu mindestens 70 Prozent Strom auf der Grundlage erneuerbarer Energien, und mindestens 50 Städte haben Ziele für Erneuerbare Energien in den Bereichen Strom, Wärme und Kälte sowie Verkehr festgelegt.

300 Milliarden US-Dollar an Subventionen für fossile Brennstoffe

Gleichzeitig geht der Report davon aus, dass eine ehrgeizigere Politik und entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen entscheidend sind für die Schaffung günstiger und wettbewerbsfähiger Bedingungen, damit der Anteil Erneuerbarer Energien wachsen könne und teurere, kohlenstoffhaltige Kraftstoffe ersetzen könne. Subventionen für den Verbrauch fossiler Brennstoffe spielten heute noch eine große Rolle.  „Ein entscheidender Durchbruch könnte erzielt werden, wenn Länder ihre Subventionen für fossile Brennstoffe kürzen, die schmutzige Energie fördern“, sagt Rana Adib, Exekutivsekretärin von REN21. REN21, das den Renewables 2019 Global Status Report erstellt, ist ein internationales Netzwerk von Experten von Regierungen, zwischenstaatlichen Organisationen, Industrie, Verbänden, NGOs sowie Wissenschaft und Forschung. Die Subventionen für den Verbrauch fossiler Brennstoffe schätzt der Report weltweit für 2017 auf insgesamt 300 Millarden US-Dollar geschätzt; dies entspricht einem Anstieg von elf Prozent gegenüber 2016. Vierzig Länder haben laut dem Report seit 2015 in gewissem Umfang Reformen zur Verringerung ihrer Subventionen für fossile Energieträger durchgeführt, allerdings existierten solche Subventionen 2017 immer noch in 112 Ländern , wobei mindestens 73 Länder Subventionen in Höhe von jeweils über 100 Millionen US-Dollar gewährt hätten.

Dem Report zufolge bestehen große Möglichkeiten für Länder, Maßnahmen voranzutreiben, indem sie die Energiewende auf die Bereiche Wärme und Kälte sowie Verkehr ausweiten. Erneuerbare Energien decken mehr als 26 Prozent der Stromerzeugung weltweit ab, aber lediglich zehn Prozent der im Bereich Wärme und Kälte genutzten Energie und nur etwas mehr als drei Prozent im Bereich Verkehr. Dieses Ungleichgewicht zwischen einzelnen Energiebereichen sei weitgehend auf unzureichende oder unbeständige politische Unterstützung zurückzuführen, schlussfolgert der Bericht. Die Zahl der Länder mit einer Politik zugunsten erneuerbarer Energien im Wärmebereich habe sogar abgenommen.

Nur wenige Staaten nutzen CO₂-Bepreisung

Trotz mangelnder Unterstützung würden derzeit Initiativen in den Bereichen Verkehr sowie Wärme und Kälte umgesetzt. Nachhaltige Biokraftstoffe, Elektrofahrzeuge und kraftstoffsparende Maßnahmen reduzieren insgesamt die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen im Verkehrssektor. Ehrgeizige Politiken wie die Verpflichtung zur Beimischung von 27 Prozent Ethanol in Brasilien oder das Low Carbon Fuel Standard Program in Kalifornien (USA) zeigten den Autoren der Studie zufolge, welchen Beitrag erneuerbare Energien im Verkehrssektor leisten können. Zu den Maßnahmen auf dem Gebiet Wärme und Kälte zählen Energie-Codes im Gebäudebereich, Anreize für und Verpflichtungen zu Wärme auf der Grundlage Erneuerbarer Energien sowie indirekte Ansätze wie CO₂-Preisgestaltung. Es werde nach wie vor „extrem wenig“ Gebrauch von CO₂-Preisgestaltung gemacht. Bis Ende 2018 hatten dem Bericht zufolge 44 nationale Regierungen, 21 Bundesstaaten/Provinzen und sieben Städte Maßnahmen zur CO₂-Preisgestaltung umgesetzt; dies entspricht gerade einmal 13 Prozent des globalen CO₂-Ausstoßes.

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