Banken
22. Januar 2018

Rück- und Ausblick auf Solvency II und die ZZR

Bafin fordert bei Solvency II mehr Tiefgang und will bei der Zinszusatzreserve vom Gas gehen.

Auf dem Neujahrspressempfang der Bafin nahm deren Präsident Felix Hufeld ausführlich Stellung zu den für Versicherungen relevanten Themen Solvency II und Zinszusatzreserve (ZZR). Für das Anfang 2016 in Kraft getretene Regelwerk Solvency II konstatiert Hufeld, dass die Versicherer in der neuen risikosensitiven Welt angekommen sind und sich darin einigermaßen zurechtfinden. „Für 2018 erwarten wir allerdings, dass sich die Unternehmen noch tiefer in das neue Regime hineinknien. An einigen Stellen sehen wir noch Verbesserungsbedarf – beim Orsa (Own Risk and Solvency Assessment) etwa und beim Bericht über die Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Reports) der noch etwas an Tiefgang vermissen lässt.“ Ein wenig schwer täten sich die Unternehmen auch noch mit dem Prinzip der Proportionalität.
Einen Ausblick auf das laufende Jahr nehmend, sieht der Bafin-Präsident den Solvency-II-Review als „weiteres großes Thema“. „Dass wir uns das Regelwerk bereits so früh noch einmal kritisch ansehen, ist in der Richtlinie selbst angelegt und auch sinnvoll.“ Sinnvoll darum, das sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Am marktwertbasierten System wolle zwar niemand rütteln, man könne und wolle es aber anpassen und verbessern. Ein Beispiel ist für Hufeld die Standardformel: „Sie ist zu komplex, und wir setzen uns stark dafür ein, sie zu vereinfachen. Hinzu kommt, dass die Standardformel von der Wirklichkeit überholt worden ist. Sie kennt – anders als die internen Modelle – keine negativen Zinsen. Was dazu führen kann, dass die Unternehmen ihr Zinsänderungsrisiko unterschätzen.“
Regelmäßig genannter Kritikpunkt an der Standardformel sind aber auch die Eigenmittelunterlegungsvorschriften für bestimmte Asset-Klassen. Diese Kritik weist Felix Hufeld zurück: „Gleichgültig, um welches noch so relevante Thema es sich handelt – etwa um Infrastrukturinvestitionen,Green oder Sustainable Finance, Digitalisierung, um nur einige Beispiele zu nennen – in keinem Fall rechtfertigt dies in der Finanzwelt einen regulatorischen Bonus, der losgelöst von faktenbasierter Analyse, der Bewertung von Risikoprofilen, Ausfallwahrscheinlichkeiten, Risiko- Return-Verhältnissen oder Ähnlichem gewährt werden dürfte.“ Wer dies tue, lege den Keim für neue Finanzkrisen. Hufeld nennt als Beispiel die Bildung von Wohneigentum in der Hand einkommensschwacher Haushalte in den USA. „Das war zu Beginn der 2000er Jahre auch ein ebenso legitimes wie allseits gelobtes, politisches Ziel. Erst im Zusammentreffen mit einer unzulänglichen und gewissermaßen schweigenden Finanzregulierung wurde daraus bekanntlich ein Desaster.“ Das Selbstverständnis der Bafin sei aber, Aufseher und Regulierer zu sein.
ZZR-Tempo vor Drosselung
Die Zukunft der ZZR zählt Hufeld zu den spannenden regulatorischen Themen dieses Jahres. Für dieses brauche es möglichst schnell eine gute Antwort. „Zum Ende 2017 dürfte die Zinszusatzreserve auf rund 60 Milliarden Euro gewachsen sein – ein beachtliches Sicherheitspolster für die Kunden. Es ist aber weder erforderlich noch ratsam, diese – grundsätzlich sehr sinnvolle – Reserve weiterhin im bisherigen Tempo aufzubauen. Das Wechselspiel zwischen der Absicherung bestehender Garantieverpflichtungen und der Vorwegnahme künftiger Kapitalerträge muss angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus neu justiert werden.“ 
portfolio institutionell 18.01.2018/Patrick Eisele 
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