Meinungen aus dem Markt
2. Juli 2019

Sag niemals Niedrigzins!

Profitable Nachrichten für alle, die wehmütig an die guten alten Zinsen zurückdenken: Hohe laufende Zinserträge gehören nicht der Vergangenheit an!

Rentenorientierte Anleger können ihr Portfolio durch granular gestreute Anlagen in Lokalwährungen ergänzen und sich damit nicht nur die Chance auf überdurchschnittliche Ausschüttungen und zusätzliches Kurspotenzial sichern, sondern auch eine höhere Diversifikation erreichen. Mit Währungsinvestments assoziieren Anleger häufig US-Dollar oder japanische Yen. Für alle Hartwährungsanleihen gilt jedoch: Je härter die Währung, desto kleiner die Rendite. Echte Rendite-Pick-ups gibt es nur für ein deutlich höheres Durations- und/oder Kreditrisiko. Schwellenländer und Frontier Markets repräsentieren dank der Globalisierung schon mehr als die Hälfte der weltweiten Wirtschaftskraft. Für eine Anlage sprechen vor allem eine relativ geringe Staatsverschuldung und eine hohe Wachstumsdynamik.

Währungen neu denken!

Wer hohe Ausschüttungen fordert und gewisse Wertschwankungen toleriert, sollte Fremdwährungsanlagen unter die Lupe nehmen: Vergleicht man die Renditen eines Emittenten für eine in Hartwährung und eine in lokaler Währung begebene Anleihe mit gleicher Laufzeit, so ist die lokale Variante sehr oft attraktiver. Die Rendite-Spreads sind dort deutlich höher als bei Euro-/US-Dollar-Denominierung und ermöglichen so Zusatzerträge. Mit einer Anlage in lokalen Währungen aus Schwellenländern und Frontier Markets können Anleger an relativ hohen Kupons partizipieren, sich die Chance auf Wechselkursgewinne sichern und ihre risikoadjustierte Rendite deutlich verbessern – sofern sie die Auswahl der Länder, Emittenten und Einzeltitel in einen bewährten Prozess überführen, über globale Marktzugänge/Referenzbanken verfügen und auf ein gutes Management von Währungs- und Anleihepositionen zurückgreifen können.

Schritt 1: Quality first!

Wer Wert auf Qualität legt und von der aufwendigen Einzelanalyse absehen will, konzentriert sich auf supranationale, staatliche oder staatsnahe Emittenten sowie Förderbanken und Finanzinstitutionen weltweit und legt den Schwerpunkt auf lokale Währungen. Häufig werden mit den Geldern regionale Projekte finanziert. Das weltweite Auswahluniversum an Ländern und Währungen wird lediglich durch etwaige Anlagebeschränkungen für ausländische Investoren, begrenzte Konvertierbarkeit oder unzureichende Liquidität für institutionelle Bedürfnisse eingeschränkt. Der Schwerpunkt liegt auf liquiden und gut bewertbaren fest oder variabel verzinslichen Wertpapieren, aber auch inflationsgebundenen Anleihen.

Schritt 2: Top-down zu Land und Währung.

Ist das Auswahluniversum hinreichend definiert, gibt die fundamentale Analyse der möglichen Zielländer und -währungen Aufschluss über deren Attraktivität. Im Interesse des Anlegers steht neben der wirtschaftlichen Entwicklung vor allem die politische Stabilität. Auf Basis der kurz- bis mittelfristigen Marktperspektiven unter Beachtung der Inflation und etwaiger Wechselkurseffekte erfolgt die Szenario- und Performance-Simulation. Wechselkurse von Lokalwährungen werden oftmals von anderen Einflussfaktoren getrieben als Hartwährungen. Die Bewertung des Trade-offs zwischen Zinschance und Wechselkursrisiko erfordert höchste Expertise in der qualitativen und quantitativen Analyse.

Schritt 3: Bottom-up zum Portfolio.

Für die Einzeltitelselektion ist die mittelfristige Bonität der Emittenten und die Liquidität der Wertpapiere wichtig. Die Analyse umfasst unter anderem eine Relative-Value-Betrachtung gegenüber vergleichbaren Wertpapieren, Emittenten und Neuemissionen. Für die Auswahl einzelner Anleihen ist die lokale Zinsstrukturkurve von großer Bedeutung. Längere Laufzeiten weisen erfahrungsgemäß weder eine lohnenswerte Zusatzrendite noch die nötige Liquidität auf, weshalb die durchschnittliche Duration des optimierten Portfolios relativ niedrig ist (derzeit unter drei Jahren). Mit einer hochwertigen Auswahl und einer sehr granularen Diversifikation von Emittenten, Währungen und Restlaufzeiten lassen sich die Länder-, Kredit- und Liquiditätsrisiken schon deutlich reduzieren. Eine Absicherung der Wechselkursrisiken kostet Anleger zumindest den Renditevorteil gegenüber dem Euro; zumeist sind aber Forward-, Swap- und Optionsmärkte nicht hinreichend liquide und Absicherungen daher nur zu sehr hohen Kosten verfügbar. Dennoch kann sie in Einzelfällen sinnvoll sein.

Schritt 4: lokal anlegen, global diversifizieren.

Anleger sollten eine globale Diversifikation anstreben – wer sich nur auf die größten Emerging Markets beschränkt, vergibt nicht nur Renditechancen, sondern reduziert auch Diversifikationseffekte. Eine optimierte Gleichgewichtung der Währungen innerhalb definierter Marktgrößen sorgt für eine höchst granulare Risikostreuung über Länder und Emittenten. Unter diesen Bedingungen kann das Zielportfolio über 70 Währungen, mehr als 300 Emittenten und über 1.000 Anleihen umfassen. Handelskosten sind bei Finanzinstrumenten auf Schwellenländer deutlich höher als sonst. Ein intelligenter Ansatz reduziert die Handelskosten, indem Anleihen in der Regel bis zur Endfälligkeit gehalten werden.

Schritt 5: Integriertes Risikomanagement.

Das Risikomanagement erfordert angesichts der Zahl an Währungen und Positionen klar definierte Prozesse und eine permanente Überwachung der Risiko- und Performance-Kennziffern. Zu beachten sind: Länderrisiken, Kreditrisiken, Zinsrisiken, Wechselkursrisiken, Liquiditätsrisiken und operationelle Risiken.

Seiten: 1 2 3 4

Autoren:

Schlagworte:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.