Alternative Anlagen
8. Dezember 2019

Schritt für Schritt an 2.500 Unternehmen beteiligt

Die Allianz investiert seit 1996 in Private Equity, heute beläuft sich das Volumen auf 16 Milliarden Euro. Interview mit portfolio institutionell.

Diversifikation ist für jede Asset-Klasse von Relevanz, hat aber bei Private Equity besonders viele Dimensionen. Möglichkeiten zum Streuen geben Manager, Segmente, Regionen und vor allem die Vintage-Jahre. Übertreiben darf man die Diversifikation bei Private Equity jedoch auch nicht. Sonst geht der Renditevorteil gegenüber Aktien verloren. Darüber sprach Michael Lindauer, Global Co-Head of Private Equity von Allianz Capital Partners.

Herr Lindauer, wie viele Relationships, also Geschäftsbeziehungen zu Fondsanbietern, bestehen?

Über 200. Grund ist, dass bei Private Equity eine Geschäftsbeziehung wegen der langen Fondslaufzeiten langsam ausläuft. Aktive Relationships pflegen wir mit etwa 100 Fondsmanagern. Aktiv bedeutet, dass wir in deren aktuell letztem Fonds investiert sind und planen, auch den kommenden Fonds zu zeichnen. Das ist immer wieder eine neue Investmententscheidung.

Liegt gerade für eine Lebensversicherung der Charme einer Rendite nicht vor allem in deren Kontinuität und Planbarkeit? Wäre Private Debt nicht interessanter als Private Equity?

Die ACP macht kein Private Debt. Diese Asset-Klasse wird jedoch zum Beispiel von Allianz Global Investors abgedeckt. Innerhalb von Private Equity investieren wir sehr diversifiziert. Wir haben Relationships in Europa, in Amerika sowie Asien und sind über die Fonds in etwa 2.500 Unternehmen aus den verschiedensten Sektoren investiert. Außerdem besteht eine Streuung über verschiedene Vintage-Jahre. Wie bereits erwähnt investieren wir seit 1996 kontinuierlich in jedem Jahr. Somit erhalten wir ein gut diversifiziertes Portfolio. Da auch die Ausfälle sehr gering sind, erhalten wir das, was für eine Lebensversicherung wichtig ist: eine skalierbare, solide und auch stetige Rendite.

Die Allianz scheint mit Private Equity gerade in den vergangenen Jahren zufrieden zu sein. 2015 waren „nur“ acht Milliarden in Private Equity investiert. Jetzt sind es 16!

Diese Steigerung beruht zum einen darauf, dass sich in diesem Zeitraum die gesamte Asset-Klasse stark vergrößert hat, und zum anderen darauf, dass das Lebensversicherungsgeschäft wächst und von der Garantie weggeht. Dadurch vergrößern sich die Möglichkeiten in Alternatives zu investieren.
Für uns steht die langfristige Wertschöpfung für unsere Kunden im Fokus. Wichtig ist uns daher, das Portfolio Schritt für Schritt aufzubauen und nicht kurzfristig unter Druck zu agieren. Wir wollen auf keinen Fall auf einmal viel Geld investieren und dann feststellen müssen, dass es der falsche Zeitpunkt war. Wir wollen auch nicht mehr Relationships, sondern mehr mit den Partnern investieren, von denen wir besonders überzeugt sind und mit denen besonders gute Beziehungen bestehen.
Mit der Diversifikation sollte man es allerdings auch nicht übertreiben: Wir wollen nicht den Index kaufen. Der ist auch im -Vergleich zu Aktien weniger interessant.

Ein in nur drei bis vier Jahren verdoppeltes Volumen sieht aber eher wie ein einziger sehr großer Schritt aus.

Wenn wir uns commiten, erfolgen die Abrufe über fünf Jahre. So schaffen wir eine Diversifikation über die Zeit.

Wie diversifiziert die Allianz regional?

Unsere Strategie zielt darauf ab, gleichgewichtet über die drei Kernregionen Amerika, Asien und Europa zu investieren. In Asien sind wir damit etwas übergewichtet, weil wir denken, dass dort die Wachstumsdynamik besonders groß ist.
Wichtig ist es, dann auch die entsprechenden Experten vor Ort zu haben. Seit 2002 haben wir in New York ein Büro. Wir begannen auch früh, seit 2003, in Asien zu investieren und eröffneten 2007 ein Büro in Singapur.

Spielt Venture Capital eine Rolle?

Ja, aber nur in geringem Maße. Unsere Venture-Capital-Quote liegt deutlich unter zehn Prozent. Wir streben solide und skalierbare Renditen an, und dafür eignet sich Venture Capital nicht besonders gut.
Die Region, in der wir in dieses Segment investieren, ist Asien. Ein Grund hierfür ist, dass wir dort zu den aus unserer Sicht wirklich guten Asset Managern einen besseren Zugang haben. Der zweite Grund ist, dass asiatisches Venture etwas anders tickt. In entwickelten Märkten nimmt man eher Technologie- als Marktrisiken. In Asien steht das Marktrisiko im Vordergrund, ist aber geringer, da man mit einem Produkt allein in China 100 Millionen Menschen erreicht – in Europa dagegen zum Beispiel nur zehn Millionen. Am Ende sind für uns die Ausfallraten im Portfolio relevant. Diese sind bei asiatischem Venture Capital geringer als in den entwickelten Märkten, wodurch sich unsere Rendite auf eine breitere Basis verteilt beziehungsweise die Skalierbarkeit erhöht.

Das komplette Interview lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von portfolio institutionell.

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