Schwarzer Schwan
7. Februar 2020

Schwein gehabt

Von Schwänen und Schweinen

Hört das denn nie auf? In ihrem Report „The Green Swan“ befürchtet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIS, dass der Klimawandel Zentralbanken im Sinne der Finanzstabilität als „Climate Rescuers of last Resort“ dazu zwingt, in großem Stil abgewertete Vermögenswerte zu kaufen, um so das Finanzsystem erneut zu retten.

Risikotechnisch war die Welt dagegen selbst in der Finanzkrise überschaubarer. Anleihen, wie die aus Griechenland, fallen eben aus, wenn der Emittent überschuldet ist – auch wenn es sich um Schulden eines europäischen Staates handelt, die doch eigentlich risikolos sein sollten. Überschaubarer war damals auch die Kapitalmarkt-Fauna. Auf den Märkten tummelten sich neben Bulle und Bär allenfalls schwarze Schwäne – und Schweine.

Schweine haben bekanntlich einen Zyklus. Ein Hoch erreichte der Schweinezyklus in der Finanzkrise. Damals war es dem italienischen Staat ein großes Anliegen, von den Anlegern nicht in einen Topf mit Griechenland geworfen zu werden. Die schnelle Popularität des wenig schmeichelhaften Akronyms PIIGS machte dieses Ansinnen zunichte. Heute ist für Italien eher wenig schmeichelhaft, dass vor kurzem die Rendite griechischer Staatsanleihen unter die der Government Bonds von Italien fiel. Vielleicht sollte man darum, anstatt ständig Schulden zu machen, einmal ein Sparschwein füllen?

Ein armes Schwein war vergangenen Sommer Paul Donovan, Chefökonom der Vermögensverwaltung der UBS. In einem Kommentar zu aufgrund einer Schweinegrippe gestiegenen Verbraucherpreisen in China sagte er: „Spielt das eine Rolle? Es ist wichtig, wenn du ein chinesisches Schwein bist. Es ist wichtig, wenn man gerne Schweinefleisch in China isst.“ Für Peking war der Kommentar unter aller Sau und man machte aus dieser Mücke einen Elefanten. Eine chinesische Propagandazeitung belehrte selbstbewusst: „Diejenigen, die in China Geld machen und das Land gleichzeitig beleidigen, sollten ihren Preis dafür zahlen.“ Oder: „Diejenigen, die das chinesische Volk beleidigen, müssen dafür zahlen. Ansonsten sind Rückfälle unvermeidlich, und Nachahmungstäter werden dazu verleitet, dasselbe zu tun.“ Die Kameradenschweine von der UBS knickten pflichtschuldig ein und beurlaubten Donovan vorübergehend. Der Appetit auf Schweinefleisch „Chop Suey“ dürfte Paul Donovan aber wohl dauerhaft vergangen sein.

Ein anderer Virus setzt China und seine Staatsführung nun aber selbst unter Druck. Der Ausbruch des Coronavirus führt unter chinesischen Staatsdienern sogar zu einem Hauch von Selbstkritik. Es wird von Unzulänglichkeiten in der Reaktion auf den Virus gesprochen und dass es bezüglich Krisenmanagement und Gesundheitssystem Verbesserungen brauche. Ein Gutes hat die Epidemie jedoch auch für die Staatsführung um Staatspräsident Xi Jinping: Der Coronavirus hat die Dauerproteste in Hongkong aus den Nachrichten verdrängt.  Tja, Schwein muss man haben.

Ein Wochenende voller Glück wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell.

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