Asset Manager
18. Oktober 2019

Scope fordert mehr Transparenz bei PRI-Ergebnissen

Ratingagentur untersucht 16 Vermögensverwalter. Nur wenige AM veröffentlichen PRI-Bewertungsergebnisse komplett.

Die Ratingagentur Scope hat sich in einem Bericht kritisch zu den Ergebnissen des Assessments durch PRI geäußert. Dabei kritisiert Scope insbesondere die mangelnde Transparenz vieler Asset Manager im Umgang mit den Ergebnissen. Die PRI-Unterzeichner werden seit 2014 jährlich hinsichtlich der Einhaltung der PRI-Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren bewertet. Die Einschätzung wird auf einer sechsstufigen Skala von A+ bis E getroffen. Manche Vermögensmanager haben ihre aktuellen Bewertungsergebnisse –zumindest teilweise –bereits veröffentlicht. Scope hat die 16 Vermögensverwalter betrachtet, deren PRI-Bewertungsergebnisse für das Jahr 2018 öffentlich zugänglich sind. Die Ergebnisse in dieser Gruppe sind demnach durchaus positiv:

  • Knapp 88 Prozent erzielen im Modul „Strategie & Governance“ die Bestnote A+ und schneiden daher besser ab als der Median aller Asset Manager, der A beträgt.
  • Sämtliche Asset Manager in der von Scope betrachteten Stichprobe haben in der Anlageklasse Aktien ESG-Faktoren überdurchschnittlich gut in ihren Research-und Investmentprozess integriert.
  • Sämtliche Asset Manager sind hinsichtlich ihres Umfangs und Erfolgs ihres aktiven Aktionärstums (Stimmrechtsausübungen und Dialoge mit den investierten Unternehmen) als überdurchschnittlich gut einzuschätzen.
  • 50 Prozent der Asset Manager wenden in den Anlageklassen „Staatsanleihen“ und „Industrieanleihen“ ESG-Faktoren überdurchschnittlich gut im Research-und Investmentprozess an.

Top-Ergebnisse auf Basis von Selbsteinschätzungen

Scope bewertet es als sehr positiv, dass sich die PRI-Mitunterzeichner seit 2014 einer jährlichen Beurteilung durch die PRI unterziehen. Der abschließende Beurteilungsbericht sei sehr detailliert und gebe Aufschluss über die erzielten Ergebnisse der Mitglieder in den einzelnen Modulen sowie den jeweiligen Median sämtlicher Ergebnisse. Als kritisch empfindet Scope jedoch, dass die Beurteilung durch die PRI-Organisation rein aufgrund einer Selbsteinschätzung der Unterzeichner erfolgt und hier bisher keine Attestierung der Korrektheit der Daten durch unabhängige Dritte erfolgt. Eine Folge: Viele PRI-Unterzeichner erzielten mittlerweile in etlichen Modulen Top-Ergebnisse. Hinzu komme, dass nicht alle bewertungsrelevanten Informationen, die in die Bewertung durch die PRI-Organisation einfließen, öffentlich zugänglich sind. Aus Sicht des Ratingagentur wäre im Umgang mit dem PRI-Bewertungsbericht weitere Transparenz wünschenswert. Bislang bleibe es den Unterzeichnern selbst überlassen, ob und in welcher Form sie ihre jährliche PRI-Beurteilung kommunizierten. Die Folge: Es bestehen zwischen den einzelnen Vermögensverwaltern erhebliche Unterschiede in Bezug auf Publikation und damit Vergleichbarkeit der PRI-Bewertungsergebnisse: Viele veröffentlichen ihre Ergebnisse gar nicht, manche veröffentlichen ihre Ergebnisse teilweise und nur ein Bruchteil der Vermögensverwalter sei bisher so transparent und veröffentlicht den kompletten PRI-Beurteilungsbericht. Scope erachte es als wünschenswert, dass die PRI-Organisation stärker auf ihre Mitglieder einwirkt, ihre Bewertungsergebnisse möglichst allen Marktteilnehmern und zugleich möglichst vollständig zur Verfügung zu stellen.

Seit 2006 mehr als 1.950 Unterzeichner

Die Principles for Responsible Investment (PRI) wurden 2006 von einer internationalen Gruppe institutioneller Investoren in Partnerschaft mit den Vereinten Nationen entwickelt. Die sechs Grundsätze sollen als Leitlinien für die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien bei Anlageentscheidungen dienen.

Per Ende 2018 haben sich den PRI weltweit mehr als 1.950 Unterzeichner mit insgesamt knapp 82 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen angeschlossen. Gegenüber 2017 entspricht das einem Zuwachs von 14 Prozent bei der Anzahl der Unterzeichner (1.714 in 2017) bzw. von 19 Prozent bei den Assets under Management (68,4 Billionen US-Dollar in 2017). Im ersten Halbjahr kamen weitere Unterzeichner dazu: Per Ende Juni 2019 hatten 2.470 Unternehmen weltweit die PRI-Initiative unterzeichnet. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 starteten 63 Unterzeichner.

Rund 55 Prozent der PRI-Unterzeichner stammen aus Europa. Den zweithöchsten Anteil mit knapp 25 Prozent repräsentieren die 650 PRI-Unterzeichner aus Nordamerika. Rund 70 Prozent der PRI-Unterzeichner sind Vermögensverwalter. Der Anteil der Kapitaleigner beläuft sich auf knapp 18 Prozent. Finanzdienstleister repräsentieren rund 12 Prozent. Die ersten deutschen Vermögensverwalter, die der PRI-Initiative beitraten, sind Allianz Global Investors und die DWS Group. Unter den jüngsten Mitgliedern aus Deutschland befinden sich beispielsweise Shareholder Value Management, Flossbach von Storch, Patrizia Immobilien und Lloyd Fonds. Insgesamt haben bis Ende Juli diesen Jahres 60 deutsche Asset Manager die PRI-Initiative unterzeichnet.

Auch 49 institutionelle Investoren

Auch bei den Kapitaleignern könnte das laufende Jahr ein Rekordjahr werden: bis Ende Juli haben bereits 49 die PRI unterschrieben, davon haben 30 ihren Hauptsitz in Europa. Unter den jüngsten Mitgliedern aus Deutschland befinden sich beispielsweise: das Land Hessen für sein Sondervermögen „Versorgungsrücklage des Landes Hessen“ (Mai 2019),  der LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster (August 2017) und die Bayerische (März 2017).

Die ersten PRI-Unterzeichnungen erfolgten, wie auch bei den Asset Managern, im April 2006, als 29 Kapitaleigner die PRI unterzeichneten. Unter diesen Gründungsmitgliedern befanden sich 13 europäische Kapitaleigner, beispielsweise der AP2 (Schweden) und das BT Pension Scheme (Großbritannien). Zu den ersten Kapitaleignern aus Deutschland, die der PRI-Initiative beitraten, gehören die Munich Re (April 2006), die KfW-Bankengruppe (September 2006) sowie die Landesbank Baden-Württemberg (Oktober 2009).

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