Schwarzer Schwan
31. Mai 2019

Skin in the Jail

Trump? Xi Jinping? Deichmann!

Schuhfabrikant Heinrich Deichmann zieht in einem Interview mit dem Handelsblatt regulierten Anlegern die Schuhe aus: Um jungen Firmen mehr Geld zukommen zu lassen, „müssen wir es endlich möglich machen, dass auch die großen Versicherungen und Pensionsfonds Risikokapital in den Venture-Capital-Bereich investieren dürfen und nicht länger nur in Staatsanleihen.“

Der Milliardär hats nicht schwer

Als Milliardär verfügt man eben über ein geordnetes Risikobudget. Der Milliardär hats also nicht schwer, in Risiko-Assets zu investieren. Der Gedanke an Venture Capital dürfte jedoch Versicherungen verunsichern.

Diejenigen, denen der Anfang des Jahrtausends erlittene Neuer-Markt-Schock noch immer in Knochen und Bilanz steckt, brauchen eine Anlagealternative zu Venture Capital. Warum also nicht mal chinesische Aktien? Aktien aus China bieten ein echtes Alignment of Interest und ganz viel Skin in the Game seitens der Repräsentanten der Aufsicht.

Hochkorreliert mit fallenden Kursen sind im Reich der Mitte nämlich Haftstrafen für die Chefs der Finanzaufsicht. Die FAZ beschreibt die Aufsicht über die Finanzmärkte als einen „der gefährlichsten Posten“. Denn: „Fallen die Kurse, kann es gut sein, dass der Chefregulator der Börse zunächst von der Parteiführung entlassen wird und nicht viel später von der Disziplinarkommission der Partei wegen angeblicher Korruption verfolgt wird und sich noch sehr viel später vor Gericht wiederfindet und schließlich für viele Jahre im Gefängnis.“

In der Baisse haben die „Verantwortlichen“ also Skin in the Jail. Genau betrachtet funktioniert eine Gefängnisstrafe aber nicht als Hedge für Investoren, die sich in chinesischen Aktien engagieren. Vielleicht sollten Staatspräsident Xi Jinping und seine Partei es einfach auch einmal akzeptieren, dass Aktien nun einmal fallen können – und zwar besonders tief, wenn sie hoch-geleveraged wurden. Diesen Auf-und-Ab-Zyklus kann man selbst dann nicht unterbinden, wenn man wie Jinping von Forbes zur mächtigsten Person der Welt gekürt wird.

Geht ein Investment schief, haben Anleger zwei Möglichkeiten. Man kann das Investment von einem kurzfristigen zu einem langfristigen deklarieren. Oder man beschreitet den Klageweg. In den bekannt klagefreudigen USA war jedoch auch schon einmal mehr zu holen. Laut Daten der SEC gingen gegen Unternehmen verhängte Geldbußen in den ersten 20 Monaten der Trump-Administration im Vergleich zu den letzten 20 Monaten der Obama-Regierung um 72 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zurück. Während das Justizministerium zu Obamas Zeiten noch 71 Verfahren anstrengten, waren es unter Trump nur 17. Trump hat eben wichtigeres zu tun. Zum Beispiel tweeten, golfen oder Mitarbeiter feuern.

Nach Lage der Dinge scheint eine Alternative zum chinesischen und amerikanischen Wirtschaftssystem vonnöten. „Wir brauchen eine öko-soziale Marktwirtschaft“, propagiert Heinrich Deichmann. So wird ein Schuh daraus!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio institutionell!

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