Versicherungen
5. Juli 2011

Solvency II: Lebensversicherer sind Wackelkandidaten

Ein Viertel der Unternehmen hätten eine Solvenzquote von unter 100 Prozent.

MÜNCHEN/ZÜRICH – Die Solvenzquoten der deutschen und britischen Lebensversicherer sind unter Solvency II kritisch. Für 25 Prozent der deutschen und 21 Prozent der britischen Unternehmen führt die Simulation in der fünften Feldstudie (QIS5) zu einer Solvenzquote von weniger als 100 Prozent.

Zu dieser Einschätzung gelangte die Unternehmensberatung Bain & Company, die gemeinsam mit Towers Watson in den vergangenen Monaten die Auswirkungen von Solvency II auf die wichtigsten Versicherer in den vier großen EU-Märkten Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien analysierte. Die Studie konzentriert sich auf zwei entscheidende Kennzahlen: die Solvenzquote und die risikoadjustierte Profitabilität.

Die wesentliche Ursache für das schwache Ergebnis deutscher und britischer Lebensversicherer ist deren hoher Anteil bei Rentenversicherungen mit langen Laufzeiten. Jede vierte deutsche Lebensversicherung ist heute als Rentenversicherung ausgestaltet, mit deutlich steigender Tendenz. In Frankreich und Italien sind es weniger als zehn Prozent. Diese langlaufenden, traditionellen Lebensversicherungen mit einer garantierten Verzinsung erfordern unter Solvency II eine hohe Kapitaldeckung. Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist in Deutschland zudem die Diskrepanz zwischen den Laufzeiten der Versicherungsverträge und des angelegten Vermögens besonders hoch.

_Deutsche Schaden-/Unfallversicherer stehen vergleichsweise gut da

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Schaden- und Unfallversicherern, hier stehen die deutschen und britischen Häuser vergleichsweise gut da. Lediglich acht Prozent der simulierten Versicherer in Großbritannien und kein einziger der untersuchten deutschen Versicherer hat Solvenzquoten gemäß QIS5 von unter 100 Prozent, obwohl europaweit in dieser Sparte das benötigte Kapital im Vergleich zu Solvency I um mehr als 200 Prozent steigen wird.

Die Hälfte der italienischen Sachversicherer weist dagegen in der Simulation eine Solvenzquote von weniger als 100 Prozent aus. Der Grund ist ein ungünstiger Produktmix. In Italien ist der Anteil der Kfz-Versicherungen in dieser Sparte mit rund 50 Prozent erheblich größer als in den anderen europäischen Märkten. Außerdem liegt die Gesamtkostenquote in diesem hart umkämpften Versicherungszweig in Italien bei nahezu 110 Prozent der Prämien. Das belastet die Eigenmittel und damit die Solvenz.

Die zweite entscheidende Kennzahl unter Solvency II ist die erwirtschaftete Rendite auf das eingesetzte Kapital. In der Lebensversicherung gibt es erhebliche Unterschiede zwischen traditionellen und fondsgebundenen Produkten. Während die traditionellen Produkte im europäischen Durchschnitt eine leicht negative risikoadjustierte Rentabilität von minus einem Prozent ausweisen, glänzen die fondsgebundenen mit zum Teil zweistelligen Renditen. Noch attraktiver ist aus Ertragssicht die Risikolebensversicherung. Im Durchschnitt ergab die Simulation hier Renditen von 17 Prozent.

Bei den Sachversicherern bewahrheitet sich eine landläufige Meinung: Mit Kfz-Haftpflicht ist kein Geld zu verdienen. Die risikoadjustierte Rentabilität liegt im europäischen Durchschnitt bei minus drei Prozent; mit Ausnahme von Großbritannien liegt sie auch bei der Versicherung von Eigentum und Gebäuden im negativen Bereich.

portfolio institutionell newsflash 06.07.2011/kmo/jan

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