Alternative Anlagen
4. Dezember 2019

Viele Bäume sind noch kein Wald

Monokulturen, Landflucht und Kahlschlag: Timber-Investments in Emerging Markets müssen nicht automatisch ein Beitrag für den Umweltschutz sein, im Gegenteil: Häufig schaffen sie vielfache Umwelt-­ und auch soziale Probleme. Doch hier nachhaltig zu investieren ist möglich, manchmal über einen Umweg namens Agroforestry.

Auch bei Forest Finance fungiert das FSC-Siegel als ein Mindeststandard. „Wir kaufen Flächen aus der Viehwirtschaft, die nicht entwaldet werden – Landgrabbing ist bei uns tabu“, sagt Harry Assenmacher. Darüber hinaus verfolgt Forst Finance zudem eine Klimazertifizierung für Kohlenstoffbindung nach dem „Goldstandard“. „Für diese Zertifizierung muss der Käufer zum Beispiel belegen, dass der Verkäufer mit dem Erlös nicht irgendwo anders Waldflächen kauft und diese abholzt, um dort beispielsweise Viehwirtschaft zu betreiben.“

Auch der Berater und Operator 1-2-Tree Finance GmbH zertifiziert nach FSC und Goldstandard. Er konzentriert sich ausschließlich auf institutionelle Kunden. Den Investmentansatz beschreibt 1-2-Tree-Founder und CEO Richard Focken als langfristiges, nachhaltiges ­Engagement: „Wir erzeugen einerseits langfristig bewirtschaftete ­Wälder, bei denen eine regelmäßige Entnahme erfolgt. Diese kombinieren wir mit laufenden Erträgen aus Baum-basierten Agroforst-­Kulturen wie nachhaltiger Kakao, Kaffee oder Nüsse. Dadurch ergibt sich –  je nach Investoren-Bedürfniss – eine Kombination aus laufenden und längerfristigen Erträgen. Bei standortgerechten Wäldern ­lassen wir eine Art natürliche Verjüngung auch durch andere Arten zu, um die Biodiversität zu steigern und den Gesamtwald resistenter zu machen gegen Umwelteinflüsse. Dafür werden auf der forstlichen Ebene sehr unterschiedliche Baum- und Strauch-Arten genutzt.“

Richard Focken glaubt denn auch, dass ein Investment in nachhaltige Waldwirtschaft im Gegensatz zu herkömmlichen Holzinvestments zunächst etwas Rendite kosten kann, die aber langfristig durch höhere­ Projektsicherheit und auch lokale Wertentwicklung für die Menschen vor Ort kompensiert wird. „Im Großen und Ganzen kann man mit ­einer IRR zwischen fünf und acht Prozent für nachhaltige Projekte rechnen. Renditeversprechungen über zehn Prozent sind bei reinen Forstinvestments meist nicht haltbar oder werden in der Praxis nie ­erfüllt“, meint Focken. Bei den eigenen Investments bewegten sich die Renditen in den vergangenen Jahren bei um die sechs Prozent im Forstbereich und acht Prozent plus bei Agroforst-Systemen.

Kakao und Schattenbäume

Agroforst-Projekte seien denn auch eine gute Alternative zu reinen Forstinvestments, so Focken. „Reine Waldinvestments benötigen viel Geduld und sind für viele Investoren daher oft nicht interessant“, so Focken. Daher bietet 1-2-Tree ein Mischportfolio kombiniert mit Agroforstprojekten, wo zum Beispiel Kakao in Kombination mit Schattenbäumen angebaut wird. „Aus Sicht des Klimaschutzes absorbiert so eine Plantage nur etwa zehn bis zwanzig Prozent weniger CO₂ wie ein normaler Wald, hat aber zugleich einen höheren Social Impact. Durch den in die Projekte integrierten Bau von Schulen und Fortbildungsmaßnahmen wird die Ausbildung der angebundenen Familien ­gefördert. Zudem ist das Rendite-Profil interessant und es gibt schneller­ jährliche Ausschüttungen als bei reinen Forstinvestments“, erklärt Richard Focken die Vorteile. 1-2-Tree investiert mit seinem ­Sustainable Agroforestry Fund (SAF) zum Beispiel in Guatemala, ­Panama, Kolumbien und Ecuador in nachhaltige Kakaoproduktion. „Unser Fonds investiert in Form von Private Equity in bereits etablierte­ landwirtschaftliche Betriebe in Lateinamerika mit dem Ziel, diese in produktive, sozial verantwortliche und nachhaltige Firmen umzuwandeln“, so Focken. Der Markt für Kakao sei besonders geeignet, denn er sei hoch fragmentiert und Kleinbauern lebten oft unter der Armutsgrenze. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach Kakao weltweit an.

Ein weltweites Regime der CO₂-Bepreisung und ein höherer CO₂-Preis könnten helfen, reine Waldinvestments attraktiver zu machen, meint Focken: „Bei einem CO₂-Preis von 20 Euro pro Tonne wäre ein Zusatzwert von 4.000 Euro pro Hektar Wald erreicht und bei einem CO₂-Preis von 100 Euro wären 20.000 Euro pro Hektar erzielbar. Das wäre dann auch von der Rendite her für reine Finanzinvestoren sehr interessant.“ Denn wenn der CO₂-Preis hoch genug sei, hätten Waldeigentümer viel weniger Druck abzuholzen. „Klimazertifikate, mit d­enen sie Geld verdienen, könnten dann mit den erzielbaren ­Holzpreisen gegengerechnet werden“, erklärt Focken.

Investoren, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, sollten vor allem auf ­eine gute Due Diligence achten, gerade was die Faktoren Environmental und Social von ESG angeht. Noch ist ein hoher CO₂-Preis ­Zukunftsmusik. Doch wer als Waldinvestor lange dabei bleibt, könnte bei künftig deutlich höheren CO₂-Preisen zusätzlich profitieren.

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