Versicherungen
25. September 2019

Viele Lebensversicherungen „angezählt“

BDV: Ein Viertel aller Lebensversicherungen ohne Gewinne oder mit zu geringer Solvenz. Versicherungen in Abwicklung besonders betroffen.

Eine Analyse der Solvenzquoten der deutschen Lebensversicherer durch den Bund der Versicherten (BDV) kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Demnach seien ein Viertel aller Lebensversicherer „angezählt“. Zwölf Unternehmen hätten nur durch die Übergangsmaßnahmen ausreichend Solvenz.  Auch erwarten zwölf Unternehmen künftig keine Gewinne. Zusammengerechnet erwarten somit 21 der untersuchten 84 Unternehmen keine Gewinne oder haben zu geringe Solvenzquoten. „Uns besorgt, dass ein Viertel der Versicherungsunternehmen nur durch Übergangsmaßnahmen genügend Solvenz aufweist oder strukturell auf Verlust fährt“, sagte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BDV, dazu. Kritisch betrachtet der BDV auch sinkende Risikomargen in der ganzen Branche. Der Markt trifte aus Sicht des BDV zunehmend auseinander: Bei einer Mehrheit der Versicherungen zeige sich, dass sich Verlusterwartungen oder überzogene Gewinnerwartungen verstärken.

Besonders Run-Off gefährdet

Besonders Lebensversicherer, die sich gerade in Abwicklung mittels eines Run-Offs befinden, hätten besonders geringe Solvenz. „Offensichtlich sind die Managerinnen und Manager der Run-Off-Unternehmen in Sachen Solvenz sehr risikofreudig“, so Kleinlein. Diese Gesellschaften zeichneten sich zudem durch besonders große Intransparenz aus, so Carsten Zielke, Geschäftsführender Gesellschafter der Zielke Research Consult GmbH, der an dem Gutachten beteiligt war. Betrachtet man Run-Off-Plattformen für die klassische Lebensversicherung, betrage die reine Solvenz lediglich 37 Prozent. „Offensichtlich zielen die Run-Off-Versicherer darauf ab, Gewinne abzuschöpfen ohne die Solvenz und damit die Sicherheit des Unternehmens zu stärken“, so Kleinlein. Bezüglich der Run-Off-Plattformen hatte der BDV zusammen mit dem Vermittlerverband AFW bereits im August auf gesetzlichen Handlungsbedarf hingewiesen.

Hinsichtlich der Zukunftsaussichten der Branche findet Kleinlein klare Worte: „Es ist besorgniserregend, dass ein Viertel der Unternehmen zwei der grundlegenden Voraussetzungen für ein dauerhaft funktionierendes Geschäftsmodell nicht aufweisen. Dies sind deutliche Anzeichen für eine langandauernde und tiefgreifende Krise der Deutschen Lebensversicherer. Wir erwarten mindestens zunehmend ineffiziente Verträge bis hin zu Insolvenzen von Unternehmen.“ Positive Worte findet der BDV hinsichtlich der Solvenzberichte: Hier sei die Transparenz insgesamt gestiegen. Der GDV war in ihrer Analyse der Solvenzberichte der Lebensversicherer zu einem sehr positiven Ergebnis gekommen. Die durchschnittliche Bedeckungsquote ohne Übergangsmaßnahmen habe sich gegenüber dem Vorjahr von 266 Prozent auf 317 Prozent verbessert.

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