Pensionsfonds
25. Juni 2019

Vier Bundesländer entwickeln Nachhaltigkeitsindizes

Stoxx gewinnt Ausschreibung. Involviert sind Pensionsfonds von Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Die Pensionsfonds von vier Bundesländern nutzen für ihre Kapitalanlage künftig vier klimafreundliche Nachhaltigkeitsindizes. Wie die Deutsche Börse meldet, hat deren Index-Betreiber Stoxx nach einer Ausschreibung zur Lizenzierung von vier klimafreundlichen Nachhaltigkeitsindizes den Zuschlag als Anbieter erhalten. Die Bundesländer sind: Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Lizenzierung betreffe die Replikation der Indizes durch Vermögenswerte im Wert von mehr als sieben Milliarden Euro.

„Nachhaltigkeit ist unsere Richtschnur – das gilt auch für unsere Geldanlagen“, lässt sich Baden-Württembergs Finanzstaatssekretärin Gisela Splett in der Pressemitteilung zitieren. „Wir investieren unser Vermögen verantwortungsbewusst – also rentabel, sicher und auch unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten.“

Willem Keogh, Head of ESG, Thematic and Factor Solutions bei Stoxx, sagte: „Die Auftraggeber suchten nach einer angemessen nachhaltigen Indexlösung mit reduzierten CO2-Emissionen, die ihnen erlauben würde, sowohl Nachhaltigkeits- und Klimarisiken zu managen als auch ein attraktives Risiko-Rendite-Profil zu erzielen. Wir sind stolz, dass unsere Stoxx-Lösungen diese Anforderungen erfüllen und damit Impulse für eine CO2-arme Wirtschaft und einen Beitrag zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens leisten können.“

Stoxx arbeitet mit den Datenpartnern Sustainalytics für Nachhaltigkeitsdaten und CDP für CO2-Daten zusammen. Sustainalytics stellt Klassifizierungs- und Ratingmodelle zur Verfügung; CDPs Scoring-Methode für Klimaforschung bewertet die klimarelevante Unternehmensführung, Strategie, Risiken und Chancen, Ziele und Verantwortungsübernahme eines Unternehmens.

Weitere Details zu der Ausschreibung teilt das Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen mit. Demnach habe man die Entwicklung von zwei nachhaltigen Aktienindizes vorangetrieben: einen Aktienindex für die Eurozone, einen für außerhalb der Eurozone. Das Pensionsvermögen der vier Länder wird überwiegend von der Deutschen Bundesbank passiv verwaltet. Die Aktienportfolios haben derzeit ein Gesamtvolumen von rund 3,6 Milliarden Euro.

Mit der Umstellung werden die Länder laut dem NRW-Finanzministerium ihr Aktienvermögen nur noch in Unternehmen investieren, die in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung auf Basis zahlreicher Kennzahlen zu den am besten bewerteten zählen. Dabei gelten insbesondere internationale Normen und Standards zum Schutz der Umwelt sowie ethische und soziale Kriterien, die von der UN formuliert wurden. Ausgeschlossen sind Geschäftsfelder und Praktiken, die sozialen oder ethischen Grundsätzen widersprechen. Unternehmen, die Atomenergie produzieren, sind im Wesentlichen ausgeschlossen. In einer besonderen Variante werden beide Indizes auch mit einem zusätzlichen Ausschluss der Gewinnung fossiler Brennstoffe („fossil free“) sowie der CO2-intensivsten Unternehmen berechnet.

„Das Konzept der Nachhaltigkeit ist für die öffentliche Verwaltung heute genauso wichtig wie in der privaten Wirtschaft“, sagte Dr. Patrick Opdenhövel, Staatssekretär im Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Land verfolgt seit geraumer Zeit eine Nachhaltigkeitsstrategie, die wesentliche Ansätze für eine langfristig erfolgreiche Entwicklung des Landes benennt. Im Bereich Finanzen sind Nachhaltigkeitsanleihen beispielsweise fester Bestandteil des nordrhein-westfälischen Kapitalmarktauftritts. „Jetzt auf nachhaltige Kapitalanlagen zu setzen, ist der logische nächste Schritt“, erläuterte Opdenhövel, „denn die neuen Indizes ermöglichen uns, die landeseigene Nachhaltigkeitsstrategie auch im Aktienbereich umzusetzen.“ Mit Blick auf den Pensionsfonds des Landes Nordrhein-Westfalen werden nun schrittweise 1,4 Milliarden Euro, die noch in börsengehandelte Indexfonds investiert sind, in die neue, nachhaltige Indexstruktur überführt. Dies entspricht annährend zwölf Prozent des Gesamtvolumens des nordrhein-westfälischen Pensionsfonds, der Ende 2018 ein Volumen von 11,9 Milliarden Euro aufwies.

Regionale Besonderheiten werden berücksichtigt

Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Hessen sind laut dem Düsseldorfer Ministerium in einer länderübergreifenden Initiative gemeinsam vorgegangen und hatten zunächst in einem Kooperationsprojekt zusammen mit der Deutschen Bundesbank begonnen, für einen neuen nachhaltigen Aktienindex gemeinsame Nachhaltigkeitskriterien unter Berücksichtigung der eigenen Vorgaben zu entwickeln. Die Entwicklung der Indizes in den Varianten mit und ohne Ausschluss fossiler Energiegewinnung ermöglicht den beteiligten Ländern, im Rahmen des gemeinsamen Konzepts regionale Besonderheiten und energiepolitische Entscheidungen auf Landesebene zu berücksichtigen. Zu den regionalen Besonderheiten NRWs zählt nach Informationen von portfolio institutionell die Energiewirtschaft in diesem Bundesland, die stark von der Kohlenutzung abhängig ist.

Im September 2018 sei dann eine europaweite Ausschreibung in Form eines Verhandlungsverfahrens mit Teilnahmewettbewerb zur Suche eines Anbieters für zwei nachhaltige Aktienindizes inklusive des notwendigen Nachhaltigkeitsresearchs gestartet worden. Stoxx soll deren Konstruktion sowie die laufende Berechnung und Pflege übernehmen. Die passive Nachbildung dieser Indizes erfolgt entweder durch die Bundesbank oder durch das jeweilige Land.

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