Strategien
28. Januar 2020

101 Milliarden Euro für europäische ETFs

Rekordzufluss in 2019 führt zu Marktanteil von sieben Prozent. Starke Zuwächse für Anleihen und ESG-Strategien.

Zum ersten Mal erreichten europäische ETFs 2019 einen Zufluss von 100,8 Milliarden Euro, was einen Rekord markiert. Damit erhöhte sich das Gesamtvermögen auf 870 Milliarden Euro und verzeichnete ein Plus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist das Ergebnis eines beschleunigten Wachstums in Europa in den vergangenen fünf Jahren (+20 Prozent) im Vergleich zum Wachstum des weiter vorangeschrittenen US-Marktes (+19 Prozent). Diese Daten stammen aus dem „Money Monitor 2019“ von Lyxor ETF Research.

ETFs machen damit nun laut Lyxor sieben Prozent des gesamten europäischen Fondsvermögens aus (2018: sechs Prozent). Dabei entfallen 69 Prozent auf Aktien-ETFs, 27 Prozent auf festverzinsliche Wertpapiere, 27 Prozent auf Rohstoffe und die restlichen drei Prozent auf andere Anlageklassen.

In den USA mehr Geld passiv als aktiv investiert

Der ETF-Anteil von sieben Prozent liegt deutlich unter dem Wert in den USA. In den Staaten brachten im August 2019 passiv verwaltete Fonds erstmals mehr Gewicht auf die Waage als die Fonds aus dem aktiven Lager. Gemäß Daten von Morningstar betrug das gesamte Anlagevolumen von passiv verwalteten Fonds 4,27 Billionen Dollar, bei aktiven Fonds 4,25 Billionen Dollar. Wie eine weitere Auswertung von Morningstar-Daten durch portfolio institutionell ergab, lagen Ende September 2019 etwa sieben Prozent des Marktvolumens deutscher Aktien in Indexfonds und ETFs. Relevanter ist jedoch die Relation zum Freefloat, womit sich ein Wert von neun Prozent ergab.

Jahr der Anleihen-ETF

Mit Zuflüssen von rund 54 Milliarden Euro war für Lyxor 2019 war „ohne Zweifel das Jahr der Anleihen“. Damit stieg das Gesamtvermögen auf 234 Milliarden Euro gegenüber 152 Milliarden Euro im Jahr 2018. Die europäischen Anleger wandten sich höheren Renditechancen zu (Unternehmensanleihen, US-Staatsanleihen, Anleihen aus Schwellenländern, Hochzinsanleihen). Dabei war für sie die geografische Diversifizierung, vor allem außerhalb Europas, entscheidend. Nachdem es mehrere Jahre gedauert hat, bis das Segment der festverzinslichen ETFs in Schwung gekommen ist, ist der in den vergangenen fünf Jahren beobachtete Trend mit durchschnittlichen jährlichen Zuflüssen von 26 Milliarden Euro solide und widerstandsfähig.

Rekordzuflüsse für ESG- und Smart-Beta-ETFs

Regulatorische Veränderungen und ein wachsender Bedarf an nachhaltigen Anlageinstrumenten über das gesamte Anlegerspektrum hinweg haben einen Boom im ESG-Segment ausgelöst. Dieses erzielte im vergangenen Jahr ein Rekord-Neuinvestitionsvolumen von 16,5 Milliarden Euro. Damit erhöhte sich das verwaltete Gesamtvermögen auf 30,5 Milliarden Euro. Auch Smart Beta ETFs verzeichneten mit kumulierten Zuflüssen von 9,4 Milliarden Euro in 2019 ein Rekordwachstum. Die Gelder flossen hauptsächlich in die Strategien Income Generation, Value und Minimum Volatility/Minimum Variance.
Vincent Denoiseux, Leiter des Bereichs ETF Resarch and Solutions bei Lyxor Asset Management: „Der Marktanteil der ETFs ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Das unterstreicht die zunehmende Akzeptanz bei den europäischen Anlegern.“

I-Shares nutzt den ETF-Boom

Auf der Anbieterseite konnte von den Zuflüssen vor allem I-Shares profitieren. Das weltweit von der Blackrock-ETF-Tochter verwaltete Vermögen übertraf 2019 die Marke von zwei Billionen Dollar. Zum Jahresabschluss verbuchte I-Shares nach eigenen Angaben unter dem Strich weltweit 185 Milliarden Dollar frisches Kapital, der Marktanteil belief sich auf 33 Prozent. Das allein in Anleihen-ETFs weltweit verwaltete Vermögen übertraf die Marke von einer Billion Dollar. Innerhalb des Anleihen-Segmentes kam I-Shares zum Jahresende 2019 auf mehr als 47 Prozent Marktanteil, die Nettozuflüsse summierten sich auf 112 Milliarden Dollar.

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