Stiftungen
13. Oktober 2020

90 Prozent der Stiftungsfonds mit hohen Kostenquoten

18 Fonds zehren mehr die Hälfte der Erträge auf. ETFs und Vermögenspooling-Fonds als Alternative.

Die Wettlauffer Wirtschaftsberatung hat die Kostenquoten von 53 in Deutschland angebotenen Stiftungsfonds analysiert. Demnach hat mit 90 Prozent der Großteil Gesamtkosten, welche mehr als 30 Prozent des erwarteten Durchschnittsertrags betragen. Bei 18 Fonds liegen die Kosten sogar bei mehr als der Hälfte der Erträge. Ein Fonds hat sogar höhere Kosten als Erträge.

Hinzu kommt, dass ein Teil der günstigen Fonds aufgrund der Mindestanlagesumme zwischen einer und zehn Millionen Euro für kleinere Stiftungen ungeeignet seien. Es scheint aber dennoch Möglichkeiten zu geben auszuweichen: Vier auch für kleinere Stiftungen zeichnenbare Fonds mit niedrigen Kosten wurden in der Untersuchung identifiziert. Grund laut Wettlauffer hier: Der fehlende (Banken-)Vertrieb und somit geringere Vertriebskosten.

Nicht zuletzt gesetzlich bestünde Handlungsbedarf, da Stiftungen gesetzlich verpflichtet sind, ihre Mittel sparsam einzusetzen, so eine Meldung. „Bei Kostenquoten von mehr als 30 Prozent wird dieser Grundsatz verletzt“, heißt es hier. Das heißt, die Anlage in solche Fonds ist unrechtmäßig. Hintergrund ist, dass die Renditen defensiver Stiftungsfonds infolge des aktuellen Marktumfelds gesunken sind, während die Kostenbelastungen weiterhin auf relativ hohem Niveau liegen.“

Kosten bislang ignoriert

„Bisher haben viele Stiftungsverantwortliche die Vermögensverwaltungskosten ignoriert und vor allem auf Ausschüttungen geachtet“, so Studienautor Frank Wettlauffer. „Durch die geringeren Erträge und der gesetzlich geforderten Transparenz der internen Fondskosten fällt jetzt allerdings auf, dass die Kosten einen Großteil der Erträge aufzehren. Sowohl die Stiftungen aber auch die Stiftungsaufsichten können spätestens nach dieser Studie die Kostenproblematik nicht mehr ignorieren. Das Bezahlen von Bankern ist keine gemeinnützige Tätigkeit.“ Er empfiehlt als Alternative kostengünstige ETFs und Vermögenspooling-Fonds, die von den Stiftungen selbst initiiert werden. Und sieht großen Nachholbedarf: „Wenn Stiftungen sich etwas mehr für die Kapitalanlagen engagieren würden, könnten sie erhebliche Kosten sparen. Das wäre nicht nur stiftungsgerecht, sondern würde die Erträge und damit die verfügbaren Mittel für die Stiftungsarbeit signifikant steigern“, so Wettlauffer weiter.

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