Pensionsfonds
6. Februar 2023

„Wir lernen in nahezu jeder Situation etwas dazu“

Der Evonik Pensionstreuhand e.V. des Spezialchemieunternehmens Evonik Industries gewann 2022 den portfolio institutionell Award in der Kategorie „Bester Pensionsfonds / CTA“. Im Interview blickt Hinnerk Breuer, der damals den Award entgegennahm, auf das Bewerbungsverfahren und die entscheidenden Kriterien zurück, die zum Erfolg geführt haben.

Die Evonik Pensionstreuhand hat im vergangenen Jahr den Award in der Kategorie „Bester Pensionsfonds/CTA“ gewonnen. Bringt Sie dieser bemerkenswerte Sieg in der täglichen Arbeit rund um die Kapital­anlage weiter?

Die Awards sind in vielerlei Hinsicht hilfreich. Generell ist es schwer, die Qualität der Kapitalanlage in unserem Bereich zu kommunizieren. Es gibt keine einfache und eingängige Benchmark, anhand derer wir uns messen oder gar vergleichen könnten. Auch haben wir es mit einer Vielzahl von branchenfremden Stakeholdern zu tun, die abgeholt werden müssen. Wenn die Märkte zu unseren Gunsten laufen, ist es natürlich einfach. Wenn wir es aber mit Jahren wie 2022 zu tun haben, in denen es kaum „­Verstecke“ gab und die vermögensseitige Performance deutlich negativ ausfällt, wird es komplexer zu erklären, warum man trotzdem einen guten Job gemacht hat. Hier sind solche Auszeichnungen natürlich ein wichtiger Baustein, vor allem, wenn sie aus einem etablierten Format wie portfolio institutionell und von einer kompetenten Jury kommen.

Wie groß war der Aufwand für die Bewerbung?

Den Aufwand für die Awards ist gut machbar. Die Bewerbungen umfassen etwa 15 Seiten Text. Zunächst wird jede Frage neu gedacht und beantwortet. Mit etwaigen Antworten aus den Vorjahren findet ein Abgleich statt. Somit liefern die Antworten und der Weg dahin auch immer die Möglichkeit zur Reflexion der eigenen ­Tätigkeit. Man schaut sich an, was haben wir vor ein, zwei, vier Jahren gemacht, wie hat sich das entwickelt, was machen wir heute und was könnte man in Zukunft vielleicht noch anpacken. In nackten Zahlen beträgt der Aufwand heute also etwa eine Woche für eine Person pro Award. Der Nutzen geht aber deutlich über den bloßen Award hinaus.

Worin besteht aus Ihrer Sicht der Nutzen, der mit dem Award-Gewinn verbunden ist?

Der Award ist vor allem in der internen Kommunikation nützlich: Jeder Mitarbeitende möchte seine Pensionsgelder in ­guten Händen wissen. Er erhöht aber auch die Visibilität nach außen. Dies kann bei der Ansprache von Geschäftspartnern ­interessant sein und die Gesprächsführung vereinfachen.

Die Fachjury hob im Hinblick auf Ihre ­Kapitalanlagen hervor, dass sich das Evonik Pension Asset Management Team, wenn möglich, der Inhouse-Expertise aus der ­Forschungsabteilung von Evonik bedient. Wie arbeiten Sie hier konkret zusammen?

Das gesamte Pension Asset Management Team hat einen Bankenhintergrund. Das bringt Fachwissen in Finanzthemen mit, welches im Investment Management unerlässlich ist. Allerdings ist, gerade auch im Bereich der illiquiden Investments wie Infrastruktur und Immobilien, nicht selten sehr tiefgehendes Expertenwissen ein entscheidender Selektionsvorteil. Durch den industriellen Hintergrund der Treugeber haben wir Zugang zu einer breiten ­Palette an Expertenwissen zu Themen wie Anlagenbau, Immobilienmanagement, Pipelinemanagement, Rohstoffen und manchmal auch fremder Regulierung. Wenn wir den Eindruck haben, bestimmte Investments können von solchem Wissen profitieren, arbeiten wir daher gerne mit unseren finanzfernen Kollegen zusammen. Hiermit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Außerdem hat die Jury die Flexibilität in der Kapitalanlage hervorgehoben und hier die Durationssteuerung gelobt. Ist Flexibilität heute ein wesentlicher Erfolgsfaktor, um in den volatilen Märkten erfolgreich zu sein?

Dies ist ein komplexer Punkt. Bei der ­Flexibilität ist eine systematische und ­risikokontrollierte Herangehensweise ­vonnöten. Ist man nämlich zu rigide unterwegs, besteht die Gefahr, dass man bei ­Krisen auf dem falschen Fuß erwischt wird und es unter Umständen zu Handlungszwang kommt. Ist man auf der anderen ­Seite zu flexibel, läuft man Gefahr, allen Trends hinterherzurennen und systematisch eine Underperformance zu erzeugen. Wir haben uns daher ein strategisches ­Korsett gegeben, welches regelmäßig, oder bei signifikanten Umbrüchen, wie jetzt zum Beispiel beim aktuellen Zins-Shift, ­adjustiert wird. Auf dieser Basis agieren wir taktisch mit Abweichungen und ­Nischenthemen, um die Problematik einer zu steifen Asset-Allokation zu vermeiden. Die Kombination und das Austarieren ­dieser beiden Leitlinien sehen wir als ­Kernelement unserer Tätigkeit für das ­Investmentvermögen. Bezogen auf die ­Durationssteuerung waren wir aufgrund der immer wichtiger werdenden „zinslosen Risiken“ immer zurückhaltender geworden und haben uns innerhalb unseres selbst­gesteckten Rahmens frühzeitig für einen LDI-light Ansatz entschieden.

Jury-Lob gab es auch für Ihr Nachhaltigkeitskonzept, den ESG 2.0-Ansatz.

ESG ist ein altes Thema, versehen mit ­einem relativ jungen Schlagwort. Vor allem das Achten auf eine gute Corporate ­Governance der Zielinvestments und die Notwendigkeit eines nachhaltigen Geschäftsmodells, das nicht auf Ausbeutung öffentlicher Güter beruht, sind keine neu entdeckten Tugenden. Aktuell wird versucht, die Themen messbar zu machen, was mal besser, mal weniger gut gelingt. Wir versuchen, nicht nur auf die Ratings zu schauen, sondern uns zu fragen: „Was ist für gewünschte Entwicklungen im ESG-Rahmen notwendig, welche Unternehmen sind vielleicht gerade in einem Transformationsprozess, und was könnte aus ESG-Überlegungen heraus in Zukunft interessant werden, ist aber noch nicht im ­kollektiven Bewusstsein angekommen?“ Wir versuchen, mit ESG 2.0 ganzheitlich auf die Vermögentöpfe zu schauen, was ­bedeutet, dass wir uns nicht nur die Kategorisierung bei den liquiden Assets anschauen, sondern uns besonders viele Gedanken über die richtige Einordnung und Maßgabe bei den illiquiden Investments wie Immo­bilien, Infrastruktur und Private Equity ­machen.

Welche Lektionen haben Sie 2022 gelernt?

Auf jeden Fall eine Menge. Teilweise ist es auch einfach nur die Validität alter Proverbien wie „Aufwärts nehmen Märkte die Treppe, abwärts geht es im Aufzug“. Bezogen auf Zinsen muss man das zwar umkehren, aber die Geschwindigkeit und Intensität, die wir 2022 beobachten durften oder mussten, ist wohl etwas für die Geschichts­bücher. ­Insbesondere der Gleichlauf bei Aktien und Renten war ein toxisches Gemisch. 2022 wird auf jeden Fall wie 2008 ein festes Stressszenario für unsere Risikosimulationen werden. Für die illiquiden Investments wird es bewertungstechnisch 2023 noch spannend werden. Das Schöne im Asset Management ist, dass wir in nahezu jeder Situation etwas dazulernen.

Hinnerk Breuer kümmert sich als Senior Pensions Asset Manager bei Evonik Industries hauptsächlich um das CTA-Vehikel Evonik Pensionstreuhand e. V. Das CTA wurde im Jahr 2010 aufgelegt, um die Schwankung der Pensionsverbindlichkeiten in der Bilanz des im M-Dax gelisteten Spezialchemiekonzerns abzumildern.

Unter diesem Link können Sie institutionelle Investoren für den Auswahlprozess 2023 nominieren.

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