Pensionskassen
4. Februar 2026

„Es braucht eine ehrliche Neubewertung der gesetzlichen Rentenversicherung“

Nachdem die sogenannte Alterssicherungskommission ihre Arbeit aufgenommen hat, meldet sich nun Beate Petry zu Wort. Laut der ABA-Chefin müsse das Expertengremium drei zentrale Aufgaben erfüllen.

Mit der im Januar 2026 eingesetzten Alterssicherungskommission beginnt in der Bundesrepublik ein weiterer Versuch, die Alterssicherung langfristig auf stabile Beine zu stellen. Vor diesem Hintergrund meldet sich nun Beate Petry zu Wort.

In einem Kommentar macht die Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (ABA) deutlich, dass für die betriebliche Altersversorgung (bAV) die Geringverdienerförderung, mögliche obligatorische Elemente, eine stärkere Verbreitung in KMU sowie mehr Transparenz und Vereinfachung bei Durchführungswegen und steuerlicher Förderung auf der Agenda stünden. Petry, die außerdem als Head of Global Pensions bei BASF und Vorstandsvorsitzende der BASF-Pensionskasse tätig ist, erklärt, dass die Kommission zweifellos wertvolle Expertise liefern könne. Sie dürfe aber nicht zum politischen Schutzschild werden, „hinter dem sich die Politik versteckt. Wer Reformen wirklich will, braucht Mut zum Handeln. Die Zeit zum Handeln ist JETZT.“

Mut zum Handeln gefordert

In ihrem Kommentar gibt die Betriebsrentenspezialistin zu bedenken, dass die Alterssicherungskommission ihre Arbeit in einer Phase startet, in der die Alterung der Gesellschaft längst kein Zukunftsszenario mehr sei, sondern ein struktureller Fakt. Die Zahl der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler werde sinken, „die Zahl der Rentenbeziehenden steigt, Lebenserwartung und damit Rentenbezugsdauer wachsen weiter. Diese Trends sind seit Jahrzehnten bekannt, doch die Reformen der vergangenen Jahre waren oft Stückwerk“, so Petry. Die neue Kommission stehe daher vor der Aufgabe, nicht nur Symptome kurieren zu helfen, sondern grundlegende Weichenstellungen vorzubereiten, „die dann auch endlich konsequent umgesetzt werden müssen“.

Petry: Rahmenbedingungen engen unnötig ein

Aus Sicht der betrieblichen Altersversorgung ist es für die Expertin entscheidend, „dass die Kommission endlich das Potential der bAV hebt und sie nicht weiter durch unnötig einengende Rahmenbedingungen fesselt. Die bAV ist seit Jahrzehnten ein zentraler Stabilitätsanker im deutschen Alterssicherungssystem“, argumentiert Petry. „Sie verbindet kollektive Risikoteilung, Kosteneffizienz und eine enge Bindung an das Arbeitsverhältnis. Dennoch stagniert die Verbreitung der bAV, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen.“

Ferner weist die ABA-Chefin auch auf die Komplexität im bAV-Kontext hin. Sie sagt, die „Komplexität der Durchführungswege sowie Haftungsthematiken schrecken viele Arbeitgeber ab“. Hier könnte unter anderem ein erleichterter Zugang zur Nutzung der reinen Beitragszusage helfen. „Ungeachtet dessen bleibt es wichtig, dass die schon bestehenden Möglichkeiten innerhalb der zweiten Säule konsequent ausgeschöpft werden. Die stärkere Nutzung von Sozialpartnermodellen liegt dabei in erster Linie in der Verantwortung der Sozialpartner. Sollten sie das attraktive gesetzliche Angebot nicht aufgreifen, steht zu befürchten, dass die Politik ihren Fokus zunehmend auf die dritte Säule verlagert.“

Damit das nicht passiere, müsse eine Reform, die diesen Namen verdiene, hier ansetzen: Vereinfachung, Entbürokratisierung und verlässliche Fördermechanismen. Petry ruft in Erinnerung, dass die deutsche Finanzaufsicht seit Mai 2025 erste Maßnahmen zur Entbürokratisierung vorgenommen habe, „doch für die bAV reicht das nicht“, so Petry weiter. Die ABA habe viele weitere Vorschläge zum Bürokratieabbau erarbeitet und werde diese auf ihrer Jahrestagung im Mai vorstellen, kündigte die Expertin an.

In ihrem Kommentar geht Petry auch auf die Frage ein, ob die Forderungen nach einem bAV-Obligatorium in der bAV zielführend sind. Petry: „Sinnvoller wären Opting-out-Modelle, die die Teilnahmequote erhöhen, sowie gezielte Entlastungen für kleinere Unternehmen. Irland und UK lassen grüßen!“

Die Alterssicherungskommission sollte nach Ansicht der ABA-Chefin versuchen, ein Gesamtversorgungsniveau zu definieren. Außerdem müsse sie drei zentrale Aufgaben erfüllen:

„1. Es braucht eine ehrliche Neubewertung der gesetzlichen Rentenversicherung, die die demografischen Realitäten anerkennt und nicht länger durch kurzfristigen politischen Aktionismus überdeckt.

  1. Die betriebliche Altersversorgung muss gestärkt werden – nicht durch Zwang, sondern durch zielführende Rahmenbedingungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer motivieren und echte Handlungsspielräume eröffnen.
  2. Die private Vorsorge muss so gestaltet werden, dass sie mehr als reine Vermögensbildung ist.“

Eine nachhaltige Reform gelinge nur, wenn alle drei Säulen ihre Aufgaben erfüllen können und ineinandergreifen. Die bAV sei dabei ein unverzichtbarer Pfeiler einer zukunftsfesten Alterssicherung, so Petry. „Und ich bleibe dabei: Deutschland braucht, wie es uns z.B. die Niederlande vormachen, eine robuste Altersversorgung mit einem dualen Kern aus gesetzlicher und betrieblicher Altersversorgung, die, wo nötig und gewünscht, durch eine private Altersvorsorge ergänzt wird, die ihren Namen auch verdient.“

Alterssicherungskommission mit einer Doppelspitze

Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas, hat am 7. Januar 2026 die Mitglieder der Alterssicherungskommission ernannt. Die Kommission hat unmittelbar darauf mit ihrer Arbeit begonnen. Sie soll Vorschläge erarbeiten, wie die Alterssicherung auch in den kommenden Jahrzehnten stabil, gerecht und nachhaltig bleibt.

Die beiden Vorsitzenden der Kommission sind Prof. Dr. Constanze Janda (Universität Speyer) und Frank-Jürgen Weise, Vorsitzender des Vorstands der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Die Deutsche Rentenversicherung Bund nimmt als Sachverständige an allen Sitzungen der Kommission teil.

Das Expertengremium werde sich mit den Herausforderungen der nachhaltigen Sicherung sowie der Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung und der betrieblichen und privaten Altersvorsorge befassen, heißt es. Sie werde dabei auf die bereits von der Bundesregierung eingeleiteten Reformmaßnahmen aufsetzen.

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