Versicherungen
8. April 2026

Investoren bemängeln Infrastruktur-Angebot

Umfrage: Deutsche Anleger wollen ihre Infrastruktur-Quoten erhöhen, jedoch nicht in Deutschland. Lebensversicherer schätzen Infrastructure Debt.

Deutsche Investoren haben nach wie vor Appetit auf Infrastruktur – allerdings nicht unbedingt auf deutsche Infrastruktur. Um für die hiesigen Infra-Assets mehr privates Geld zu mobilisieren, bräuchte es Verbesserungen im Angebot an investierbaren Projekten durch beispielsweise strukturpolitische Reformen. Ansonsten wird es dem von der Regierung verabschiedeten Infrastrukturpaket nicht gelingen, zusätzliches privates Kapital zu mobilisieren. Für über 90 Prozent der hiesigen Investoren sind in Deutschland weiterhin angebotsseitige Reformen erforderlich, damit die deutsche Volkswirtschaft vom starken inländischen Interesse an Infrastrukturinvestitionen profitieren kann. Diese und weitere Erkenntnisse finden sich in einer von Bfinance im März 2026 durchgeführten Umfrage unter deutschen Investoren aus verschiedenen Anlegergruppen.

Reverse Home Bias

Wie die Umfrage zeigt, legen deutsche Investoren ihren geografischen Schwerpunkt weiterhin auf Infrastruktur in Europa sowie Nordamerika und nicht speziell auf Deutschland. „Soll die deutsche Wirtschaft von dem wachsenden Interesse der Investoren an Infrastruktur profitieren, scheinen tiefgreifendere Reformen unumgänglich zu sein“, konstatiert Peter Hobbs, Managing Director, Private Markets Advisory beim Berater Bfinance. Ansonsten dürfte es bei dem sogenannten „Reverse Home Bias“ deutscher Anleger bezüglich Infrastruktur bleiben. Diese Neigung, die Asset-Klasse Infrastruktur lieber mit Assets aus dem Ausland zu bestücken, ermittelten bereits auch Analysen des BAI.

Bfinance verweist jedoch auch darauf, dass diese Beobachtung kein alleiniges deutsches Problem ist, sondern Ausdruck einer grundlegenden Eigenheit der Anlageklasse Infrastruktur. Während Immobilieninvestitionen traditionell stark heimmarktorientiert sind, erfolgt Infrastrukturinvestitionstätigkeit typischerweise auf regionaler oder globaler Ebene.

Regional liegt insbesondere europäische Infrastruktur im Fokus. Laut der Umfrage haben mehr als zwei Drittel der Anleger ein Ziel von mindestens zehn Prozent für Europa, während weniger als ein Viertel ein spezifisches Ziel für Deutschland angibt. Mehr als die Hälfte der Befragten hält zudem Anteile von mindestens einem Zehntel in Nordamerika. Für die Zukunft plant die Mehrheit der Anleger keine Änderungen in der regionalen Allokation. Konkret zu deutschen Assets ermittelte Bfinance, dass etwa die Hälfte der Befragten einen Mangel an passenden Produkten und Projekten sieht.

Nach investiertem Volumen betrachtet sollten die Infrastruktur-Investments jedoch zunehmen. Einerseits ist voraussichtlich mit einem Anstieg der Infrastruktur-Erstinvestoren zu rechnen: Der Anteil der Befragten, die derzeit keine Infrastrukturinvestitionen halten, dürfte von rund 60 auf etwa 40 Prozent sinken. Gleichzeitig wollen bestehende Anleger ihre Allokationen erhöhen – mehr als ein Drittel der Befragten strebt eine Zielallokation von fünf Prozent oder mehr an. Diese Absicht, die Allokationen zu erhöhen, zeigt sich bei allen Anlegertypen, wobei der deutlichste Anstieg bei Versicherern und privaten Pensionsfonds zu verzeichnen ist.

Equity vor Debt

Auf Basis der Befragung konnte Bfinance gegenüber portfolio institutionell zudem noch weitere interessante Ergebnisse präsentieren. Zu diesen zählen, dass der Investitionsschwerpunkt deutlich auf Core und Core-plus-Strategien liegt. Zudem liege Equity deutlich vor Debt. In Finanzierungen sind unter den Umfrageteilnehmern ausschließlich Versicherungen investiert. „Bei rund die Hälfte der Versicherungen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, macht Infrastruktur-Debt zehn bis 50 Prozent der gesamten Infrastruktur-Allokation aus“, teilt Matthias Grimm mit, der seit kurzem als Senior Director in Deutschland Kunden berät. „Aus unserer eigenen Markterfahrung wissen wir jedoch, dass auch Nicht-Versicherungen selektiv Interesse an Infrastructure Debt zeigen und bereits in diese Asset-Klasse investiert sind.“

Regulatorik macht Debt attraktiv

Attraktiv ist die Asset-Klasse Infrastruktur laut Grimm wegen ihres langfristigen Charakters insbesondere für langfristig orientierte Investoren, wie beispielsweise Lebensversicherer. „Die relative Attraktivität der Debt- und Equity-Subsegmente wird dabei maßgeblich durch die regulatorische Kapitalbehandlung bestimmt – insbesondere dann, wenn die Investitionen die Kriterien für ‚qualifizierende‘ Infrastrukturinvestitionen (QICI/QII) erfüllen. Aus regulatorischer Sicht kann Infrastruktur‑Debt daher für Versicherungen äußerst attraktiv sein, da sich für qualifizierende Infrastrukturkredite reduzierte Kapitalanforderungen ergeben.“

Abzuwägen ist dieser regulatorische Vorteil mit möglichen Performance-Nachteilen. Wie Grimm weiter ausführt, zeichnet sich Infrastruktur-Debt durch ein vergleichsweise niedriges Risikoprofil aus. „In einem Portfolio senkt Infrastructure-Debt tendenziell das Renditeniveau, erhöht jedoch die Stabilität und trägt wesentlich zur Diversifikation bei – insbesondere aus Sicht von Versicherungsunternehmen“, so der Bfinance-Berater.

Naheliegende Vergleichsbasis für Infra Debt ist in der Regel liquides Fixed Income. Matthias Grimm erklärt: „Aufgrund der langen Laufzeit der Investitionen, der überwiegend festen Verzinsung sowie der gut prognostizierbaren Cashflows weist die Asset-Klasse Eigenschaften auf, die einer Alternative zu klassischem Fixed Income sehr nahe kommen – jedoch mit dem Vorteil einer physischen, langfristigen Besicherung durch Infrastruktur-Assets. Gleichzeitig ergänzt Infrastruktur‑Debt Investments in Unternehmensanleihen sinnvoll und bietet Schutz gegenüber einer breiteren konjunkturellen Zyklik.“

Autoren:

Schlagworte: |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert