Immobilien
20. April 2026

Neue Liquiditätsregeln für alternative Investmentfonds

Diese betreffen unter anderem alle deutschen offenen Immobilien-Publikumsfonds ebenso wie offene Immobilien-Spezialfonds. Die EU will Gefahr von Rückgabewellen in kurzer Zeit eindämmen.

Für alternative Investmentfonds (AIF) gelten seit dem 16. April 2026 neue Regeln zum Liquiditätsmanagement. Die Europäische Union will damit die Gefahr von großen Rückgabewellen in kurzer Zeit eindämmen, wie die Beratungsgesellschaft Ypsilon Group in einer Pressemitteilung verdeutlicht.

Demnach handelt es sich um Vorgaben der AIFM-II-Richtlinie (Richtlinie (EU) 2024/927), die national am 16. April 2026 mit dem Fondsrisikobegrenzungsgesetz (FRiG) in Kraft getreten ist. Diese betreffen den Angaben zufolge unter anderem alle deutschen offenen Immobilien-Publikumsfonds ebenso wie offene Immobilien-Spezialfonds.

Konkret heißt das, dass ein Fondsmanager (Alternative Investment Fund Manager, AIFM) für jeden offenen alternativen Investmentfonds mindestens zwei Liquiditätsinstrumente auswählen muss. Neu sei der Grad an Formalisierung: Laut Ypsilon gibt es eine Pflicht zur Implementierung von Liquiditätsmanagement-Tools und zur Aufstellung eines Liquiditätsmanagementplans. Die Regeln gelten formal seit April 2024, müssen aber bis zum 16. April 2026 umgesetzt werden.

Ulrich Creydt, Geschäftsführer bei der Ypsilon GmbH Steuerberatungsgesellschaft, kommentiert: „Die Neuerungen haben vor allem Auswirkungen auf die offenen Immobilien-Publikumsfonds, aber auch auf die Spezialfonds. Grundsätzlich sind die deutschen Fonds gut vorbereitet, da es vor allem für die Publikumsfonds bereits umfassende nationale Regeln im Kapitalanlagegesetzbuch gibt.“ Dazu zählten etwa Mindesthaltefristen, Kündigungsfristen und Mindestliquiditätsquoten, so Creydt.

Mindestens zwei Liquiditätsmanagement-Tools verpflichtend auswählen

Neu ist jetzt, dass zwei dieser Tools verpflichtend ausgewählt werden müssen. Außerdem gebe es neue Tools, die bislang bei Immobilienfonds eher unüblich waren. Ein Beispiel ist das sogenannte Dual Pricing, das zwei Preise anstatt eines Net Asset Value vorsieht.

„Es gibt dann beispielsweise einen Rücknahmepreis, der niedriger ist und einen Ausgabepreis, der höher ist. Je nach Situation – etwa bei hohen Rückgaben oder hohen Zuflüsse – können die Preise angepasst werden“, führt Creydt aus. Dual Pricing sei typischerweise nicht innerhalb eines Tages dynamisch, sondern wird pro Bewertungstag festgelegt, so der Experte.

Regeln werden 2027 scharf geschaltet

Die Vorgaben treten in mehreren Stufen in Kraft. Grundsätzlich angewendet werden müssen die Regeln seit dem 16. April 2026. Aber wie schon bei früheren Regulierungen gebe es technische Standards, die über eine Level-2-Verordnung erst ein Jahr später – nämlich 2027 – angewendet werden müssen, heißt bei der Ypsilon Group.

„In den Standards wird dann geregelt, welche Parameter in den Liquiditätsmanagement-Tools zulässig sind und wie diese kalibriert werden müssen“, erläutert Creydt. Vereinfacht könne man sagen, dass das neue Regime 2026 startet, aber nach einer zwölfmonatigen Übergangsfrist zum 16. April 2027 über die technischen Standards scharf gestellt werde.

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