Alternative Anlagen
8. Mai 2026

Ausweichstrategien und Konsolidierung

Private-Equity-Fonds sitzen nach wie vor auf tausenden Unternehmens-Beteiligungen, während die Haltedauern steigen und Ausschüttungen stagnieren. Auf den Exit-Stau reagieren die selten um Lösungen verlegenen Manager mit Ausweichmechanismen. Continuation Funds und Secondaries machen inzwischen einen relevanten Exit-Anteil aus. Diese „internen Verkäufe“ lösen jedoch das Grundproblem nicht: Es fehlt an echten Käufern.

Die Exit-Erholung hängt daher maßgeblich von zwei Faktoren ab: sinkenden Zinsen und der Belebung der strategischen Nachfrage – etwa mit Geldern vom Retail-Markt. Aber: Was hat Retail-Geld in Private Equity verloren? Historisch war die Anlageklasse institutionellen Investoren vorbehalten, da Illiquidität, lange Kapitalbindung und komplexe Fee-Strukturen nur bedingt zu privaten Anlegern passen.

Dennoch nimmt die Branche das große Retail-Potential ins Visier. Die Gründe sind weniger altruistisch als strukturell: Institutionelle Anleger sind vielerorts „overallocated“ und halten sich mit Investitionen in neue Fonds zurück. Retail-Kapital soll zunehmend als Ersatz- und teilweise auch als Exit-Liquidität fungieren.

Damit sind wir bei der dritten zentralen Entwicklung: dem Siegeszug der Evergreen-Fonds. Im Gegensatz zu klassischen geschlossenen Fonds bieten sie laufende Investitionsmöglichkeiten und (begrenzte) Liquidität. Für Anleger entfällt die klassische J-Kurve und für Anbieter entsteht ein permanenter Kapitalstrom – ein strukturell attraktives Geschäftsmodell.

Der Markt reagiert gespalten: Befürworter sehen Evergreen-Strukturen als logische Evolution, die Private Equity „demokratisiert“ und stabilere Kapitalbasen schafft. Kritiker hingegen verweisen auf einen fundamentalen Widerspruch: Illiquides wird in semiliquide Hüllen gepackt. In Stressphasen kann das zu Liquiditätsengpässen, Bewertungsfragen und potenziellen Rücknahmebeschränkungen führen.

Im Ergebnis verschiebt sich das Gleichgewicht im Private-Equity-Markt deutlich. Closed-End-Fonds bleiben der institutionelle Goldstandard, während Evergreen-Vehikel als Wachstumstreiber im Retail- und Wealth-Segment fungieren. Kurzfristig mag sich das Exit-Problem teilweise entspannen, langfristig könnten Evergreen-Fonds jedoch neue Risiken schaffen – insbesondere, wenn zu viel Kapital auf zu wenige attraktive Deals trifft.

Private Equity steckt nicht in einem zyklischen Tal, sondern in einer strukturellen Neuordnung und Marktbereinigung. Manager verschwinden, weil sie die Erwartung der Anleger enttäuscht haben und keinen neuen Fonds mehr auflegen können.

Detlef Mackewicz, Geschäftsführer, Mackewicz & Partner

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