Traditionelle Anlagen
18. Mai 2026

Anleihen-Anleger wollen mehr Agilität

Laut Capital-Group-Umfrage erhöhen Investoren Fixed Income und suchen aktives Management. Lieber Anleihen als Aktien.

200 von 300 von der Capital Group befragten Investmentexperten wollen in ihren Investmentansätzen mehr Agilität – am häufigsten durch eine Ausweitung der taktischen Asset-Allokationsspielräume. Dazu passt, dass 46 den Einsatz aktiven Managements im Fixed-Income-Bereich erhöhen, während lediglich fünf Prozent diesen reduzieren. Zudem zählen die Anpassung der Zusammensetzung von Anleiheportfolios (72 Prozent) und geografische Diversifikation (67 Prozent) für die meisten Asset Owner zu den wichtigsten Prioritäten in den kommenden zwölf Monaten. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Umfrage von Capital Group. Diese wurde im Februar und März unter Experten verschiedener Anlegergruppen, mehrheitlich Pensionsfonds und Versicherungen, durchgeführt. Regional ergab sich eine Aufteilung von je einem Drittel für Nordamerika, EMEA und Asien. Ziel der Capital Group Fixed Income Horizons Survey 2026 ist zu ermitteln, wie institutionelle Asset Owner ihre Fixed-Income-Portfolios für die kommenden zwölf bis 24 Monate ausrichten.

„Vor dem Hintergrund anhaltender Unsicherheit werden festverzinsliche Anlagen zunehmend genutzt, um Portfolios zu stabilisieren“, sagt Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group. „Unsere Fixed Income Horizons Survey zeigt einen wachsenden Fokus auf geografische Diversifikation und Portfolioflexibilität, insbesondere bei Anlegern in den Regionen EMEA und Asien-Pazifik, die Konzentrationsrisiken reduzieren möchten. Asset Owner entwickeln zudem ihren Investmentansatz weiter, um Managern mehr Spielraum zu geben, auf Marktveränderungen zu reagieren.“

Anleihen statt Aktien

Gemäß der Umfrage dürften die Allokationen in liquide Fixed-Income-Anlagen in den kommenden zwölf Monaten steigen: 31 Prozent der Befragten planen eine Erhöhung, während 20 % eine Verringerung planen. Die wichtigsten Treiber sind der Wunsch nach Diversifikation von Aktienrisiken (61 Prozent) und eine defensivere Positionierung (59 Prozent). Von dieser Entwicklung profitieren dürfen insbesondere Investment-Grade-Unternehmensanleihen (IG) und Schwellenländeranleihen.

Die Studie zitiert einen Investmentdirektor eines chinesischen Versicherers: „Chinesische Wachstumsaktien sind überbewertet, und es ist schwierig, dort in diesem Jahr Gewinne zu erzielen“, sagt er. „Wir werden den Anteil an Unternehmensanleihen erhöhen, denn auch wenn sich die Renditeentwicklung etwas verlangsamt hat, sind sie immer noch eine gute Möglichkeit, stabile Erträge zu erzielen. Und wir werden uns mittelfristige Staatsanleihen ansehen, da langfristige Anleihen einem sehr hohen Zinsrisiko ausgesetzt sind.“

Europa auf dem Einkaufszettel

Wie auch andere Umfragen ergeben, sind Anleger gegenüber US-Assets skeptischer geworden. „Assumptions about US exceptionalism are being questioned – but not abandoned“, heißt es in der Studie. Der Anteil der Asset Owner, die planen, in den nächsten zwölf Monaten ihre Allokationen in europäische IG-Anleihen und APAC-IG-Anleihen zu erhöhen, ist größer als der Anteil der Asset Owner, die verstärkt in US-IG-Anleihen anlegen wollen. Damit kehre sich der Trend des Vorjahres um. Laut der Studie erhöhen EMEA-Anleger erhöhen ihre APAC-Allokationen (36 gegenüber 27 Prozent) und APAC-Anleger ihre Europa-Allokationen. Nordamerikanische Anleger erhöhen ihre Allokationen in Europa.

„Ich denke, wenn Anleger versuchen, ihr Portfolio aus den USA heraus zu diversifizieren, werden sie angesichts der Einschränkungen, die wir in Europa beobachten, ganz natürlich beginnen, sich sowohl bei festverzinslichen Wertpapieren als auch bei Aktien etwas stärker auf Asien und die Schwellenländer zu konzentrieren“, sagt der CIO eines Family Office in Deutschland. Er ergänzt, dass ein breites Anlageuniversum für Manager wichtig ist, um überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. „Man braucht eine ausreichende Marktbreite, um Alpha generieren zu können, und diese ist in Schwellenländern deutlich größer als in Industrieländern“, sagt er. „Ich bevorzuge globale Mandate und möchte die Möglichkeit haben, Frontier Markets und kleinere Währungen einzubeziehen. Dafür muss man sehr spezialisiert sein, und es ist effizienter, dies über aktive Strategien umzusetzen als über eine rein passive Lösung.“

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